Berlins Tourismusindustrie schreibt ihre Rekordgeschichte ungebrochen fort: 28,7 Millionen Übernachtungen im Jahr, 11,9 Millionen Gäste, 4,5 Millionen davon aus dem Ausland. Klar, dass sich auch die Zahl der Hotels in der Stadt permanent vergrößert, schließlich wollen viele an dem Boom mitverdienen. Allein vierzehn?neue Hotels sollen noch dieses Jahr eröffnen. Doch nur eines davon gehört zum Luxussegment: Das Titanic Deluxe an der Französischen Straße in Mitte mit seinen fünf Sternen ist ab Sonntag geöffnet, ab Mitte März können Zimmer gebucht werden.

Dabei ist das neue Haus eigentlich ein altes. Das Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert diente lange als Kulissenhaus der Staatsoper. Dann bot der Liegenschaftsfonds das zum Denkmal ernannte Gebäude zum Verkauf an. Im Jahr 2010 ging das Geschäft über die Bühne. Bis zuletzt wurde an dem völlig neuen Haus hinter der alten Fassade, die aus Denkmalschutzgründen stehenbleiben musste, gearbeitet. 600 Tonnen Marmor wurden dabei verbaut, sie stammen aus Steinbrüchen in Italien, Indien und der Türkei.

Streit um die Erfindung des Döners

Das mag protzig klingen, für Faouzi Jlassi ist es schlicht sichtbarer Ausdruck dessen, was seine Chefs meinen, wenn sie sagen, dass das Haus „Tradition und Moderne vereinen“ soll. Wie das zusammenpassen kann mit dem „bescheidenen Produkt“, das man nach eigener Aussage auch gerne sein möchte, das wird eine der Fragen sein, die der Betriebsleiter, 33 Jahre alt, Franzose tunesischer Abstammung, in täglicher Arbeit beantworten muss.

Das Titanic Deluxe gehört der Familie Aygün, deren Zentrum der Patriarch Mehmet Aygün ist. Den kennt man in Berlin vor allem als Gastronomen und als einen der Beteiligten im Streit um die Erfindung des Döners, Berlins wohl erfolgreichstes Fast-Food-Produkt der vergangenen vier Jahrzehnte. Einmal soll Kadir Nurman die Brottasche mit Fleisch und Salat in seinem Imbiss am Bahnhof Zoo kreiert haben, einmal ein Onkel Aygüns in seiner Grillbude am Kottbusser Tor.

Vielleicht ist der Urheberstreit aber auch nur ein langandauerndes Missverständnis, jedenfalls wurde Aygüns erster Imbiss die Basis für ein ganzes Gastro-Imperium an der Spree. Mittlerweile betreibt die Familie hier fünf Hasir-Restaurants – zwei davon in Kreuzberg, zwei in der City-West, eines in der Oranienburger Straße in Mitte. Zählt man noch die zwei Burgerrestaurants, die drei „Italiener“, eine Hühnerbraterei und die demnächst fünf Beef-Grill-Clubs (einer davon im Titanic Deluxe) hinzu, kommt man auf sechzehn Standorte in Berlin. Allein an der Adalbertstraße in Kreuzberg sind es fünf gastronomische Betriebe.

140 bis 2800 Euro pro Nacht

Weniger weiß man in Berlin über die familiären Aktivitäten in der Hotelerie. Zwar ist das Titanic Comfort in der Nähe des Spittelmarkts schon eine Weile in Betrieb, doch das Haus mit seinen 226 Zimmern ist , was ein 3-Sterne-Hotel in erster Linie zu sein hat: zweckmäßig und nicht sonderlich auffällig.

Das sechsstöckige Haus an der Französischen Straße verfügt über 208 Zimmer zu Preisen zwischen 140 und 2500 Euro pro Nacht (für eine der Doppelsuiten). Herzstück soll ein Hamam werden, bei dem sich die Architekten an Top-Beispielen orientalischer Badekultur orientiert haben. Auf tausend Quadratmetern soll der Gast entspannen können, auch in einer Dampf- und Trockensauna mit Eisbrunnen.

Bedient werden soll hier das „Highclass-Segment“, sagt Betriebsleiter Faouzi Jlassi, Gäste aus Deutschland, den USA, Russland und der Türkei. Die dortige Mittel- und Oberschicht scheint Berlin als Urlaubsort entdeckt zu haben. 44.000 türkische Gäste wurden 2014 in Berliner Hotels gezählt. Das sind zwar nur 0,9 Prozent aller Gäste, dennoch ist es eine Steigerung um 17 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.