Es ist ein harter Job, den Johannes Kleinsorg ab September übernimmt. Vielleicht sogar ein unmöglicher. Das zeigen auch die drei Monate, die es gebraucht hat, die Stelle zu besetzen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) stellte Kleinsorg am Dienstag als neuen Chef der Berliner Bäderbetriebe vor und formulierte deutlich die Anforderungen, die er und der Senat an Kleinsorg haben: Die Rekordzahlen bei den Besuchern halten, eine Rekordzahl von Bädern sanieren, einen Mentalitätswechsel im Landesbetrieb anstoßen, für besseren Service  und bei erhöhter Belastung zugleich für eine super Stimmung unter der Belegschaft sorgen.

Beinahe klang Geisel erleichtert, dass er die Aufgabe nicht selbst übernehmen muss: „Berliner lieben ihre Bäder, manchmal hadern sie mit ihren Bädern – und zwar beides sehr leidenschaftlich“, sagte er. Da wünsche er Kleinsorg viel Glück.

Kleinsorg: „Ich bin lieber für das Original zuständig"

Kleinsorg hat jahrzehntelange Erfahrung als Manager im Energiebereich. Der studierte Volkswirt war Geschäftsführer der Frankengas GmbH in Nürnberg, danach Bereichsleiter bei den Stadtwerken Kiel und zuletzt ab 2014 Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Leipzig. Allerdings scheint seine letzte, größte Position nicht von Erfolg gekrönt: Nach Berichten der Leipziger Volkszeitung wollte Kleinsorg eigentlich bleiben, sogar an die Konzernspitze vorrücken und soll dafür Branchenkennern zufolge hinter den Kulissen gegen den eigenen Chef gearbeitet haben.

Doch die Leipziger Stadtwerke stellten sich an der Spitze ganz neu auf. Sein Nachfolger in Leipzig ist bereits seit Anfang Juli im Dienst, Kleinsorgs Vertrag läuft regulär Ende August aus, direkt im Anschluss startet er in Berlin. Ein Abstieg? Nein, versichert Kleinsorg. Leipzig halte sich zwar gelegentlich für das bessere Berlin. Doch: „Ich bin lieber für das Original zuständig.“

Noch ist Kleinsorg nicht eingearbeitet, inhaltlich hatte er deswegen wenig zu verkünden. Berlin kennt er persönlich, von 1993 bis 1998 hat er hier gelebt. Begeistert erzählt er, wie seine beiden Söhne in den Berliner Bädern schwimmen gelernt und gar nicht mehr aus dem Wasser rauszubekommen waren. Das ist gefühlig. Aber ab September werden Anekdoten nicht reichen.

Sanierung im Kreuzberger Wellenbad verzögert sich

Schon ein ursprünglich für dieses Jahr geplantes Großprojekt verzögert sich: Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg sollte eigentlich ab Herbst zweieinhalb Jahre lang saniert werden. Hier muss die Sauna modernisiert und Barrierefreiheit geschaffen werden. Das werde sich nun bis 2020 verzögern, teilte Geisel mit.

„Der Planungsvorlauf ist größer als erwartet“, sagte ein Sprecher der Berliner Bäderbetriebe der Berliner Zeitung. Der Senat habe mehr Geld zur Verfügung gestellt, das man in eine zusätzliche „Attraktivierung“ des Wellenbads investieren wolle. Bisherige Pläne seien von einer Bestands-Sanierung ausgegangen. Welche Maßnahmen infrage kommen, sei noch nicht spruchreif, ebenso wenig wie der genaue Termin für den Sanierungsbeginn. Zu lange aber dürfen sich die Bäderbetriebe nicht Zeit lassen: Der Umbau im Wellenbad wird zum Teil aus Mitteln des Bundes finanziert. Sie müssen bis Ende 2020 verbaut sein, damit sie nicht verfallen.

Außenbecken, Wintergarten und Kletterwand für Stadtbad Tiergarten

Bereits seit Mitte Juni geschlossen sind das Stadtbad Tiergarten in Moabit und das Paracelsus-Bad in Reinickendorf – die beiden anderen für dieses Jahr angedachten Großprojekte. Di  Sanierungsarbeiten haben bereits begonnen, auch bei ihnen sollen die Bauarbeiten mindestens zwei Jahre dauern. Das Stadtbad Tiergarten soll  ein Außenbecken, eine Kletterwand und einen Wintergarten erhalten.

Zurzeit ebenfalls und noch für einige Wochen bis Monate wegen Sanierungsarbeiten geschlossen: Die Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Marzahn, die Stadtbäder Schöneberg, Wilmersdorf, Lankwitz, Märkisches Viertel sowieso die Schwimmhalle in Buch. 

Um die Besucherzahlen trotz der zahlreichen Schließungen im Winter zu halten oder gar zu erhöhen, wollen die Bäderbetriebe aus Freibädern im Winter Hallenbäder machen und so die zur Verfügung stehenden Flächen erhöhen. Das soll dank sogenannter Traglufhallen funktionieren.

Traglufthallen für den Winter: Aus Außenbecken werden Hallenbäder

Traglufthallen wurden in den Jahren 2016 und 2017 in mehreren Gemeinden als Unterkünfte für Flüchtlinge aufgestellt. In Berlin sollen die in wenigen Wochen errichteten Hallen demnächst Schwimmbecken überspannen –  angedacht ist diese Lösung für die 50-Meter-Sportbecken im Kombibad Seestraße in Wedding und für die 25-Meter-Schwimmhalle im Kreuzberger Prinzenbad. Noch arbeite man an den Plänen und Details, hieß es von den Berliner Bäderbetrieben. In Kürze wolle man bekanntgeben, wann die Leichtbauhallen errichtet würden. Im Prinzenbad sollen die neuüberdachten Bahnen spätestens in Betrieb genommen werden können, wenn das Wellenbad geschlossen wird, um Vereinen und Schulen Alternativen bieten zu können.

Ganz oben auf Kleinsorgs To-Do-Liste dürfte außerdem das Verfassen eines neuen Bäderkonzepts stehen. Der Senat hat es bereits 2018 gefordert, Geisel bat mit Blick auf den bevorstehenden Wechsel an der Führungsspitze der Bäderbetriebe um Aufschub. Der neue Chef sollte am Entwurf beteiligt sein.