Neuer Estrel-Tower: Berlin bekommt den höchsten Hotelturm Deutschlands

Nicht am Alexanderplatz, sondern an der Neuköllner Sonnenallee soll das höchste Haus Berlins gebaut werden. Der Unternehmer Ekkehard Streletzki will dort vis à vis des Hotels Estrel, das er vor 20 Jahren eröffnet hat, einen 175 Meter hohen Hotelturm errichten. Am Dienstag stellte er die Pläne vor.

„Es passiert so häufig im Jahr, dass wir zu wenige Zimmer haben“, sagte Streletzki, obwohl es schon gut 1 000 Zimmer im Hotel Estrel gibt. Deswegen soll nun der 46-geschossige Estrel Tower mit 814 Zimmern dazukommen. Der neue Turm wird etwa zweieinhalb Mal so hoch wie das jetzige Hotel Estrel (65 Meter). Mit 175 Metern wird der Tower sogar das am Alexanderplatz geplante Wohnhochhaus des US-Investors Hines (150 Meter) überragen – und zugleich der höchste Hotelturm Deutschlands sein.

Der Estrel Tower soll nach Plänen des Architekturbüros Barkow Leibinger entstehen, die sich in einem Wettbewerb gegen fünf Konkurrenten durchgesetzt haben. Die Architekten planen einen schlanken Turm mit einer Glas-Metall-Fassade. Jedes Zimmer soll eine Loggia erhalten. Ganz oben ist eine Freiluftterrasse mit Bar vorgesehen. Barkow und Leibinger waren beim Wettbewerb für das Hines-Hochhaus am Alexanderplatz auf den 3. Platz gekommen. Mit Hochhäusern kennen sie sich aber aus. Sie haben den 70 Meter hohen Turm für den Ölkonzern Total am Hauptbahnhof geplant.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lobte den Entwurf für den Estrel Tower als „äußerst elegant“, der Turm werde ein „Wahrzeichen“ sein, sagte sie. Neben dem Hotel-Hochhaus sind noch ein 55 Meter hoher Büroturm, ein Restaurant und ein Spa-Bereich, ein Parkhaus sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen geplant.

Lüscher sagte, durch den Bau des Hotelturms entstehe an der Sonnenallee mit dem bestehenden Hotel Estrel eine Torsituation. Der Standort zwischen der Innenstadt und dem Gebiet außerhalb des S-Bahn-Rings sei „äußerst gut geeignet“ für ein Hochhaus. Es bleibe ansonsten dabei, dass Hochhäuser in der City am Breitscheidplatz und am Alexanderplatz entstehen sollen.

Estrel-Direktor Thomas Brückner sagte, Ziel sei es, durch die Erweiterung der Veranstaltungsflächen wichtige „internationale Player in der Stadt zu halten“. Wenn sich das Hotel nicht weiterentwickele, drohe es, Veranstaltungen zu verlieren – nach Barcelona oder Rom. Im Estrel finden wichtige Produktpräsentationen statt, so Brückner, zum Beispiel von den Sportartikelherstellern Adidas und Puma. Aber auch Autofirmen wie Toyota nutzen die Räume. Die Kongress- und Veranstaltungsflächen des Estrel, die bereits jetzt von 15.000 auf 25.000 Quadratmeter ausgebaut werden, sollen durch den geplanten Neubau noch mal um rund 13.500 Quadratmeter wachsen.

Zu den Kosten des geplanten Neubaues konnte Streletzki am Dienstag keine Angaben machen. Er betonte aber, er wolle nicht so viel Geld ausgeben, wie der US-Investor Hines am Alexanderplatz, der bis zu 250 Millionen Euro investieren will. Wann die Arbeiten beginnen, ist ebenfalls offen. Bis Ende des Jahres erwarte er das Baurecht, sagte Streletzki. Die Bauarbeiten würden dann „sicher zwei Jahre in Anspruch nehmen“. Ab 2017 könnte das Haus also stehen. Die Hotelgäste sollen zwischen beiden Hotelbereichen pendeln können, ohne nass zu werden. Zu diesem Zweck hat das Estrel extra eine alte Gleisanlage gekauft, die unter der Sonnenallee entlang- führt. Dort soll eine Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Hotel angelegt werden.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), der in seinem Bezirk sonst eher mit sozialen Problem zu tun hat, lobte am Dienstag, Streletzki und das Estrel seien das Beste, was dem Bezirk Neukölln je passiert sei.

Die Entwürfe für den Estrel Tower sind am 26. und 27. Februar und vom 2. bis 6. März im Estrel, Sonnenallee 225, Raum Paris, von 9 bis 20 Uhr zu sehen.