Berlin - Zum zweiten Schulhalbjahr, das gerade begonnen hat, wollte die Senatsbildungsverwaltung 720 neue Lehrer einstellen. Immerhin 700 Pädagogen habe man inzwischen ausgewählt, teilte die Verwaltung nun mit. Unter diesen neuen Lehrern werden 100 Quereinsteiger ohne abgeschlossenes Lehramtsstudium sein. Das bedeutet: Jeder siebte neue Lehrer ist kein ausgebildeter Pädagoge. Bereits im Sommer hatte man aus schierer Personalnot 300 Quereinsteiger eingestellt, damals galt selbst Deutsch als Mangelfach.

Inzwischen werden Nicht-Pädagogen nur noch für naturwissenschaftliche Fächer, Mathe, Arbeitslehre, Sport, Musik, Englisch und Sonderpädagogik eingestellt, nicht aber zum Beispiel für Deutsch, Spanisch oder Kunst. Dennoch sorgen sich Schulleiter und Elternvertreter, dass die Unterrichtsqualität in Berlin weiter sinken könnte.

Immerhin haben von den 300 Quereinsteigern, die im Sommer 2014 eingestellt worden sind, bisher nur zehn aufgegeben, hieß es im Personalrat. „Das ist ein überraschend niedriger Wert“. In der Personalstelle der Bildungsverwaltung gehen weiter monatlich Hunderte Bewerbungen von Quereinsteigern ein, die aber oft die formalen Voraussetzungen nicht erfüllen. So haben sie nicht das richtige Fach studiert oder die Zahl der belegten Semesterwochenstunden reicht nicht aus.

Zum kommenden Schuljahr braucht Berlin 1700 neue Lehrer

Besonders groß ist derzeit der Bedarf an Sonderpädagogen, da Berlin die Inklusion an Schulen voranbringen will. Jetzt zum Schulhalbjahr und später im Sommer sollen jeweils 120 ausgebildete Sonderpädagogen als Lehrer eingestellt werden. Doch Anfang Februar gab es kaum Bewerber. „Die Nachwuchsgewinnung bei voll ausgebildeten Sonderschulpädagogen ist nahezu unmöglich, da sich trotz zahlreicher Nachfragen bei den Einstellungsverfahren kaum Bewerber melden“, teilte die GEW-Schulleitervereinigung in einem aktuellen Positionspapier mit. Zum neuen Schuljahr im Sommer werden insgesamt etwa 1700 weitere Lehrer gesucht, das wird die eigentliche Herausforderung.

Die Schulleitervereinigung stellt fest, dass die angestrebte qualitativ gute Versorgung in allen Fächern bereits im gerade zu Ende gegangenen Einstellungsverfahren nicht erreicht werden konnte. Neben Sonderpädagogen falle es besonders schwer, Grundschulpädagogen sowie Lehrer für Mathe und naturwissenschaftliche Fächer zu finden, so Lothar Semmel, Vizechef der GEW-Schulleitervereinigung.

Deshalb müssten an den Hochschulen mehr Sonderpädagogen ausgebildet werden, zudem müsste die Grundschule attraktiver gemacht werden. Grundschullehrer sollten weniger unterrichten müssen, zudem sollte ihr Gehalt dem der Studienräte an Oberschulen angenähert werden. Derzeit beträgt der Gehaltsunterschied etwa 500 Euro brutto. Das nach Regionen aufgeteilte Einstellungsverfahren muss laut Schulleitervereinigung überdacht werden, da Bewerber Problembezirke meiden würden. Außerdem müssten Referendare und Quereinsteiger intensiver betreut werden können.