Berlin - Das Badevergnügen im Weißen See könnte so schön sein. Nach fast einem Monat Zwangspause durch einen Abwasserrohrschaden ist das Strandbad wieder geöffnet. Und bei den fast hochsommerlichen Temperaturen in den vergangenen Tagen war die Anlage auch mit Badegästen recht gut besucht. Sogar die Wasserqualität ist ausgezeichnet. Das bescheinigte erst vor kurzem die Europäische Umweltagentur in ihrem EU-Badegewässerbericht. Jetzt ziehen neue dunkle Wolken über das Strandbad Weißensee auf. Denn nun wird das Wasser im Weißen See knapp. Innerhalb von drei Jahren ging der Pegel um fast einen Meter zurück.

Mit Sorge schaut Strandbad-Pächter Alexander Schüller auf den Nichtschwimmer-Bereich. Hier wird das Wasserstand-Problem sofort deutlich. Bis vor Wochen reichte hier noch das Wasser vom Weißen See bis über die ersten Stufen der Einstiegstreppe zum Nichtschwimmer-Becken. Nun liegen sie frei. Vor der Treppe ist an einigen Stellen nur noch matschiger Sand zu sehen.

„Das Wasser zieht sich immer mehr aus dem Nichtschwimmer-Bereich weg“, sagte Pächter Schüller der Berliner Zeitung. „Was da noch drin ist, können Kinder bestenfalls noch als Plansche nutzen.“

Der Pächter hat den Pegel nachgemessen. „Vor Wochen stand das Wasser im Nichtschwimmer-Bereich noch über einen Meter hoch“, erklärte Schüller. „Jetzt sind es nur noch 25 Zentimeter. Der heftige Gewitterregen am Mittwoch hat gerade einmal für einen Wasseranstieg von einem Zentimeter gesorgt.“

Insgesamt geht das Wasser im 8,3 Hektar großem Weißen See stark zurück. Noch vor Jahren wurden 10,64 Meter als maximale Tiefe für das Gewässer angegeben. Als 2014 das Landeslabor Berlin-Brandenburg die Wasserqualität im Auftrag des Landesamtes für Soziales und Gesundheit untersuchte, stand der Pegel bereits bei 9,50 Meter, berichtete der Strandbad-Pächter. „Als die Behörde vor zwei Wochen hier war und den Wasserstand mitkontrollierte, wurden am tiefsten Punkt nur noch 8,56 Meter gemessen“, so Schüller. „Ganze 94 Zentimeter sind damit in drei Jahren verschwunden.“

Es regnet zu wenig in Berlin

Der Weiße See ist ein Standgewässer ohne natürlichen Zufluss. Dass er austrocknet, liege vor allem am Klimawandel, sagen Experten. „Es regnet zu wenig in Berlin“, sagte Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. „Nur 580 Liter pro Quadratmeter sind es im Jahr. Zum Vergleich: In wärmeren Städten wie Barcelona sind es 630 Liter. In Berlin ist es zu lange trocken. Daher verdunstet immer stärker das Wasser im Weißen See.“

Das beliebte Badegewässer fasst ein Wasservolumen von 36.0000 Kubikmetern. „Davon sind in den vergangenen Jahren 40.000 Kubikmeter verdunstet“, sagt Dr. Maria Moorfeld, Leiterin des Natur- und Umweltamtes Pankow. Um den Verlust auszugleichen, versorgt eine Pumpe den See mit Grundwasser. Doch das reicht nicht. „Viele Neubauten rund um den Weißen See haben in der Vergangenheit mit dafür gesorgt, dass Regenwasser im Boden nicht mehr versickert und damit dem Weißen See nicht zugutekommt“, sagte Moorfeld. Es müsse ein vernünftiges Konzept her, um den See vor dem Austrocknen zu bewahren. „Doch dafür fehlt Geld und Personal“, so die Amtsleiterin.