Das Denkmal für den Reformator Martin Luther (1483–1546) wird nicht einfach nur auf seinen historischen Platz neben die Marienkirche in Mitte zurückkehren, vielmehr wird es Luther dort bald in doppelter Ausführung geben. Das schlagen der Berliner Künstler Albert Weis und Landschaftsarchitekt Christoph Zeller vor. Mit ihrem Entwurf für den doppelten Luther haben sie einen Wettbewerb der evangelischen Landeskirche gewonnen. Am Freitag hat Bischof Markus Dröge das Ergebnis präsentiert.

„Wir hatten nicht vor, das alte Luther-Denkmal zu rekonstruieren, sondern mit plastisch-bildhauerischen Mitteln zu arbeiten. Wir wollten Luther auch nicht heroisieren“, sagt Weis. Eine Rekonstruktion hätte auch der Ausschreibung widersprochen. Denn Vorgabe von Kirche und Land war es, dass Luther zwar am ursprünglichen Standort der 1895 errichteten, monumentalen wilhelminischen Denkmalanlage unweit der heutigen Karl-Liebknecht-Straße wieder aufgestellt werden soll, der Reformator und sein Wirken aber zeitgenössisch interpretiert werden sollen.

Dialog mit sich selbst

Gelöst haben Weis und Zeller das, indem sie Luther mit sich selbst in den Dialog treten lassen. Der originalen Bronzefigur, die seit 1989 versteckt an der Nordseite der Marienkirche steht, stellen sie in ihrem neuen Denkmal einen zweiten Luther gegenüber. Der ist ein Abguss des Originals, soll aber aus Aluminium bestehen und eine blank polierte Oberfläche haben, in der sich der Betrachter spiegeln kann, in der sich aber auch die Stadt spiegelt. Beide Skulpturen sehen sich an. Dass das eine als Original bezeichnet wird und das andere als neu oder Kopie, lassen Weis und Zeller als Interpretation nicht zu. „Das ist ein neues Denkmal am alten Ort“, so Zeller.

Dabei wird die ursprüngliche Denkmalanlage ins Gegenteil verkehrt. Gewöhnlich, und so war es beim alten Luther-Denkmal, steigt man zu einem Denkmal hinauf, Weis und Zeller greifen zwar die historischen Ausmaße von 12 mal 16 Meter als Rahmen auf, verlegen die neue Anlage aber einen halben Meter tief in den Boden. Das hat den Reiz: Wer am Rand steht „ist auf Augenhöhe mit Luther“, sagt Zeller. Zugleich kann man an den Seiten sitzen.

Der Boden wird mit quadratischen Betonsteinen gestaltet, in die etwa 10.000 LED-Lichtpunkte eingelassen sind. Damit sollen Zitate, vielleicht von Luther, aber auch von den ursprünglichen Begleitfiguren des historischen Denkmals, wiedergegeben werden. Die alten Fundamente, die das Landesdenkmalamt schon im Herbst 2014 bei Ausgrabungen wiederentdeckt hat, beziehen Weis und Zeller nicht ein, das war auch nicht Bedingung.

Nur noch ein Fragment

Das neue Denkmal eröffnet dem Betrachter neue Perspektiven, lobt Bischof Dröge. Es sei eine Neuinterpretation Luthers und habe Bedeutung für die Gesellschaft in der Gegenwart. Errichtet wurde die Denkmalanlage vor gut 120 Jahren aus Spenden der Berliner Bürgerschaft auf dem Neuen Markt.

Geehrt wurde damit der Reformator, der 1517 seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen hatte. Zu dem ursprünglichen Denkmal gehörten auch zahlreiche Begleitskulpturen, sie wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Nur die Luther-Figur existiert noch, sie wurde nach Kriegsende in der Stephanus-Stiftung in Weißensee aufgestellt.

Bleibt die Frage: Wann wird das neue Denkmal gebaut? Das können weder Bischof Dröge, die Künstler noch Superintendent Bertold Höcker beantworten. Kirche und Senat waren sich eigentlich vor über zwei Jahren einig, dass das Denkmal als Beitrag Berlins zum Reformationsjahr 2017 fertig ist und am 31. Oktober, dem Reformationstag, steht. Geschätzte Kosten: etwa 900.000 Euro. Dieser Zeitplan ist überholt. Superintendent Höcker versichert aber: „2017 wird an diesem Ort etwas stehen.“ Er hatte schon einmal vorgeschlagen, eine Stele zu errichten, auf der wenigstens der neue Entwurf zu sehen ist.