Die Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses steigt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der Förderverein Berliner Schloss mit 4,5 Millionen Euro fast doppelt soviel Spenden eingenommen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das berichtete der Geschäftsführer des Fördervereins Wilhelm von Boddien am Mittwoch. „Das Spendenaufkommen wächst, weil die Zweifel an dem Projekt verschwinden“, sagte von Boddien. Eine deutliche Zunahme verzeichne der Verein vor allem aus testamentarischen Vermächtnissen.

Insgesamt hat der Förderverein laut von Boddien mittlerweile rund 29 Millionen Euro an Spenden gesammelt. 80 Millionen hat er sich zum Ziel gesetzt. Mit diesem Geld soll die Rekonstruktion der Barockfassaden nach historischem Vorbild finanziert werden. Um weitere Spender will der Förderverein unter anderem mit einem neuen computeranimierten Film werben, der das Schloss im Jahr 2019 zeigt. Rund 50.000 Spender und Interessierte sollen den Film per DVD erhalten, kündigte von Boddien an.

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Der Förderverein hat bisher Spenden und Sachleistungen in Form von Plänen und Modellen im Gesamtwert von etwa 22 Millionen Euro an die Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum weitergeleitet. Die bundeseigene Stiftung ist Bauherrin des Projekts, dessen Budget auf 590 Millionen Euro festgelegt wurde.

Neben den 80 Millionen Euro, die der Förderverein aus Spenden aufbringen will, steuert das Land Berlin 32 Millionen Euro für das Schloss bei, der Bund gibt mit 478 Millionen Euro den größten Teil des Geldes. Die vollständige Rekonstruktion der Kuppel und dreier Innenportale ist in dem Betrag von 590 Millionen Euro noch nicht enthalten. Sie kosten weitere rund 25 Millionen Euro, die ebenfalls aus Spenden aufgebracht werden sollen. Ein Dachcafé, das als wünschenswert gilt, würde zusätzlich rund drei Millionen Euro kosten. Es muss ebenfalls aus privaten Mitteln finanziert werden.

Beim Bau des Schlosses werden aus Geldgründen zunächst nur die Teile rekonstruiert, die konstruktiv nötig sind. „Wir planen das Haus so, dass wir alles weglassen, was wir später mit dem Autokran anbringen können“, sagte der Vorstandschef der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, Manfred Rettig. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2019 benötige er unbedingt 60 Millionen Euro aus Spenden. Der Figurenschmuck für die Barockfassade sei darin nicht enthalten. Die Verzierungen sollen zur Not später angebracht werden. „Wir werden so viel bauen, wie wir Geld zur Verfügung haben“, sagte Rettig.

Die Arbeiten an dem Bauprojekt sind laut Rettig seit der Grundsteinlegung im Juni weiter im Zeit- und Kostenplan. Die Bodenplatte sei komplett fertig gestellt, derzeit werde die Decke über den Kellergeschossen gebaut. Ende nächsten Jahres werde der Rohbau fertig sein, sagte Rettig.

Probleme beim Bau der U-Bahn habe es bisher nicht gegeben. Die Schildvortriebsmaschine „Bärlinde“, die die U-Bahnröhre derzeit unter dem Schlossplatz gräbt, habe den größten Teil des Areals passiert, ohne das Alarm ausgelöst wurde, sagte Rettig. Sollte das Erdreich unter der Schlossbaustelle um mehr als 2,5 Zentimeter wegrutschen, würde Alarm ausgelöst. In einem solchen Fall müsste die Schildvortriebsmaschine gestoppt werden und die entstandene Lücke mit Erdreich verfüllt werden.

Alarm schlägt die Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum aus einem anderen Grund. Wenn das neue Schloss wie geplant im Jahr 2019 eröffnet werde, drohe es „wie auf einer Insel“ zu stehen, sagte Manfred Rettig am Mittwoch. Grund dafür sei, dass die Gestaltung der Umgebung zur Breite Straße und zum Marx-Engels-Forum/Rathausforum nicht voran komme. Rettig forderte, das Land Berlin müsse einen Stufenplan zur rechtzeitigen adäquaten Gestaltung der umliegenden Gebiete entwickeln. Es sei schließlich das Ziel des preisgekrönten Entwurfs von Franco Stella, dass die Bürger vom Lustgarten durch das Schloss bis in die Breite Straße laufen können. Es gebe derzeit aber keinen Anreiz, in die Breite Straße zu gehen. „Da ist nichts“, sagte Rettig. Die Straße sei „mausetot“, meinte auch Wilhelm von Boddien. Er forderte, Wohnungen und anspruchsvolle Läden in der Breite Straße anzusiedeln.

Im Haus von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wird die Kritik zurückgewiesen. „Die Planer unseres Hauses beschäftigen sich mit dem Bereich“, sagte Behördensprecherin Petra Rohland. „Wir warten nicht, bis das Humboldt-Forum fertig ist.“ Es solle einen Diskussionsprozess zur künftigen Gestaltung geben, in den auch die Bürger eingebunden werden, so Rohland.

Die CDU, Koalitionspartner der SPD, sieht sich indes durch die Kritik der Schloss-Stiftung bestätigt. „Das sehe ich genauso“, sagte CDU-Fraktionsvize Stefan Evers. „Wir fordern, im Zusammenhang zu denken.“ Die Planung für das Rathausforum müsse schon im Jahr 2014 voran getrieben werden. Dafür müsse es mehr Geld im Haushalt geben. Bis zum Jahr 2015 sollte klar sein, wie die Vorgaben für einen städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des Rathausforums aussehen. Im Bereich der Breite Straße sollte der Neptunbrunnen an seinen alten Standort versetzt werden, fordert Evers. „Er war das bestimmende Element des südlichen Schlossplatzes.“