Berlin - Die Schwimmhalle an der Thomas-Mann-Straße in Prenzlauer Berg ist eine Baustelle. Aus den beiden Schwimmbecken wurde das Wasser abgelassen, im Fliesenboden klaffen Löcher. Am Beckenrand steht der neue Bäder-Vorstand Ole Bested Hensing und hört sich von Architekten an, was hier alles geplant ist: eine bessere Akustik, neue Fliesen, eine komplett neue Haustechnik – 4,4 Millionen Euro soll die Sanierung mindestens kosten.

Geld, das derzeit fehlt. Bested Hensing blickt missmutig ins leere Becken. Dieses Bad sei eine „Totalkatastrophe“, sagt er. Die Sanierung mache es auch nicht viel besser. Er würde es am liebsten abreißen.

Seit 1. Mai ist Ole Bested Hensing, der vom Spaßbad Tropical Islands kam, im Amt. Und wie sich beim Baustellenrundgang am Mittwoch zeigte, will er nicht weniger als einen Kurswechsel in der Bäderpolitik. Bisher gilt die Senatsvorgabe, dass die 37 Hallenbadstandorte erhalten werden sollen.

Bested Hensing will lieber alte Hallen aufgeben. 14 Standorte stehen auf dem Prüfstand. Dafür, so Bested Hensing, sollten die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) an fünf zentralen Standorten, wo es schon Sommerbäder gibt, neue Hallenbäder bauen. Dann hätte man langfristig echte Attraktionen, die wirtschaftlicher zu führen seien.

Einen Standort nannte Bested Hensing am Mittwoch schon mal: das Sommerbad Pankow. Der Bäder-Chef will nicht die alte, längst aufgegebene Halle daneben wieder eröffnen. Er möchte ein neues Hallenbad auf dem Freibadgelände errichten. „Einen Neubau, der den Anforderungen einer modernen Gesellschaft entspricht.“

Wo sonst noch neue Hallen entstehen könnten, sagte Bested Hensing noch nicht. Erst soll sich am 6. September der BBB-Aufsichtsrat mit seinen Plänen befassen. Bested Hensing betonte aber, die anderen vier möglichen Standorte seien über die Stadt verteilt und gut erreichbar. Außerdem werde er dem Aufsichtsrat noch einen Neubau vorschlagen, wo es bisher kein Sommerbad gibt.

18 bis 37 Millionen Euro müssten pro Standort investiert werden, schätzte Bested Hensing. Er geht davon aus, dass sich dies lohnt. Das Ziel sei, jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich zu erwirtschaften. Außerdem wäre auch die Sanierung alter Bäder teuer und zahle sich nicht immer aus. So habe das Stadtbad Schöneberg nach der Sanierung weniger Besucher als vorher.

Berliner gingen im Durchschnitt 1,7 Mal im Jahr in ein Bad, so Bested Hensing. Der Bundesdurchschnitt liege bei 2,8 Mal. Der Grund dafür: „Was wir jetzt an Bädern haben, ist nicht gut.“ Kombibäder seien dagegen attraktiver. Bei seinen Neubauplänen schweben ihm Bäder mit Sprungtürmen, Rutschen und Wellness-Angeboten vor, wobei jedes Kombibad anders gestaltet sein könnte. Mal sportlicher, mal besonders familienfreundlich.

Außerdem lassen sich Kombibäder wirtschaftlicher führen, so Bested Hensing und Finanzvorstand Annette Siering: Man benötige weniger Energie und weniger Personal als für ein Frei- und ein Hallenbad an zwei Standorten. Man könne flexibler aufs Wetter reagieren, und es lasse sich mit der Gastronomie mehr verdienen.

Auf Widerstand werden Bested Hensings Pläne dort treffen, wo Hallen geschlossen werden sollen. Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) äußerte sich zwar positiv zu den Vorschlägen des neuen BBB-Chefs – „wir haben ihn ja geholt, damit er neue Ideen einbringt“. Statzkowski betonte aber, dass alte Zusagen nicht einfach gekippt werden könnten. Die Halle in der Thomas-Mann-Straße sei beispielsweise als Bad für Vereine und Schulen festgelegt worden. In die Beratungen über ein neues Konzept müssten alle Nutzer – Schulen, Vereine, Schwimmverband – miteinbezogen werden.

CDU-Fraktionschef Florian Graf sagte, entscheidend sei, dass auch künftig ausreichend Wasserflächen zur Verfügung stünden, also „die Versorgungssicherheit für die Bürger“ gewährleistet sei. Das sei wichtiger als eine „Standortsicherheit“ für jedes einzelne Bad.

Nach dem Aufsichtsrat wird das Parlament über den Kurswechsel beraten. Gibt es grünes Licht, soll 2014 das Konzept ausgearbeitet werden, so Bested Hensing. 2018 könnte das erste neue Bad öffnen.