Neues Empfangsgebäude in Gesundbrunnen: Die Bahn kann auch schnell

Berlin - Der Bahnhof Gesundbrunnen nimmt in Deutschland eine Sonderstellung ein. Er ist im Netz der Deutschen Bahn derzeit die einzige Station mit ICE-Halt ohne ein eigenes Empfangsgebäude. Doch das ändert sich jetzt. Die kahle Fläche vor den Zugängen zu den insgesamt fünf S-, Fern- und Regionalbahnsteigen wurde in dieser Woche von der Bahn abgesperrt. Der nach der Hertha-Legende Hanne Sobek benannte Platz über den Gleisen ist von einer Bretterwand und Zäunen umgeben. Die Bahn beginnt dort jetzt mit dem Bau eines Empfangsgebäudes.

Die Bahn kann also auch schnell, denn bisher war der Baustart für März oder April angekündigt. Insgesamt ist die Halle auf dem Bahnhofsvorplatz aber eher kein Vorzeigeprojekt der Bahn. Denn der für mehr als 100 Millionen Euro ausgebaute Bahnhof an der Brunnenstraße in Wedding wurde schon 2006, kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft, in Betrieb genommen. Damals verzichtete die Bahn aber aus Kostengründen auf das geplante Empfangsgebäude, das ursprünglich zwei Geschosse haben und mit dunkelrotem Klinker passend zum benachbarten U-Bahnhof verkleidet werden sollte. Stattdessen wurden später provisorische Pavillons mit Fahrkartenverkauf und Serviceständen errichtet. Der Rest der riesigen Betonplatte blieb zugig und leer.

Erstmal mit den Provisorien leben

Die neue Eingangshalle gestaltet die Bahn nun ein paar Nummern kleiner als geplant. Das Gebäude hat nur noch ein Geschoss. Wie ein Bahnsprecher sagt, können die Fahrgäste die Bahnsteige künftig trockenen Fußes direkt von der Halle aus erreichen. Vorgesehen ist ein zweckmäßiges Gebäude aus Stahl, Glas und Beton. Außer einem Reisezentrum soll es dort auch eine DB Information geben. Zusätzlich sind Geschäfte mit Imbiss und Reisebedarf sowie Einrichtungen der S-Bahn sowie der Bundespolizei geplant. Für die Reisenden bringt der Neubau aber zunächst einige Schwierigkeiten.

So liegen vier der fünf Aufzüge auf dem Hanne-Sobek-Platz innerhalb der Baustelle und können künftig nicht genutzt werden. Damit die Bahnsteige dennoch für Behinderte zum Beispiel über den Tunnel unter den Gleisen erreichbar bleiben, führt die Bahn derzeit Gespräche mit der BVG, um den U-Bahn-Aufzug mitzunutzen. Zudem soll mit der Verkehrslenkung Berlin geklärt werden, wie Bushaltestellen und Taxistand verlegt werden können. Die Eingangshalle wird 9,7 Millionen Euro kosten, im Dezember soll sie stehen. Anschließend haben die Mieter Zeit, ihre Läden auszubauen. Mitte 2014 soll dann die Empfangshalle, auf deren Dach eine 6000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage installiert werden soll, in Betrieb gehen.

Die Manager des benachbarten Gesundbrunnen-Centers sind zufrieden, dass die Bahn endlich das Empfangsgebäude errichtet. „Das bedeutet eine Aufwertung für den Bahnhof und das Umfeld“, sagt Harald Boll, Regional-Bereichsleiter der ECE Projektmanagement GmbH, die das Center betreibt.

Bis zur Eröffnung der Eingangshalle müssen die Reisenden aber noch mit Provisorien leben. Neben der Baustelle am Übergang zum Einkaufszentrum richtet die Bahn schnell noch einen Ersatzpavillon her. Neben Fahrkarten soll es dort auch Kaffee in Pappbechern geben. Eröffnung dafür ist am 30. Januar.