Berlin - Endlich besitzt die Freie Universität Berlin nicht nur eine Rost- und eine Silberlaube, sondern auch eine Holzlaube. So heißt das neue Gebäude an der Fabeckstraße im Dahlemer Campus. Natürlich ist der 52 Millionen Euro teure Bau kein einfaches Gartenhäuschen. In den architektonisch gelungenen Gebäudekomplex ziehen gleich mehrere Institute und eine große Bibliothek ein.

220 Büros, zwölf Seminarräume und drei Hörsäle – das Gebäude ist das größte Projekt, dass die FU je als Bauherr realisiert hat. 33,5 Millionen Euro hat sie selbst aufgebracht, 18,5 Millionen hat der Bund hinzugeschossen. Seit einer Woche arbeiten Dozenten und Studierende in dem neuen Gebäude. Noch aber sind nicht alle Böden verlegt oder Hinweisschilder angebracht. Die Handwerker haben noch einiges zu tun, bis der Bau am 29. Mai offiziell eröffnet wird, nach zweieinhalb Jahren Bauzeit.

30 Kilometer Bücher

Der Vorzeigebau wird die neue Heimat der sogenannten Kleinen Fächer. Wobei „klein“ nur die Anzahl der Mitarbeiter ist; denn die Forscher untersuchen die großen Themen Geschichte, Kultur und Religion, sie schlagen den Bogen vom Altertum bis in die Moderne, von Afrika bis Ostasien. Zu den 14 Fächern zählen Turkologie, Judaistik, Koreastudien oder Prähistorische Archäologie. Bislang waren die Institute in elf Villen untergebracht, verteilt über ganz Dahlem. Doch die Heizkosten wurden zu hoch, die Wege für Studierende und Dozenten zu weit. Nun führt die FU diese Institute unter einem Dach zusammen. Dies soll die Begegnung und die Zusammenarbeit fördern und die Fächer aufwerten.

In die neue Bibliothek ziehen insgesamt sogar 24 ehemalige Institutsbibliotheken ein. Eine Million Bände kommen hier zusammen, das entspricht 30 Kilometer Bücher, die neu sortiert und katalogisiert wurden. Für die Studierenden bietet die Bibliothek viele Arbeitsflächen an großen Fenstern. „Mir gefallen besonders die vielen Pflanzen auf dem Innenhof“, sagt eine Mathematik- und Physikstudentin. „Neben denen kann ich mich besser konzentrieren.“ In Arbeitsräumen können Gruppen zusammenarbeiten, Studierende können sich aber auch in kleine Kabinen zurückziehen, sogenannten Carrels. „So verschiedenen wie die Menschen sind, so verschieden sollten auch die Arbeitsplätze sein“, sagt der Münchener Architekt Florian Nagler, der 2005 die Ausschreibung gewann.

Geplant war damals eine Erweiterung des Baus von 1973. „Es ist eine schöne Aufgabe, diesem bedeutsamen Gebäude einen Baustein hinzuzufügen“, sagt Nagler. Denn dieser stamme vom Architekten Georges Candilis und sei unter Architekten bekannt als Beispiel für den Konstruktivismus. Zwei- bis dreigeschossige Gebäude beherbergen ein Netz aus Fluren und umfassen begrünte Innenhöfe. Nagler hat dieses Netz im modernen Gewand erweitert. „Das alte Gebäude steht für flache Hierarchien zwischen Studierenden und Dozenten, es ist von allen Seiten zugänglich, die Flure sehen alle gleich aus. Das ist manchmal etwas unübersichtlich. Ich habe versucht, das etwas klarer zu gestalten“, sagt Nagler.

Erweiterungsbauten sind möglich

Noch eine damalige Idee erwies sich als Missgriff: Die Fassade bestand aus einer Stahllegierung und sollte kontrolliert rosten, so dass nach kurzer Zeit eine stabile Rostpatina das Gebäude schmückt. Doch das Material rostete stärker als gedacht, es fraß sich durch die Decken und Mauern. In den 90ern Jahren wurde das Gebäude renoviert, die Fassade schimmert seitdem in Bronze. Die Studierenden nennen das Gebäude aber auch weiterhin „Rostlaube“. Die Erweiterung von 1980 heißt „Silberlaube“, ihre Hülle besteht aus Aluminium.

Für den neuen Anbau wählte Nagler nach Bronze und Silber nicht etwa Gold, sondern Zedernholz. „Es ist ein nachwachsbarer Rohstoff, außerdem fügt er sich gut ein zwischen die anderen Fassaden“, sagt er. Das Zedernholz ist grau gestrichen. Wenn es verwittert, bekommt es selbst eine graue Farbe. Das neue Gebäude ist so konstruiert, dass man es im Osten erweitert könnte, dort steht Bauland zur Verfügung. Die FU kann ihr Netz also mit neuen Lauben weiterspinnen.