Aus für den Eurocity Wawel: Mit dem ab Sonntag (14. Dezember) geltenden neuen Bahn-Fahrplan wird die Direktverbindung von Hamburg über Berlin und Brandenburg nach Breslau in Polen Geschichte sein. „Die Verbindung wird wegen des geringen Interesses von Reisenden eingestellt“, sagte Beata Czemerajda von der Pressestelle der polnischen Bahngesellschaft PKP Intercity. Der Zug verkehrte bislang einmal täglich pro Richtung.

Die Deutsche Bahn sieht nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, das Angebot des EC Wawel alleine fortzuführen. Die Fahrgastzahlen hätten im Grenzabschnitt bei etwa 40 bis 60 Reisenden pro Tag gelegen, teilte der Konzern mit. Hauptgrund für das geringe Interesse ist laut dem polnischen Unternehmen die lange Fahrzeit. Dem Fahrplan zufolge dauert eine direkte Fahrt mehr als sieben Stunden.

Kritik am Wegfall des EC Wawel

Seit geraumer Zeit gibt es vor allem in Südbrandenburg Kritik an dem vor Monaten angekündigten Wegfall. Am Samstag wollen Politiker und Wirtschaftsvertreter am Cottbuser Hauptbahnhof einen Kranz für die letzte Fahrt niederlegen, wie die Industrie- und Handelskammer Cottbus ankündigte. Danach wollen sie zu einer Protestfahrt nach Breslau (Wroclaw) einsteigen. Kritiker sehen mit dem Zugwegfall einen Rückschritt für die wirtschaftlichen Beziehungen. 2016 wird Breslau Europäische Kulturhauptstadt sein.

Alle anderen Züge nach Deutschland will die polnische Bahn weiter betreiben. „Das Verbindungsnetz zwischen Berlin und Warschau, Berlin und Poznan und die tägliche Verbindung zur Ostseeküste bleiben unverändert“, sagte Czemeraijda. Poznan ist der polnische Name für Posen.

Ersatz für den EC Wawel

Die Deutsche Bahn will auch als Ersatz für den EC Wawel mit dem neuen Fahrplan die Interregio-Express-Verbindung zumindest zwischen Berlin und Hamburg durch ein zweites Zugpaar aufstocken.

Der EC Wawel - benannt nach der einstigen Residenz polnischer Könige in Krakau - war nach Angaben der Deutschen Bahn seit 2001 im Einsatz. Zunächst fuhr er sogar nach Krakau, wegen Bauarbeiten endete die Strecke in den vergangenen zwei Jahren bereits in Breslau. (dpa)