Am Stadtrand kann man scheitern. Als Restaurant oder Bar, als Club erst recht. Das stellte jüngst das Kiki Blofeld unter Beweis, das nach nicht mal einem Jahr im Winter 2014 die Pforten der neuen Location in Oberschöneweide auch schon wieder schloss. Am Stadtrand kann man aber auch erfolgreich sein. Der im Sommer 2014 eröffnete Club Czar Hagestolz schlägt sich wacker in Marzahn. Nun soll noch ein Erfolgsbeispiel hinzukommen - ausgerechnet in der Gegend, in der das Kiki Blofeld sein Ende fand.

Unter der Federführung von Geschäftsführer Martin Koch will eine Gruppe von Kulturschaffenden am 12. Dezember in Oberschöneweide die "Weyde" eröffnen. In den Spreehöfen an der Wilhelminenhofstraße, nur ein paar hundert Meter vom alten Kiki Blofeld entfernt, ist dafür auf etwa 1000 Quadratmetern eine Mischung aus Club, Musikhalle und Event-Ort entstanden. Den Dreiklang veranschaulicht eine kleine hochgestellte Drei, die im Logo des Orts auftaucht: "Weyde³", wird auf dem Schild über dem Eingang stehen.

"Unter der Woche sollen Konzerte und private Veranstaltungen stattfinden, Freitag und Samstag ist Clubbetrieb", sagt Martin Koch am Telefon. Der Wiener Agentur-Inhaber hat gute Beziehungen nach Berlin und zu den Spreehöfen, die auch in österreichischem Besitz sind. Deswegen sagte er zu, als die Anfrage aus Schöneweide kam.

Mit dabei sind die Berliner Veranstaltungsmanager Kai-Uwe de Graf und Alexis Valendiek sowie Pressesprecher Jens Schwan, der in Berlin zuletzt den Zug der Liebe organisierte. Genau wie bei der Parade wird es in der "Weyde" elektronisch zugehen, aber neben Techno und House sollen weitere Gattungen Gehör finden. An welchem Dezember-Wochenende genau die "Weyde" Eröffnung feiern wird, steht noch nicht fest.

Aktuell laufen die Vorbereitungen in den Räumen an der Spree auf Hochtouren. Der künftige Club fasst insgesamt etwa tausend Menschen, die sich auf verschiedenen Floors austoben können: einem großen, einem kleinen und dem "Elektrocafé" für die After Hour mit großer Glasfront zum Wasser. "Außerdem gibt es vor der Garderobe Platz zum Tanzen, das ist ein kleiner vierter Floor", berichtet Koch.

Ein besonderes Highlight sind für den 38-jährigen Geschäftsführer die Lichtinstallationen. "Dahinter stecken die Leute, die auch die Decke aus leuchtenden Punkten im Watergate gemacht haben." Auch die Architekten vom Studio Karhard, die einst das Berghain designten, standen Koch & Co. beratend zu Seite.

"Die 'Weyde' soll keine Holzbretterbude werden, wie all die anderen", sagt Sprecher Jens Schwan lachend am Telefon. "Etwas Klassisches entsteht hier, dunkel, mit klaren Linien und Aluminium. Besonders gespannt bin ich auf die Wahnsinnskonstruktion, die den großen und kleinen Floor voneinander trennt, den Schall abschirmt - und durch die man aber trotzdem durchgehen kann."

Anreise mit dem Boot

Schwan verrät noch nicht alles - auch nicht über den geplanten Trinkwasserbrunnen und die genauen Pläne für das 400 Quadratmeter große Außenareal am Wasser. Nur so viel: Die Macher hoffen auf ein Bootsshuttle, das Feierlustige von der Innenstadt nach Schöneweide schifft. Man stehe bereits im Gespräch mit einer Reederei und anderen Clubs in Wassernähe, die das Partyboot ansteuern könnte.

Soll so also die Distanz von Mitte bis an den Stadtrand überbrückt werden? Ein Boot gegen die Angst, dass Gäste ausbleiben? "Nein, das befürchten wir nicht", sagt Schwan. "Schöneweide ist im Kommen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft, der Campus in Adlershof: Da laufen so viele junge Leute rum. Außerdem liegt das Sisyphos auch nicht gerade mittendrin, das Czar Hagestolz noch viel weiter draußen - und die laufen auch!"

Schwan hält die Innenstadt – was Clubs anbelangt – für tot. "Jeder Club, der in Mitte neu eröffnet, entsteht höchstens in den Räumlichkeiten eines alten Clubs, der zuvor schließen musste." Es sei deswegen wichtig, Bar- und Clubkultur weiter draußen neu anzusiedeln. „Das erschließt neue Räume und belebt den Kiez drumherum." Schwan ist sicher: Die „Weyde“ wird nicht scheitern.