Berlin - Ob nach Hamburg und Dresden, Riga, Kopenhagen oder Prag: Bereits heute hat keine andere deutsche Stadt so viele und so weit verzweigte Fernlinienbus-Verbindungen zu bieten wie Berlin. Jetzt erwarten Fachleute, dass das Angebot weiter zunehmen wird – diesmal noch rasanter als bisher.

Die für Anfang 2013 absehbare Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland werde dazu führen, dass weitere Unternehmen mit neuen Zielen auf den Markt drängten, sagte Stefan Christian, Präsident des Verbands Paneuropäischer Reisebusbahnhöfe, am Montag. Berlin brauche rasch einen zweiten Busbahnhof, der am Ostbahnhof entstehen sollte – nicht auf dem Tempelhofer Feld, wie es der Senat prüfen ließ.

Allein von 2000 bis 2010 ist auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Messedamm die Zahl der Ankünfte und Abfahrten um 47 Prozent gestiegen, berichtete Christian im Verkehrspolitischen Informationsverein. Im vergangenen Jahr gab es 65.328 Nutzungen. Schon jetzt ist der ZOB in Stoßzeiten teilweise überlastet, gestand der Senat ein.

Neuer ZOB am Ostbahnhof

Nun sei absehbar, dass dort bald noch mehr los sein wird, sagte Stefan Christian. Denn es gilt als sicher, dass der Bundesrat im November grünes Licht für eine Lockerung des Personenbeförderungsgesetzes geben wird, auf dessen Grundlage Behörden Fernbuslinien genehmigen. Dann wird es auch in Deutschland einfach sein, neue Strecken einzurichten – wofür sich große Anbieter wie National Express oder Stagecoach interessieren.

Die Liberalisierung wird auch in Berlin spürbar sein. Christian zitierte eine Studie, die für 2025 rund 148.600 Ankünfte und Abfahrten im Linien- und Gelegenheitsverkehr erwartet – dreimal so viele wie 2008. Der Senat rechnet damit, dass sich das jetzige Aufkommen mindestens verdoppelt.

Ausbau des ZOB am Messedamm für zwei Millionen Euro?

Was ist zu tun? Zum einen müsse Berlin den ZOB am Messedamm für zwei Millionen Euro so ausbauen, dass die Kapazität um rund ein Drittel steigt, so der Experte. Im Landesetat seien aber nur 800.000 Euro eingeplant. Hamburg, Köln oder München planen bereits größere Busbahnhöfe. Zum anderen müssten bald die Weichen für einen zweiten Busbahnhof gestellt werden. „Der Standort Ostbahnhof wäre sinnvoll, er ist zentrumsnah, bietet genug Platz und ist bei den Busunternehmen etabliert“, sagte Christian.

Das Tempelhofer Feld nahe der Oberlandstraße, das der Senat als Standort untersuchen ließ, kam in der von Christian vorgestellten Studie dagegen auf den letzten Platz. Dort brächten sich zudem Initiativen bereits in Stellung. „Ich bin gespannt, was daraus wird“, sagte er.