Berlin - Optimistisch stimmte der Ausblick nicht, den Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als neuer Aufsichtsratschef des Krisen-Flughafens Berlin Brandenburg im Bundestag vermittelte. Im Verkehrsausschuss nannte er es am Donnerstag unmöglich, einen neuen Starttermin für den Airport zu nennen, dessen Eröffnung vorige Woche wegen schwerer Baumängel verschoben wurde.

Allein die Neuplanung des Terminals würde bis Sommer dauern und müsse dann von den Behörden neu genehmigt werden. Technik-Chef Horst Amann rückte bei der nicht-öffentlichen Befragung aber von seiner jüngsten Aussage ab, man werde „eher 2015 als 2014“ öffnen, berichteten Teilnehmer. Er hätte besser gar kein Datum genannt.

Er schloss aber aus, dass Teile des Flughafens abgerissen und neu gebaut werden müssten. Das hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zuvor angedeutet. Zudem berichtete der Technikchef, dass die Sanierung der Anfang 2012 chaotisch verlegten Kabeltrassen weitgehend abgeschlossen sei.

Headhunter eingeschaltet

Die Suche nach dem Nachfolger von Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz, der am Mittwoch abberufen worden war, läuft umso schwieriger. Platzeck berichtete, wenn man bei Luftfahrtexperten anfrage, ende das Gespräch oft kurz nach Nennung des Namens BER.

Schon im Herbst hatten die Anteilseigner Personalberater eingeschaltet, um einen Finanzvorstand zu suchen, der Schwarz auf Wunsch des Bundes entlasten und auch ein wenig entmachten sollte. Nun sollen die Headhunter – externe Anwerber für Führungspersonal – auch den neuen Geschäftsführungschef finden. Beide Posten sind schwer zu besetzen, auch weil das Budget dafür begrenzt ist.

Platzeck favorisiert jemanden, der Erfahrung mit Flughäfen hat. Aus München bekam er am Donnerstag schon einen Korb: Der dortige Geschäftsführer für Verkehr und Technik, Thomas Weyer, „steht für einen Wechsel nach Berlin definitiv nicht zur Verfügung“. Auch Kölns Flughafenchef Michael Garvens will seinen Vertrag bis 2017 erfüllen. „Die Suche wird noch mehrere Woche dauern“, sagte Platzeck. So lange leite Technik-Vorstand Amann die Geschäfte.

Der Aufsichtsrat hat in seiner Sondersitzung am Mittwoch trotzdem schon über eine Erweiterung des Flughafens noch vor der Eröffnung gesprochen, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Minister Ramsauer hatte vorgeschlagen, die Verzögerung für einen BER-Ausbau zu nutzen. So könnten dort zehn Millionen Passagiere pro Jahr zusätzlich abgefertigt werden. Nun prüfe der Aufsichtsrat, „ob man bestimmte Investitionen gleich mit angeht“. Das könne Zeit sparen und Ausbau wie Sanierung im laufenden Betrieb vermeiden.

Ramsauer bestreitet eigene Fehler

Bei den Investitionen handelt es sich um die Erweiterung des Terminals und eine Sanierung der Flugbahn Nord. Sie wird noch durch den alten Flughafen Schönefeld genutzt und muss grundsaniert werden. Geplant war das für 2018, Experten halten es aber schon 2016 für nötig. Im Terminal sind zudem zusätzliche Gepäckbänder und Abfertigungsschalter erforderlich. Sonst drohen Kapazitätsengpässe: BER ist auf 27 Millionen Passagiere jährlich ausgelegt, Tegel und Schönefeld nutzten 2012 aber bereits 25 Millionen Reisende.

Jede weitere Verzögerung am BER erhöhe die Notwendigkeit des Ausbaus, hieß es. Platzeck sieht das Problem, müsste weiteren Flugverkehr aber vor den lärmgeplagten Anwohnern in Schönefeld rechtfertigen. Zuversichtlich stimme ihn, dass seine BER-Task-Force am Mittwoch die Arbeit aufnahm. Dass ihr Leiter aber Rainer Bretschneider ist, Brandenburgs Staatssekretär für Bau und Infrastruktur, sehen Union und Grüne im Bundestag skeptisch. Immerhin sei er in diesem Amt an den Planungen beteiligt gewesen.

Ramsauer bestritt vor dem Ausschuss erneut, Fehler begangen zu haben. Der Bund sei zwar im Aufsichtsrat vertreten, trage aber als Minderheitseigner – er hält 26 Prozent, Berlin und Brandenburg je 37 – keine Schuld. Er habe nach der Verschiebung 2012 eine Sonderkommission eingesetzt, die „viele konstruktive Dinge zu Tage brachte“. Wowereit fehlte in der Sitzung ganz.

Erstmals wurden aber zwei der Chefplaner des Architekturbüros Meinhard von Gerkans befragt, das die Planung geleitet hatte und nach dem geplatzten Termin im Mai gefeuert und verklagt wurde. Sie berichteten von 500 Änderungswünschen, die „im Prozess“ von den Bauherren gekommen seien. Als Planung und Bau liefen, sei die Terminalfläche von 200 000 auf 320 000 Quadratmeter vergrößert worden. Während des Baus mussten vier neue Bauanträge gestellt werden.

Planer: Chefs waren informiert

Die Planer widersprachen der Darstellung, die Entrauchungsanlage, die maßgeblich zur Verschiebung führte, sei aus ästhetischen Gründen zu kompliziert konzipiert. Nur acht von mehr als 100 Ventilatoren zur Entrauchung würden Qualm nach unten abführen – am unterirdischen S-Bahnhof, wo das technisch sinnvoll und möglich sei.

Auf Nachfrage der Verkehrspolitiker betonten die Planer zudem, sie hätten die BER-Geschäftsführung stets über alle Probleme und den gefährdeten Start-Termin informiert – Geschäftsführer Schwarz habe die Warnungen aber nicht an den Aufsichtsrat weitergegeben. Es handele sich um einen politisch gewünschtes Datum, habe er gesagt und schlechte Nachrichten „gedeckelt“. Aus seinem Umfeld heißt es derweil, Wowereit habe massiven Druck auf ihn ausgeübt, um den Start am 3. Juni 2012 zu halten.

Der Senat hat inzwischen eine Internet-Hotline für Geschäftsleute eingerichtet, die wegen der verschobenen BER-Eröffnung Hilfe brauchen (Service-fuer-BER-Unternehmen@Berlin-Partner.de). Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sagte am Donnerstag, bisher seien noch keine Anfragen eingegangen.

Es seien aber bereits viele Einzelfallregelungen mit Unternehmen getroffen worden, die unter der BER-Krise leiden. In zwei Fällen gehe es um Überbrückungshilfe von der Investitionsbank, acht weiteren Firmen helfe die Bürgschaftsbank.