Neuer Aufsichtsratsvorsitzender bei Papierhersteller Leipa: Platzeck geht in die Wirtschaft

SCHWEDT - Gerade hat die Bahn im aktuellen Konflikt mit den Lokführern vorgeschlagen, den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Beobachter oder Vermittler in neue Verhandlungen zu holen. Die Lokführergewerkschaft hat eine Vermittlung in dem Tarifkonflikt zwar abgelehnt.

Aber allein der Vorschlag zeigt, wie populär Platzeck noch immer ist. Und es gibt offenbar noch andere, die sich eine Zukunft mit ihm vorstellen können. Der Mann, der Brandenburg von 2002 bis 2013 als Ministerpräsident regiert hat, hat bereits eine neue Aufgabe gefunden. Wie so viele Politiker vor ihm wird auch Platzeck in der Wirtschaft aktiv.

Der Papierhersteller Leipa in Schwedt in der Uckermark gab am Mittwoch bekannt, dass Platzeck seit 24. April neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Familienunternehmens ist.

650 Millionen Euro Umsatz

Die Firma, gegründet 1847, ist heute nach eigener Aussage eine der führenden Firmen bei der Herstellung von Hochglanzpapier für Zeitschriften, das vollständig aus Altpapier produziert wird. Das bayerische Unternehmen übernahm 1992 von der Treuhand die Schwedter Papierfabrik, die 1959 gegründet wurde und als größte und modernste der DDR galt.

Das Unternehmen hat heute drei Produktionsstätten: im bayerischen Schrobenhausen, in Schwedt und in Rumänien. Die Firma beschäftigt 1450 Mitarbeiter, stellt in Deutschland 900.000 Tonnen Papier pro Jahr her und macht einen Umsatz von jährlich etwa 650 Millionen Euro – davon 480 Millionen allein in Schwedt. Die „Hauptstadt der Uckermark“ ist inzwischen Hauptsitz der Firma, dort arbeitet fast genau die Hälfte aller Beschäftigen. In Schwedt will die Firma in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag für die Erweiterung der Produktion investieren.

Firmengesellschafter Hubert Schrödinger, dem Platzeck 2008 den Verdienstorden des Landes Brandenburg überreichte, teilte zur Wahl von Platzeck mit: „Wir sind stolz darauf, dass wir Herrn Platzeck als neues Mitglied der Leipa-Familie gewinnen konnten.“ Platzeck wird zitiert, dass er mit seinem Engagement in der Firma auf „die positive Weiterentwicklung und Förderung der Uckermark“ setze.

Der gebürtige Potsdamer hatte bereits seit Jahren seinen Wahlkreis im dünn besiedelten Nordosten des Landes und hat sich nun in der Uckermark mit seiner Frau ein Haus gebaut. Der Aufsichtsrat tagt viermal im Jahr. Seine Aufgabe ist es, die Geschäftsführung zu kontrollieren. Dafür erhält Platzeck eine Aufwandsentschädigung. Über deren Höhe machte die Firma keine Angaben.

Tätig für den ZDF-Verwaltungsrat

Derzeit ist Matthias Platzeck als Vertreter der Bundesländer noch Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat und bekommt dafür nach Angaben des Senders eine monatliche Aufwandsentschädigung von 766,94 Euro. Vorsitzender eines Aufsichtsrates war Platzeck schon einmal: Als Regierungschef war er ab 2003 Mitglied des Aufsichtsrates der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Als dann die Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld verschoben werden musste und das Desaster kein Ende nahm, übernahm Platzeck im Januar 2013 den Chefposten im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit.

Im Juni 2013 hatte Platzeck dann allerdings einen Schlaganfall und seine Ärzte rieten ihm – da er schon zuvor in der stressigen Zeit als Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei einen Hörsturz erlitten hat – zum Rückzug aus der aktiven Politik. Ende August 2013 trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.

Umstritten als Putin-Erklärer

Doch es war nicht allzu lange ruhig um Matthias Platzeck: Im März 2014 wurde er einstimmig von der Mitgliederversammlung des Deutsch-Russischen Forums zum Vorsitzenden gewählt. Seither hat er in den politischen Talkshows die Rolle des Putin-Erklärers übernommen und wurde dafür immer wieder heftig angegriffen.

Platzeck wurde vorgeworfen, nicht nur ein Putin-Versteher, sondern auch dessen Verteidiger zu sein. Auch Kanzlerin Merkel zeigte sich verärgert, weil Platzeck sich dafür aussprach, die Übernahme der zuvor ukrainischen Krim durch Russland zu legalisieren. „Die Annexion der Krim muss nachträglich völkerrechtlich geregelt werden, sodass sie für alle hinnehmbar ist“, sagte er der Passauer Neuen Presse.