Er ist nicht mehr der Jüngste, der Wasserturm am Ostkreuz. Doch das ungewöhnliche Gebäude von 1912, dessen spitzes Dach an eine Pickelhaube erinnert, beflügelt offenbar die Fantasie. Denn als die Deutsche Bahn (DB) den Turm zum Verkauf ausschrieb, war der Zuspruch groß. Es gab rund 40 Interessenten. Nun hat das Bauwerk den Eigentümer gewechselt, teilte die DB mit – für eine sechsstellige Summe. Doch daran gibt es Kritik.

„Von der hohen Kaufsumme bin ich überrascht. Sie ist ein weiterer Beweis dafür, dass in Friedrichshain derzeit mit Immobilien Monopoly gespielt wird“, sagte der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann, der in der Nähe wohnt. „Schade, dass Interessenten aus dem Kiez nicht zum Zuge gekommen sind. Mir wurden sehr professionelle Konzepte vorgestellt. Diese jungen Leute waren bereit, bis zu 50.000 Euro für den Turm zu bezahlen.“ Doch die DB entschied anders. Ende Februar wurde der Vertrag unterzeichnet.

Postbahnhof-Eigentümer Fabich machte das Rennen

Wer den 59 Meter hohen Turm erworben hat, teilte die Bahn nicht mit. Wer sich umhört, erfährt immer wieder einen Namen: Uwe Fabich. Fabich gehört bereits der Postbahnhof am Ostbahnhof. Heute beherbergt das historische Gebäude von 1907 den Fritz-Club des gleichnamigen Hörfunksenders, andere Bereiche können für Veranstaltungen gemietet werden. Auf eine Anfrage reagierte Fabich bisher nicht.

„Der Investor wird sich zur zukünftigen Nutzung in der Öffentlichkeit selbst äußern“, so die Bahn. Erste Hinweise gibt es aber schon. „Eine gemischte Nutzung, auch öffentlich, ist vorgesehen“, so die DB. Ein Restaurant oder ein Café wäre möglich, dagegen seien Ferienwohnungen ausgeschlossen.

Klar sei auch, dass sich der Investor gedulden muss, bis er mit der Sanierung beginnen und eine Zufahrt anlegen darf. Denn zunächst müsse für das rund 880 Quadratmeter große Turm-Grundstück der landschaftspflegerische Begleitplan zum Ostkreuz-Umbau, der dort eine Grünfläche vorsieht, geändert werden. Das erforderliche Verfahren werde ungefähr ein Jahr dauern, so die DB.

Auch der Umbau wird nicht ganz einfach. Die Stahltanks, Kessel und hydraulischen Anlagen aus der Dampflokzeit müssen entfernt werden. Kosten: rund 109.000 Euro.

Aussichtsplattform für alle

Wie berichtet war der Wasserturm bereits Thema einer Diplomarbeit. Raja Kozlovskaya, inzwischen Bauingenieurin, entwarf für den Schaft, dessen Innendurchmesser bis zu 9,50 Meter beträgt, sieben Wohnungen. Im Dach könnte ein zweigeschossiges Restaurant entstehen.

„Die Aussicht vom Turm auf die Rummelsburger Bucht und den Boxhagener Kiez sollte für jedermann möglich sein“, sagte Sven Heinemann. Vorbild sei die Aussichtsplattform auf dem Katarinahissen, einem öffentlichen Aufzug in Stockholm. „Das sollte mit dem Landesdenkmalamt unbedingt geprüft werden“, so der Abgeordnete.