Eine Testfahrt am Schöneberger Gasometer. Dort können die kleinen Zweiräder tagsüber kostenlos genutzt werden.
Foto: Andreas Klug

BerlinSie sehen aus wie Minifahrräder, aber über Pedale verfügen sie nicht. Ein neuartiges Elektrofahrzeug kann ab sofort in Schöneberg ausprobiert werden. Wheels heißen die kleinen Fahrzeuge, die auf dem Euref-Campus am Gasometer kostenlos genutzt werden dürfen. Einfach die Wheels-App laden, und los geht's.

Mit dem Gratisangebot beginnt das gleichnamige US-Unternehmen seinen Markteintritt in Deutschland.  Von diesem Sommer an sollen die kleinen E-Bikes auf Berliner Straßen und Plätzen zur Miete angeboten werden, und ihre Zahl soll rasch wachsen – auf einige tausend, wie Wheels-Manager Axel Lindner am Mittwoch ankündigte. „Künftig soll es unsere Fahrzeuge auch in Außenbezirken geben.“

Gehwege sind für die Zweiräder tabu, Wheels-Fahrer müssen die Fahrbahn benutzen. In Deutschland gelten die Vehikel als Leicht-Mofas, sie haben demnach auf der Straße zu fahren, teilte ein Sprecher mit. "Die ersten Städte, mit denen wir gesprochen haben, signalisieren jedoch, dass sie Fahren auf dem Radweg tolerieren werden", sagte er. "In Berlin wird es dazu auch eine Abstimmung mit den zuständigen Ordnungsämtern und der Polizei geben." Schließlich sehen die Wheels wie Klappräder aus – auch wenn sie noch Versicherungskennzeichen bekommen werden.

Batterieladung reicht für 45 Kilometer

Der Sattel ist etwas hart, die Räder klein. Dennoch vermitteln die rund 20 Kilo schweren E-Bikes ein besseres Fahrgefühl als E-Tretroller, mit denen sie laut Lindner vor allem konkurrieren. Deshalb wird es auch etwas mehr Geld kosten, sie zu nutzen. Andererseits sind die Wheels-Faherzeuge kürzer und leichter als Elektromieträder. Für die Füße gibt es Fußrasten. Zudem verfügen die in China hergestellten Gefährte, die Tempo 20 erreichen, über Scheibenbremsen und Beleuchtung – wenn auch nicht über Fahrtrichtungsanzeiger ("Blinker"). Voll geladen reichen die Batterien, die mit einem Handgriff ausgetauscht werden können, für 45 Kilometer.

Die Wheels-Zweiräder gibt es bereits in elf Städten in den USA, wo Wheels von Josh und Jon Viner gegründet worden ist. Zuletzt haben Investoren das Kapital des Unternehmens um rund 100 Millionen Euro aufgestockt. Inzwischen gibt es die Fahrzeuge in Stockholm, Basel sowie Madrid ebenfalls zu mieten – und nun auch in der „Start-up-Hauptstadt der Welt“, wie Lindner schmeichelte.

Technik soll Falschparken verhindern

Darum sei es für das Unternehmen zwangsläufig, sich auch hier zu engagieren – obwohl Berlin mit Mikromobilität schon gut versorgt ist, so der Wheels-Manager. Zu gut, wie manche Bürger meinen, die sich über die mit Kleinfahrzeugen zugestellten Gehwege beschweren. Im vergangenen Sommer wurden nach Senatsschätzungen allein rund 16 000 E-Tretroller in Berlin angeboten. Mehrere tausend Mietfahrräder kommen hinzu. Allerdings verweisen die Anbieter darauf, dass die Zahl der Kraftfahrzeuge deutlich höher ist. In Berlin sind inzwischen mehr als 1,2 Millionen Pkw zugelassen.

Die Technik wird dazu beitragen, dass sich die Wheels-Nutzer an die Regeln halten, sagte Europachef Lindner. So können "No Ride Zones" festgelegt werden, in denen der Elektromotor nicht funktioniert. "Derzeit ist das der gesamte Bereich außerhalb des Euref-Campus'", erklärte er. Auch "Slow Zones" können festgelegt werden - dort erreichen die Mini-E-Bikes maximal eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Technisch möglich ist auch die Einstellung von "No Parking Zones", in denen es nicht möglich ist, eine Fahrt zu beenden und das Fahrzeug abzustellen. Zudem gilt, dass der Nutzer nach jeder Miete ein Handyfoto von dem geparkten E-Bike schicken muss. Algorithmen stellen fest, ob die Regeln eingehalten wurden. 

Das Unternehmen hat eine weitere Sicherheitsvorkehrungen entwickelt. Künftig (ein Zeitpunkt für Berlin steht noch nicht fest) werden die Wheels-Zweiräder auch einen Helm mitführen, den der Nutzer aufsetzen kann, sagte Axel Lindner.