Berlin/Potsdam - #image0

Politiker und Wirtschaftsvertreter erhöhen im Streit über die Verantwortung für die geplatzte Eröffnung des Flughafens „Willy Brandt“ in Schönefeld den Druck auf die Betreibergesellschaft FBB. Vertreter von Parteien, Firmen und Verbänden fürchten neben dem wirtschaftlichen vor allem einen massiven Imageschaden für die Hauptstadtregion.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) etwa fragte in der Wochenzeitung „Das Parlament“, inwieweit der Aufsichtsrat möglicherweise getäuscht oder falsch informiert worden sei. Die Antworten der FBB auf bohrende Fragen des Kontrollgremiums seien immer von einer „Entwarnungshaltung geprägt“ gewesen.

Er selbst habe erst am 8. Mai frühmorgens die „Hiobsbotschaft“ erhalten, dass der Flughafen nicht am 3. Juni in Betrieb gehen könne, sagte Ramsauer. Die FBB müsse auch über mögliche Mehrkosten informieren. An Spekulationen darüber beteilige er sich nicht.

#image1

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wies Spekulationen um mögliche Mehrkosten durch die Terminverschiebung zurück. Die FBB müsse zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. Juni eine seriöse Kostenschätzung vorlegen, sagte Platzeck am Montag.

Der Regierungschef wies zugleich darauf hin, dass das Terminal schon aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Hauptstadtregion teurer werde. Das Gebäude werde um die Hälfte größer als ursprünglich gedacht. Zurzeit liege die Kostenprognose für das Terminal bei 1,22 Milliarden Euro.

Hinzu kämen 50 Millionen Euro für die Umsetzung der neuen europäischen Sicherheitsrichtlinie. Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) stellte klar, dass der Hauptstadtflughafen keine dritte Start- und Landebahn bekommt. Das sei weder „notwendig, noch in irgendeiner Form angedacht“.

Händler holen sich Rat bei Anwälten

Auf der Suche nach den Ursachen für das Flughafen-Debakel wies der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg eine Mitverantwortung zurück. Die Branche habe ihre Arbeiten korrekt und rechtzeitig erbracht, sagte Hauptgeschäftsführer Axel Wunschel der Nachrichtenagentur dapd. Der beträchtliche Imageschaden durch die Verschiebung werde sich spätestens nach der Eröffnung im März verflüchtigen.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände (UVB), Christian Amsinck, zeigte sich überzeugt, dass der Flughafen langfristig ein Erfolg werde. Zugleich verlangte Amsinck Zwischenlösungen, um die ab 3. Juni geplanten zusätzlichen Flüge realisieren zu können. Dazu sollten die Betriebszeiten für Berlin-Tegel verlängert werden. Derzeit gilt dort ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr.

#gallery0

Die von der kurzfristigen Verschiebung der Airport-Eröffnung betroffenen Unternehmen holen sich indes verstärkt Rat bei Anwälten. Die Wirtschaftskanzlei Zirngibl Langwieser habe bereits eine Task Force für geschädigte Firmen eingerichtet, die Resonanz sei sehr groß, sagte Anwalt Andreas Damm den „Potsdamer Neueste Nachrichten“ (Samstagausgabe). Dem Bericht zufolge lassen sich vor allem Einzelhändler und Gastronomen beraten, die zum 3. Juni ihr Geschäft im neuen Flughafen eröffnen wollten und bereits Mitarbeiter eingestellt und Waren geordert hatten.

Laut Handelsverband Berlin-Brandenburg ist aber eine finanzielle Entschädigung für betroffene Gewerbetreibende nicht sicher. „Nach meinem Kenntnisstand ist niemandem ein fester Eröffnungstermin vertraglich garantiert worden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Nils Busch-Petersen. Regressforderungen könnten die Ladenbesitzer erst stellen, wenn sich die Flughafeneröffnung um 18 Monate verspäte.

Protest vor dem Roten Rathaus angekündigt

Mehrere Initiativen wie der Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) rufen nun für kommenden Sonntag (3. Juni, 15.00 Uhr) erneut zu einer Großdemonstration vor dem Roten Rathaus in Berlin gegen den neuen Hauptstadtflughafen auf. Der BVBB betrachtet Schönefeld als falschen Standort und dringt auf Planungen für einen Alternativstandort.

Die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) veranstaltet vom 3. bis 12. Juni eine Mahnwache vor dem Roten Rathaus. Zudem informiert das Aktionsbündnis für ein lebenswertes Berlin-Brandenburg am Dienstag (29. Mai) über die in beiden Ländern startenden Volksbegehren für ein strenges Nachtflugverbot in Schönefeld zwischen 22 und 6 Uhr. (dapd/dpa)

#gallery1