Ich habe mich ertappt. Seit einer Woche ist ein neues Mars-Auto namens „Perseverance“ auf dem Roten Planeten. Die Nasa hat ein Video von dessen Landung gemacht. Ich fand es sehr interessant – für den Moment. Aber ansonsten habe ich schnell abgewinkt: Ach Jottchen, das fünfte Mars-Auto, das da rumkurvt! Neue Fotos von rostroten Ebenen, Steinchen, zerklüfteten Hängen und Hügeln! Man gewöhnt sich dran.

Als ich Kind war, gab es solche Bilder noch nicht. Niemand wusste, wie es auf dem Mars wirklich aussieht. Im Jahrhundert davor – 1877 – hatte man mit dem Fernrohr Mars-Kanäle entdeckt. Manche Astronomen glaubten, dass Marsianer ihren Planeten damit künstlich bewässerten. Und noch 1938 löste das Hörspiel „Der Krieg der Welten“ von Orson Welles nach einem Buch von H. G. Wells in Amerika Panik aus. Viele Leute glaubten wirklich, dass Marsianer mit dreibeinigen Kampfmaschinen die Erde angriffen.

„Ja, wer weeß denn, wat dort oben wirklich los is“, poltert mein innerer Berliner. „Da sind zwar Roova, aber die fahrn ja nur een paar Kilometer durch die Jejend. Stell dir vor, die Marsianer würden so’n Erdauto herschicken und dit würde irjendwo uff de Abraumhalde inne Lausitz landen. Die hätten dann lauter menschenlose Fotos von olle Steene, Hüjel und janz ville Dreck. Vielleicht grinst ja ooch noch’n Marder inne Kamera, der am Kabel knabbert. Schlachzeile: ‚Endlich intellijentet Leben uff de Erde entdeckt‘!“

Manche Leute wollen ja unbedingt auf dem Mars siedeln, als sei das der großer Ausweg für die klimageplagte Menschheit. Aber warum soll ich auf einem Planeten leben, der jetzt schon wie eine kaputte Erde ist: kahl, staubig, ohne Wasser und Grün, mit einer Atmosphäre aus 96 Prozent Kohlendioxid? Im Raumanzug kann ich auch in Köpenick rumlaufen.

Früher hat man den Mars noch mit Humor gesehen. So wie 1932, in einem Lied von Robert Gilbert und Paul Abraham. Darin heißt es: „Ich kauf mir ’ne Rakete/ und fliege auf den Mars./ Und fall ich wieder runter,/ fragt jeder mich: ‚Wie war’s/ am Mars, am Mars, am Mars, am Mars?‘“ Der Mars diente dazu, alle irdischen Probleme zu entsorgen. Etwa so: „Willst du dein Bräutchen los sein/ am Rande des Altars,/ dann pack sie in ’ne Bombe/ und schieß sie rauf zum Mars ...“

Sehr viel reimt sich ja nicht auf Mars. Aber ich kann’s ja auch mal probieren und das Liedchen auf heute umdichten. Zum Beispiel so: Ich kauf mir ’ne Rakete/ und fliege auf den Mars./ Dort rufen die Marsianer:/ ‚Hau ab, denn du hast Sars!‘ Von irgendwoher haben sie erfahren, das Sars-CoV-2 auf der Erde kursiert. Und ihr planetarer Lockdown ist total. Denn schon in dem legendären Hörspiel von Orson Welles waren sie an irdischen Erregern zugrunde gegangen, denen ihr Immunsystem nichts entgegensetzen konnte.

Also wieder retour: Ick starte die Rakete/ und denk: Was für ’ne Farce!/ Ick flieg zurück zur Erde/ und lande in Lübars. Natürlich nur wegen des Reims. Obwohl: In Lübars gibt es eine hübsche kleine Dorfkirche und einen Freizeitpark. Und so was gibt’s meines Wissens auf dem Mars noch nicht.