Berlin - Größere Veranstaltungen durchzuführen, ist für die Berliner AfD kompliziert. Das geplante Sommerfest, das in einem Club am Friedrichshainer Spreeufer stattfinden sollte, sagte der Vermieter kurzfristig ab, angeblich wegen Drohungen der Antifa.

Der vorige Landesparteitag im Frühjahr fand gar in Brandenburg statt, weil sich in Berlin kein Raum fand für die Rechtspopulisten. Zumindest in dieser Hinsicht konnten die rund 280 Mitglieder zufrieden sein, die am Sonnabend zum Parteitag kamen. Der Bezirk Spandau hatte das Dachgeschoss eines alten Kasernengebäudes in der Zitadelle zur Verfügung gestellt.

Dort saßen sie also auf ihrer Festungsinsel, gut gesichert von der Polizei, und Landes- und Fraktionschef Georg Pazderski rief ihnen zu: „Wir müssen die Quarantäne durchbrechen, die unsere Gegner über uns verhängen wollen.“ Die AfD habe in Berlin bei den Wahlen viel besser abgeschnitten als erwartet. „Jetzt müssen wir die AfD zu einem ganz normalen Teil der Gesellschaft machen“, sagte er und sagte auch, wo das geschehen soll. „Wir müssen in die Hasenzüchtervereine, in die Kaninchenzüchtervereine, in die Schützenvereine.“

Die FPÖ dient als Vorbild

Dort vermutet er wohl die „konservative Mitte“ der Gesellschaft, die er mit der AfD erobern will. Vorbild sei die österreichische FPÖ, die bei den dortigen Bundestagswahlen kürzlich auf 27 Prozent kam.

Doch derzeit, das machte der Parteitag deutlich, wäre die AfD mit einem solchen Wahlergebnis wohl überfordert. Dass die Mitglieder ohne lange Diskussionen das Ende der Doppelspitze beschlossen und damit Beatrix von Storch zur Vizevorsitzenden degradierten, dürfte auch ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Organisation des Landesverbands gewesen sein.

Die Zentrale sei oft nicht erreichbar, die Aufnahme von Mitgliedern stocke, lauteten einige Klagen. 1 256 Anhänger zählte die AfD am 1. November, besonders viele waren es in Steglitz-Zehlendorf (185), besonders wenige in Friedrichshain-Kreuzberg (38). So mit sich selbst beschäftigt waren die AfDler, dass das Schimpfen über andere Parteien und den Islam fast völlig ausblieb.

Pazderskis Stellvertreter sind Beatrix von Storch, Jeanette Auricht und Karsten Woldeit

„Es ist zutiefst menschlich, dass Fehler gemacht werden, wo gearbeitet wird“, beschwichtigte Georg Pazderski. Inzwischen gebe es jedenfalls einen hauptamtlichen Geschäftsführer für den Landesverband. Die Mitglieder bestätigten Pazderski denn auch mit 78 Prozent in seinem Amt

Etwas überraschend war, dass die Basis trotz Kritik an der Machtkonzentration bei der Abgeordnetenhausfraktion fast ausschließlich Kandidaten aus deren Reihen in den neuen Vorstand wählten.

Pazderskis Stellvertreter sind neben von Storch die Marzahner Abgeordnete Jeanette Auricht und ihr Lichtenberger Kollege Karsten Woldeit. Schatzmeister wurde der Parlamentarische Geschäftsführer Frank-Christian Hansel. Als einzige Beisitzerin ohne Mandat wurde Sarah-Emanuela Leins vom Jugendverband Junge Alternative gewählt.

Dieses Mal wurde elektronisch abgestimmt

In erstaunlich kurzer Zeit hat sich die AfD so auf den Weg gemacht, eine Funktionärspartei zu werden. Bei keinem anderen Landesverband in Berlin ist die Verflechtung zwischen Fraktion und Partei so intensiv, auch nicht bei der dauerregierenden SPD. Das ist erstaunlich für eine Partei, die sich eigentlich der Basisdemokratie verpflichtet hat.

Dass die Vorstandswahl überhaupt nötig war, lag an einem Urteil des Bundesschiedsgerichts vom August. Es hatte die Wahl mehrerer Beisitzer beim Parteitag Anfang 2016 für ungültig erklärt, in den Wahlurnen fanden sich getürkte Zettel. Dieses Mal wurde elektronisch abgestimmt, Pannen wurden nicht bekannt.