Berlin verändert sich, doch rund ums Ostkreuz in Friedrichshain verläuft der Wandel besonders rasant. Innerhalb weniger Jahre ist das einst so stille Viertel zu einer Ausgeh- und Touristenmeile geworden, Hotels entstanden, Wohnhäuser werden saniert. Jetzt steht eine weitere Veränderung mit Auswirkungen auf das Gebiet bevor: Von Dezember an halten auch Regionalzüge am Bahnhof Ostkreuz. Der Knotenpunkt wird damit für immer mehr Menschen attraktiv. Von 2019 an fährt außerdem die Straßenbahn dorthin, kündigte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) jetzt an.

Für das Ostkreuz, das lange als „Rostkreuz“ verspottet wurde und seit 2006 umgebaut wird, beginnt eine neue Ära. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember wird es zu einem „richtigen“ Bahnhof, an dem nicht nur S-Bahnen stoppen. „Erstmalig wird das Berliner Ostkreuz mit dem Regionalverkehr angebunden“, bestätigte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Dort wird die Linie RB 12 beginnen, die über Lichtenberg und Oranienburg nach Templin führt – ideal für Ausflüge in den Ziegeleipark Mildenberg oder in die Uckermark. Die blauweißen Dieseltriebwagen der Niederbarnimer Eisenbahn, die stündlich verkehren, haben in der Saison Anschluss nach Rheinsberg. Zweite Linie am Ostkreuz wird die RB 25 nach Blumberg–Werneuchen sein.

Weitere Direktverbindungen

Auch elektrische Züge der Deutschen Bahn werden vom dritten Advent an regelmäßig Stopps im oberen Teil der Station einlegen. Die roten Regionalbahnen verkehren auf der neuen Nord-Süd-Linie, die von Eberswalde und Bernau über Berlin nach Königs Wusterhausen, Lübbenau und Senftenberg führen wird. „Wir sind uns sicher, dass sie viele Fahrgäste haben wird“, hieß es bei der Bahn. Pendler werden mit den Zügen zum Ostkreuz fahren, um dort bequem in die S-Bahn umzusteigen.

Nach und nach werden weitere Direktverbindungen hinzukommen. Der größte Schub wird für Ende 2017 erwartet: Dann können die Regionalexpresszüge, die am unteren Teil des Bahnhofs derzeit noch durchfahren, dort auch halten – etwa der RE 1 nach Potsdam und Frankfurt (Oder). Auch der Flughafen BER wird von dort ohne Umsteigen erreichbar sein.

Tram-Baubeginn in zwei Jahren

Nun gibt es auch für die geplante Straßenbahn Termine. „Im zweiten Halbjahr 2015 wollen wir den Planungsdialog für das Ostkreuz weiter vorantreiben und mit der Planfeststellung für die Strecke in der Sonntagstraße beginnen“, sagte Senator Geisel der Berliner Zeitung. Diese Streckenführung sei auch für den Bezirk die Vorzugsvariante. „Die Baureife soll 2017 erreicht werden, die Inbetriebnahme ist für 2019 angedacht“ – zwei Jahre nach der Fertigstellung des Ostkreuzes. Es gehe schneller als am Hauptbahnhof, wo die Tram auf sich warten ließ.

„Viele haben noch das alte Ostkreuz vor Augen“, so der Senator. Der neue Bahnhof werde Ausgänge zu allen vier Seiten haben. Geisel: „Er wird aus den umliegenden Vierteln besser zugänglich sein, auch von der Rummelsburger Bucht und aus dem Kaskelkiez. Das wird diesen Teil der Stadt enorm aufwerten.“