Das Bundeskriminalamt (BKA) verstärkt seine Präsenz in der Hauptstadt. Um Platz für weitere Mitarbeiter der Sicherheitsbehörde zu schaffen, hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) einen Büro-Komplex des Stromerzeugers Vattenfall an der Puschkinallee 52 in Treptow gekauft. Das bestätigte ein Bima-Sprecher auf Anfrage der Berliner Zeitung.

Die Immobilie, die ganz in der Nähe des Berliner BKA-Sitzes Am Treptower Park liegt, wurde Mitte der 90er-Jahre als Unternehmenszentrale des Stromerzeugers Bewag errichtet – derzeit wird sie vom Vattenfall-Konzern genutzt, der die Bewag erworben hatte. Die vier sechs- bis siebengeschossigen Gebäude bieten nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann auf rund 49.000 Quadratmetern Platz für bis zu 2 400 Beschäftigte. Zurzeit arbeiten laut Hönemann noch „um die 900“ Vattenfall-Mitarbeiter in der Puschkinallee. Sie sollen im Laufe des Jahres ausziehen. Ab dem Jahr 2018 ist der Einzug der BKA-Beschäftigten vorgesehen.

Terrorabwehr verstärkt

Berlin wird damit mehr und mehr zum Zentrum der bundesdeutschen Sicherheitsbehörden. In diesem Jahr beginnt der Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) in seine neue Zentrale an der Chausseestraße in Mitte. Dort sollen 4 000 Mitarbeiter des deutschen Auslandsgeheimdienstes tätig sein – etwa die Hälfte von ihnen kommt aus dem bayerischen Pullach, die andere Hälfte arbeitet bereits in Berlin, am Gardeschützenweg in Lichterfelde. Der BND kommt nach Berlin, weil er hier näher an der Bundesregierung sitzt, die er mit Informationen über die Sicherheitslage in der Welt beliefert.

Im Zuge der Entscheidung, den BND nach Berlin zu verlegen, gab es schon im Jahr 2004 Überlegungen, große Teile des BKA und dessen Hauptsitz von Wiesbaden nach Berlin zu verlegen. Doch daraus wurde nichts, weil es in Hessen erhebliche Proteste gegen einen Umzug nach Berlin gab. Die Präsenz des BKA in Berlin wurde jedoch verstärkt. Dazu gehörte die Einrichtung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ).

Durch die Anschläge der vergangenen Jahre hat sich die Bedrohungslage weiter verschärft. Seitdem werden in Sicherheitskreisen die Bemühungen verstärkt, das Bundeskriminalamt in der Bundeshauptstadt personell weiter aufzustocken. Um wie viele Mitarbeiter das BKA in Berlin wachsen soll, ist derzeit noch unklar. Das Bundeskriminalamt macht dazu keine Angaben. Die Frage, ob das BKA ganz oder teilweise nach Berlin verlegt werden soll, beantwortete das BKA nur mit der Feststellung: „Dienstsitz des BKA ist Wiesbaden“.

Immer mehr Aufgaben für das BKA

Am Berliner Standort sind bisher insbesondere die Beschäftigten der Sicherungsgruppe tätig, die den Schutz von Politikern und Staatsgästen verantworten. Außerdem arbeiten hier die Organisationseinheiten aus den Bereichen „Polizeilicher Staatsschutz“ und „Internationale Zusammenarbeit“. Neben dem Dienstsitz Am Treptower Park unterhält das BKA in Berlin derzeit noch Räumlichkeiten in den Treptowers am Ufer der Spree.

Die Aufgaben des BKA wachsen immer mehr, vor allem in der Terrorismusabwehr. Wie berichtet, soll eine elektronische Fußfessel für Gefährder eingeführt werden. Eine Reaktion auf das Attentat vom Breitscheidplatz im Dezember vergangenen Jahres. Das BKA erwartet „aufgrund der erheblichen Stellenzuwächse“ in den kommenden Jahren zusätzliche Raumbedarf an allen Standorten. In Treptow arbeitet nicht nur das BKA, sondern auch das Bundesamt für den Verfassungsschutz. Es will den Standort perspektivisch verstärkt nutzen, wie aus Sicherheitskreisen verlautet. Der Nachwuchs für den Verfassungsschutz wird ohnehin in Berlin ausgebildet. Am Standort der neuen BND-Zentrale befindet sich auch eine Schule für die Verfassungsschützer und den Geheimdienst.

Mehrere Varianten geprüft

Der Verkauf der Immobilie in der Puschkinallee hat laut dem Maklerunternehmen CBRE als „Umsatztreiber“ auf dem Immobilienmarkt gewirkt. Gerade Büroimmobilien sind derzeit gefragt. Angaben zur Höhe des Kaufpreises wurden nicht gemacht. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat eigenen Angaben zufolge vor dem Erwerb unterschiedliche Standort-Varianten geprüft. Der jetzt ausgewählte Platz sei geeignet. Gegenüber einer Anmietung sei der Ankauf des Büro-Komplexes in der Puschkinallee wirtschaftlich vorteilhafter. Die Bima will künftig als Vermieterin des Gebäudes auftreten.

Da sich das BKA in Berlin auf den Standort in Treptow konzentriert, wird die mögliche Nachnutzung der jetzigen BND-Liegenschaft am Gardeschützenweg in Lichterfelde durch das BKA immer unwahrscheinlicher. Wegen des hohen Sicherheitsstandards war das BKA als möglicher Nachnutzer der jetzigen BND-Räume im Gespräch. Sollte er als Nachnutzer ausfallen, könnte der BND dort bleiben. Die Flächen kann er wohl ganz gut gebrauchen.