Berlin - Ein beliebtes Angebot der Deutschen Bahn (DB) ist bald Vergangenheit. Mitte Juni nimmt das Bundesunternehmen das Ostsee-Ticket wie berichtet aus dem Programm. Doch nun ist absehbar, dass es zumindest zum Teil Ersatz gibt. Das Stadt-Land-Meer-Ticket, das es bereits gibt, wird erweitert. „DB Regio startet im Sommer 2021 mit dem neuen Stadt-Land-Meer-Ticket Plus ein weiteres Angebot für Ostsee-Ausflüge mit der klimafreundlichen Bahn“, teilte ein Bahnsprecher am Mittwoch mit. Die Neuerungen werden aber dazu führen, dass viele Ostsee-Reisen teurer werden. 

Das Stadt-Land-Meer-Ticket gilt für Fahrten mit Regionalzügen zwischen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings wird es ausschließlich auf den Strecken, die direkt nach Wismar, Rostock und Stralsund führen, anerkannt. Dort endet der Gültigkeitsbereich derzeit noch. Warnemünde, Rügen und Usedom gehören nicht dazu.

Mit dem neuen Ticket nach Usedom und Rügen, aber nicht nach Warnemünde 

Das neue Stadt-Land-Meer-Ticket Plus, das es vom 13. Juni an zusätzlich geben wird, wird dagegen mehr Reisemöglichkeiten bieten. Zum einen gelte es nicht nur ab Berlin, sondern auch ab Nauen, Oranienburg, Eberswalde und Angermünde im Land Brandenburg, teilte die Bahn mit. Zum anderen wird der Geltungsbereich ausgedehnt. Auf sechs Regionalbahnlinien und einer weiteren Regionalexpresslinie können auch Zielorte auf Rügen und Usedom angesteuert werden. Dazu zählen Sassnitz und das Ostseebad Binz sowie Peenemünde, Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Świnoujście (Swinemünde) Centrum. Weitere Ostseeziele sind Graal-Müritz und Barth. Das Rostocker Seebad Warnemünde gehört allerdings weiterhin nicht dazu. „Ab Rostock Hauptbahnhof gilt der Tarif des Verkehrsverbunds Warnow“, so die Bahn. Eine einfache Fahrt von dort nach Warnemünde kostet 2,40 Euro.

Auf den einbezogenen Strecken gilt die Fahrkarte flexibel ohne Zugbindung im Regionalverkehr der DB, der Ostdeutschen sowie der Niederbarnimer Eisenbahn. Nach Wismar, Rostock und auf den beiden Regionalexpresslinien nach Stralsund verkehren zweistündlich Regionalzüge. Nach Rügen und Usedom gibt es stündlich Anschlusszüge. Vom 18. Juni an verkehrt ein weiteres Zugpaar zwischen Berlin und Stralsund. Die Abfahrt in Berlin erfolgt am Freitagnachmittag gegen 14.15 Uhr und sonnabends sowie sonntags gegen 8 Uhr. Die Rückfahrt ab Stralsund ist abends gegen 19.15 Uhr geplant. Der Zug hat 340 Sitz-, aber nur acht Fahrradplätze. Radtouristen sollten andere Züge nutzen.

Die Erweiterungen des Stadt-Land-Meer-Tickets führen allerdings dazu, dass die neue Plus-Version teurer ist. In der einfachen Variante kostet eine einfache Fahrt in der zweiten Klasse weiterhin 24,50 Euro und eine Hin- und Rückfahrt 38,50 Euro – jeweils pro Person. Dagegen sind für das neue Stadt-Land-Meer-Ticket Plus 29 beziehungsweise 47,50 Euro zu zahlen. Auch diese Fahrkarte gilt zwei Tage pro Richtung. So sind Zwischenstopps jederzeit möglich. Das Ticket kann mit beliebig vielen eigenen Kindern oder eigenen Enkeln bis einschließlich 14 Jahren genutzt werden, für sie muss nicht zusätzlich gezahlt werden. Wer ein Fahrrad oder einen größeren Hund mitnehmen möchte, kann dies mit einem Zusatzticket tun. Wer in die erste Klasse wechseln will, kann im Zug ein Übergangsticket lösen, das pro Weg zehn Euro kostet.

Ostsee-Ticket ist preiswerter und bietet mehr - wird aber nun abgeschafft

Das Ostsee-Ticket, dessen Verkauf nun bald eingestellt wird, ist allerdings preiswerter. Es kostet am Automaten oder im Internet 44 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Für Mitfahrer oder allein reisende Kinder werden jeweils 35 Euro fällig. Anders als bei den beiden Versionen des Stadt-Land-Meer-Tickets gibt es für Besitzer einer BahnCard 25 allerdings Rabatt: 25 Prozent. Gehen zwei solcher Reisenden gemeinsam auf Tour, zahlen beide zusammen 59,20 Euro für die Hin- und Rückfahrt - mit dem Stadt-Land-Meer-Ticket Plus sind es 95 Euro, das sind 60 Prozent mehr

Ein weiterer gravierender Unterschied zum neuen Angebot: Das Ostsee-Ticket gilt zwar nur 15 Tage, aber dafür nicht nur in Regional-, sondern auch in Fernzügen. So wird es in den Intercity-Zügen, die Berlin mit Rostock, Warnemünde verbinden, anerkannt. Im ICE und Intercity nach Stralsund und Rügen kann es ebenfalls genutzt werden.

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Auch die Ostseeinsel Usedom ist mit der Bahn erreichbar: ein Zug der Usedomer Bäderbahn im Bahnhof Seebad Heringdorf. Die Züge verkehren im Halbstundentakt und erschließen viele touristische Ziele.

Anders als andere Sonderangebote im Fernverkehr gilt das Ostsee-Ticket ohne Zugbindung, die Fahrgäste können ihren Zug flexibel wählen, ohne sich vorher festlegen zu müssen. Deshalb macht man bei der Bahn keinen Hehl daraus, dass ihr das Ticket nicht mehr ins Konzept passt. Außerdem habe es „Überbesetzungen“ gegeben, hieß es – zu volle Züge. Am Wochenende, wenn Sparpreis-Kontingente sehr begrenzt sind, nutzen viele Fahrgäste das Ostsee-Ticket. Das Angebot gibt es seit 1999. Zunächst kostete eine Hin- und Rückfahrt von Berlin an die Ostsee umgerechnet rund 23 Euro.

Ein Reise im Intercity kann preiswerter sein als eine Fahrt im Regionalzug

Wer von Berlin an die Ostsee reisen will, sollte sich bei www.bahn.de einen Überblick über die Angebote verschaffen. In vielen Fällen kann es sein, dass für den Intercity und den Intercity Express die besseren Konditionen bietet. Es gibt auch weiterhin Sonderangebote für den Fernverkehr ans Meer, der ab dem 3. Juli an Wochenenden um einen Intercity zwischen Dresden, Berlin und Binz ergänzt wird. Der Bahnsprecher: „Wir empfehlen den Super-Sparpreis ab 17,90 Euro pro Strecke“ – soweit verfügbar.