Berlin - Die Berliner Onlinefirma Zalando – spezialisiert auf das Geschäft mit Schuhen und Bekleidung – setzt ihre Expansionsbestrebungen fort und baut noch in diesem Jahr einen neuen Standort nahe dem Alexanderplatz in Mitte auf. Bereits im August will Zalando die langfristig angemieteten Flächen im Bürokomplex an der Mollstraße, Ecke Karl-Liebknecht-Straße übernehmen. Und nach dem Ausbau vier bis sechs Wochen später dort einziehen, sagt Zalando-Sprecher Boris Radke der Berliner Zeitung. Möglicherweise wird dabei auch die Geschäftsleitung ihren Sitz von der Sonnenburger Straße in Prenzlauer Berg nach Mitte verlegen. „Das ist eine Option“, so Radke.

Das Bürohaus in der Mollstraße wurde 1971 errichtet – speziell für die DDR-Nachrichtenagentur ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst). Die Agentur hatte bei der Belieferung der ostdeutschen Medien mit überregionalen und internationalen Nachrichten und Berichten sowie Fotos eine Monopolstellung. Zu der Agentur gehörte auch ADN-Zentralbild. Angeleitet und beaufsichtigt wurde ADN vom Parteiapparat der SED. Zuletzt arbeitete in dem Bürohaus das Fraunhofer Institut.

Noch vier Monate Zeit

„Wir haben es jetzt geschafft, uns in Berlin weiter auszubreiten. Das Haus in der Mollstraße hat eine zentrale Lage, wir freuen uns schon auf den Alexanderplatz“, sagt Radke. Derzeit ist aber noch unklar, welche Bereiche Zalando nach Mitte verlegen wird. Wahrscheinlich sind es Teile der Verwaltung oder des Verkaufs. Auch das internationale Geschäft in aktuell 14 Ländern könnte demnächst vom Alexanderplatz aus gesteuert werden. „Wir sind in der Planung noch nicht soweit, vier Monate bis zum Umzug sind für unser erst vier Jahre altes Unternehmen noch eine sehr lange Zeit“, so Radke. Besser gesagt: Die Onlinefirma, die in Berlin mehr als 1000 Beschäftigte hat, ist derzeit noch mit einem Umzug in das ehemalige Werk Knorr-Bremse an der Neuen Bahnhofstraße (Friedrichshain) befasst, der erst vor drei Wochen bewältigt wurde. Dort arbeiten jetzt einige hundert Mitarbeiter aus dem Fashion-Bereich. Wie Radke sagt, sind die Flächen für die Designer jetzt großzügiger als bislang.

Das Projekt Mollstraße 1 wurde vom Berliner Unternehmen IVG Immobilien Verwaltungsgesellschaft entwickelt und später an die Suprema Vermögensverwaltungsgesellschaft und Patron Capital Partners verkauft. Sie bauen das zehngeschossige Bürohaus und einen dreigeschossigen Flachbau seit dem Frühjahr um. „Wir renovieren im Bestand“, sagt Suprema-Geschäftsführer Daniel Cukierman.

Lounge hinter Glasfenstern

Für den Standort Mitte sieht Zalando ebenfalls einige hundert Mitarbeiter vor, für die große Arbeitsräume entstehen sollen. In der neunten Etage des Hochhauses ist hinter großen Glasfenstern eine Mitarbeiter-Lounge vorgesehen. Zudem entwickelt das Unternehmen einen dritten neuen Standort nahe der Arena am Ostbahnhof in Friedrichshain. Dort wurden vom Projektentwickler Strauss & Partner 20.000 Quadratmeter Fläche in einem Neubau angemietet, die Ende 2014 bezogen werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass wir weiter wachsen. Wir sehen derzeit keinen Grund, warum das anders sein sollte“, so Radke. Schließlich habe Zalando in den meisten Ländern keine marktbeherrschende Stellung.