Berlin - Der Anruf erreichte ihn auf der Rückfahrt aus dem Griechenlandurlaub. Tilmann Heuser, 47, Berliner Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) machte mit dem Campingmobil gerade in Italien eine Pause, als ihn Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) anrief. Der Senator bot Heuser an, die Zukunft des Tempelhofer Feldes an entscheidender Stelle mitzugestalten: Als Koordinator eines neu zu gründenden Beteiligungsbeirats soll Heuser dafür sorgen, Bürger, Initiativen und Politiker an einen Tisch zu holen.

Nach einem Jahr Beratung soll ein Pflege- und Entwicklungsplan für das rund 300 Hektar große Flughafenareal vorliegen, mit dem alle zufrieden sind – und das dem Gesetz entspricht, dem die Bürger beim Volksentscheid am 25. Mai zugestimmt haben. Eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes, wie sie der Senat plante, ist danach nicht möglich. Natur und jetzige Nutzung sollen vielmehr bewahrt werden. Nach einer kurzen Bedenkzeit nahm Tilmann Heuser das Angebot des Senators an.

Fairer Kritiker von Anfang an

Mit Heuser holt sich Stadtentwicklungssenator Müller einen der profiliertesten Kritiker der Senatsplanung für das Tempelhofer Feld ins Haus. Heuser bemängelte in den Monaten vor dem Volksentscheid an vorderster Stelle, dass die offizielle Planung zu „gravierenden Eingriffen in wertvolle und gesetzlich geschützte Biotope führen“ würde.

Und er warf dem Senat vor, die Bürger nicht ausreichend zu beteiligen. „Bürgerbeteiligung im 21. Jahrhundert bedeutet nicht nur, dass Bürgerinnen und Bürger in zahlreichen Veranstaltungen Planungen kommentieren dürfen“, erklärte der BUND-Geschäftsführer. Es müssten auch ernsthafte Alternativen diskutiert werden. Auf Seiten der Planer brachte ihm das nicht nur Freunde ein. Verletzend wurde Heuser freilich nie. Er argumentierte stets fair, zeigte sich kompromissbereit.

Dass Müller ihn nun für die schwierige Aufgabe gewinnen konnte, die viel Vermittlungsgeschick erfordert, ist ein Erfolg des Senators. Die Landesregierung zeigt damit, dass sie an einem Neuanfang interessiert ist. Nun muss Heuser zeigen, dass er schafft, was er vom Senat zuvor vergeblich gefordert hat: Er muss alle relevanten Gruppen an einer Planung beteiligen. Die ruhige Art Heusers, der in einem Dorf südlich von Freiburg aufgewachsen ist, könnte ihm dabei helfen. Sein Vater war ein evangelischer Pfarrer und hat sein ausgleichendes Wesen offenbar an den Sohn weitergegeben.

Seit 2005 ist Heuser, der früher einmal in der SPD war, hauptamtlicher Landesgeschäftsführer des BUND in Berlin. Dem BUND ist Heuser schon lange verbunden. Über eine Umweltgruppe im Konfirmandenunterricht schloss sich Heuser der Organisation an, die mit bundesweit über 480 000 Mitgliedern und Förderern einer der großen deutschen Umweltverbände ist. „Es ist ein spannendes Experiment“, sagt Heuser zu seiner neuen Aufgabe. Das dürfte wohl für beide Seiten gelten – für den Senator und den BUND-Mann.