So viel steht fest: Es gibt einfachere Jobs als den, das Monster im Schönefelder Flughafen BER zu zähmen. Monster – so heißt intern die Entrauchungsanlage 14, die große Teile des neuen Terminals bei Bränden von Qualm befreien soll, aber in der jetzigen Form nicht funktionieren kann. Es ist ein überkomplexes System, das schon viele Fachleute verzweifeln ließ. Jetzt ist ein weiterer Ingenieur angetreten, das Monster endlich zum Arbeiten zu bringen – und auch alle anderen Technikprobleme am Problemflughafen aus der Welt zu schaffen, damit der BER fertiggestellt werden kann. Jörg Marks soll das Kunststück schaffen. Der 46 Jahre alte Ingenieur und Nachrichtentechniker wird zum 1.August neuer Technikchef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, kurz FBB. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Jörg Marks weiß, dass es in Schönefeld nicht nur um Technik geht, um Rauchklappen, Kabelkanäle und Steuerungen. Am BER steht mehr auf dem Spiel: der Ruf der Region Berlin-Brandenburg , ja sogar der Ingenieurnation Deutschland. Marks muss zeigen, dass sich das Horrorprojekt retten lässt und dass das Terminal nicht wegen unlösbarer Probleme zum Spaßbad umgebaut werden muss. In seiner Hand liegt es, ob Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach unfassbar vielen Pannen am Ende doch noch den entscheidenden Erfolg melden können: Der BER geht endlich ans Netz.

Dass der bisherige Siemens-Manager jetzt Leiter Technik und Bau der Berliner Flughäfen sowie Technischer Gesamtprojektleiter am BER wird, hat ebenfalls mit diesen Pannen zu tun. So ist sein Vorgänger Jochen Großmann nach Korruptionsvorwürfen gefeuert worden. Davor mussten zwei Technik-Geschäftsführer ihre Posten verlassen: erst Manfred Körtgen, später Horst Amann, der seitdem als gut bezahlter Spaziergänger wieder öfter in seinem Heimatdorf in Hessen gesichtet wird. Marks ist nun der vierte Technikverantwortliche am BER.

Absoluter Wunschkandidat

Eingewöhnen muss er sich aber nicht, denn er kennt die Baustelle seit Langem. Seit 2008 verantwortet er den Siemens-Auftrag für die Gebäudeautomation am BER. Der Konzern ist für die Steuerungstechnik der Entrauchungsanlage zuständig und bekam im Oktober 2013 einen Erweiterungsauftrag.

Doch Jörg Marks ist nicht nur Ingenieur, er hat auch Chefqualitäten. Seit 2005 ist er bei Siemens Leiter der Region Ost der „Building Technologies Division“ – zuständig für Sicherheitstechnik, Automation, Starkstrom und anderes mit 600 Beschäftigten sowie einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro.

Mit den Wünschen der Öffentlichkeit ist der Hamburger vertraut. Mehrmals warb er vor Politikern und Journalisten um Geduld. Große Versprechungen sind seine Sache nicht, aber er hat die Probleme im Blick und spricht sie offen an. Jörg Marks sei ein ausgezeichneter Technikexperte und Projektmanager, lobte Siemens. „Herr Marks ist mein absoluter Wunschkandidat. Ich freue mich, dass er mein Angebot wahrgenommen hat“, ließ Hartmut Mehdorn mitteilen. Es klang erfreut, aber auch wie banges Pfeifen im Walde. Mit Marks muss der BER endlich gelingen.