Die Suche nach einer neuen Leitung der Berlinale erinnert nicht allein deshalb an eine spektakuläre Berufung eines neuen Fußball-Trainers, weil derzeit gerade in Russland um Sieg und Niederlage gespielt wird. Die Debatte um die Nachfolge des langjährigen Berlinale-Chefs Dieter Kosslick wurde über Monate derart leidenschaftlich geführt, dass dem aus Altersgründen fälligen Personalwechsel schließlich die Bedeutung eines symbolisch aufgeladenen Paradigmenwechsels zukam. Da passt es ins Bild, dass die Nachricht über die neue Führung am Potsdamer Platz bereits Tage vor der geplanten Bekanntgabe am Freitag, wie es im Journalistenjargon heißt, durchgestochen wurde.

Die Zeiten, in denen kulturpolitische Entscheidungen allenfalls Eingeweihten interessant erscheinen, sind vorbei. Beim Film geht es auch um Glanz und Glamour, und das Votum für den Schweizer Filmpublizisten und Festivalleiter von Locarno, den 46-jährigen Carlo Chatrian, kann als äußerst glamourös bezeichnet werden. Der Mann sieht gut aus, spricht Englisch mit einem sympathischen italienischen Akzent, ist, wie man so sagt, international gut vernetzt und wird in Cineastenkreisen als Kenner geschätzt. Die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters angeleitete Findungskommission hat aus der scheinbar schwer zu lösenden Pflicht eine gelungene Kür gemacht. Ein kulturpolitischer Befreiungsschlag – auch wenn dieser alte Fußballbegriff nicht unbedingt der modernen Spielweise entsprechen mag.

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