Dreiländereck wird die Gegend rund um den S-Bahnhof Landsberger Allee auch genannt. Die drei Berliner Innenstadtbezirke Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Lichtenberg grenzen dort aneinander. Zum charakteristischen – und weniger schönen – Bild dieser Gebiete gehören seit Langem die verfallenen Auktionshallen des früheren Schlachthofes an der Landsberger Allee, gleich neben dem Hochhaus-Hotel Andel’s.

In den kommenden Jahren soll auf diesem etwa 35.000 Quadratmeter großen Gelände ein „attraktives Quartierszentrum“ entstehen, werben die Eigentümer aus Österreich in einem internen Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt. Zum jetzigen Zeitpunkt der Planung wollen die Investoren noch nichts zu ihrem Projekt sagen. Erst wenn die zuständigen Ämter alle Pläne genehmigt haben, werden sie das tun.

Brücke zum Hotel Andel’s

Den aktuellen Plänen zufolge wird ein neues Kongresszentrum gebaut. Für Konferenzen und Ausstellungen stehen dann etwa 8300 Quadratmeter zur Verfügung. Damit würde der Neubau mit zu den größten Kongressorten der Hauptstadt zählen. In der Tiefgarage haben 270 Autos Platz, geplant sind zudem 100 Fahrradstellplätze. Im Erdgeschoss wird es Läden geben. Eine Brücke über die S-Bahn-Trasse verbindet dann den Kongress-Neubau mit dem Hotel Andel’s. Das 4-Sterne-Haus mit seinen 557 Zimmern ist ein Kongresshotel mit einem Ballsaal und 21 Konferenzräumen.

Neben einem neuen Stadtplatz am Rande des Gebietes sollen auch die letzten verfallenen Auktionshallen, in denen früher mit Schweinen gehandelt wurde, denkmalgerecht saniert und mit gläsernen Dächern versehen werden. Die Denkmalschützer verlangen, dass jedes Detail an den Häusern und jede Verzierung an der Fassade erhalten bleibt. Ein Boulevard wird die Hallen mit dem Kongresszentrum verbinden.

Die Investoren wollen in den Auktionshallen Geschäfte, hochwertige Lebensmittelläden und anspruchsvolle Gastronomiebetriebe und Cafés ansiedeln. Auch hier soll es knapp 100 Abstellplätze für Räder geben. Über die Umbaupläne für die letzten ungenutzten Flächen des rund 50 Hektar großen Wohngebietes Alter Schlachthof werden sich die Bewohner der vielen neu gebauten Stadthäuser und sanierten Lofts des Schlachthof-Geländes freuen.

Berlin: 24.000 Kongressteilnehmer in zwei Monaten

Denn dort haben zwar Bau-, Super- und Getränkemärkte sowie ein großes Fahrradgeschäft in der Rinderauktionshalle eröffnet, doch Einzelhandel, Cafés und Lokale finden die Bewohner nicht in ihrem Kiez. Seit Langem bemängeln sie, dem Viertel fehle der „Berliner Charakter“.

Offensichtlich haben sich die Investoren mit dem Kongresscenter-Neubau an den stetig steigenden Zahlen von Tagungsgästen in Berlin orientiert. In Berlin finden Weltkongresse statt, Ende November etwa der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Zur größten Fachtagung für psychische Gesundheit in Europa werden etwa 9000 Experten erwartet. Sie gehören zu den etwa 24.000 Teilnehmern von Kongressen in Berlin in den Monaten Oktober und November.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr rund elf Millionen Gäste zu mehr als 131.000 Veranstaltungen in die deutsche Hauptstadt, geht aus der Kongress-Statistik für das Jahr 2014 des Berlin Convention Office von Visit Berlin hervor. Kongressteilnehmer, die in Berlin übernachten, geben pro Tag im Durchschnitt 232 Euro aus. Der Berliner Tagungs- und Kongressmarkt bilanzierte 2014 einen Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro.

Pläne gab es schon seit Jahren

Erst vor wenigen Wochen nahmen die Betreiber des Hotel Estrel in Neukölln ihre neue Veranstaltungshalle Convention Hall II in Betrieb. Sie ist 4600 Quadratmeter groß und elf Meter hoch. Mit dieser Halle verfügt das „Estrel Congress & Messe Center“ insgesamt über eine Fläche von 25.000 Quadratmetern. Er könne nun „richtig große Veranstaltungen mit bis zu 12.000 Besuchern“ ausrichten, sagt Estrel-Eigentümer Ekkehard Streletzki.

Die Pläne für ein neues Kongress-Center an der Landsberger Allee gibt es schon viele Jahre. Als Ralph Alsdorf im April 2009 Hoteldirektor des Andel’s wurde, sprach er schon von einem Neubau auf dem gegenüberliegenden Gelände, auch einen Jazz-Club sollte es dort geben.

Doch im Sommer 2015 verkauften die Andel’s Eigentümer Warimpex und UBM Development das Hotel für 105 Millionen Euro an das Immobilienunternehmen Union Investment. Warimpex und UBM sind aber noch Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Kongresscenter gebaut werden soll.