Neues Konzept für Park im Plänterwald: Spreepark soll Erholungsort statt Vergnügungspark werden

An einiges im Spreepark kann sich Matthias Kollatz-Ahnen noch gut erinnern: „Mit dem Riesenrad“, sagt er, „bin ich nie gefahren, weil da immer eine so lange Menschenschlange davor stand.“ Die Autoscooter fand er etwas altbacken, aber historische Karussells wie die kleine Parkeisenbahn oder die Oldtimer, die auf Schienen ihre Runden drehten, die habe er kräftig genutzt. Das war Ende der 1980er-Jahre, und Kollatz-Ahnen studierte damals an der Technischen Universität (TU) in West-Berlin. Weil es im Westteil nichts Vergleichbares gab, sei er einige Male in den Osten gefahren, in den Vergnügungspark im Plänterwald.

Heute ist der 57-Jährige für die SPD Finanzsenator in Berlin und in dieser Funktion auch für den Spreepark verantwortlich. Auf dem gut 20 Hektar großen Gelände am Spreeufer dreht sich seit 14 Jahren kein Karussell mehr. Nach der filmreifen Flucht des einstigen Betreibers und einiger vergeblicher Versuche von mehr oder weniger ernstzunehmenden Investoren hat es lange gedauert, bis klar wurde, was aus dem Park einmal werden soll. Dort sind nur noch vereinzelte Überreste der einstigen Rummelplatz-Attraktionen zu erkennen. Das 45 Meter hohe Riesenrad steht noch, und wenn der Wind weht, drehen sich die Gondeln.

Eisenbahn ist eingemottet

Das ehemalige Englische Dorf mit dem Geisterhaus und dem Spiegellabyrinth ist abgeräumt, nachdem dort vor gut einem Jahr ein Großfeuer wütete. Die kleine Parkeisenbahn Santa Fé ist eingemottet, von den Oldtimern ist nichts mehr da. Kollatz-Ahnen ist dennoch sicher, dass der Spreepark eine Zukunft hat. Nicht als klassischer Vergnügungspark, sondern als öffentlich zugänglicher Park, in dem Spuren der Geschichte sichtbar bleiben. Die landeseigene Grün Berlin GmbH, die schon die Gärten der Welt in Marzahn, das Tempelhofer Feld oder den Gleisdreieckpark in Kreuzberg betreut, soll den Spreepark ab 2016 übernehmen. Gespräche darüber gibt es schon länger, doch bisher stand nicht fest, wie viel sich das Land den Spreepark kosten lässt.

Seit ein paar Tagen steht das fest: „Wir können keine großen Sprünge machen, für den Alltagsbetrieb wird es eine sechsstellige Summe jährlich geben“, sagt Kollatz-Ahnen. Er spricht von einem minimalistischen Konzept für den Park. Ein Erholungsort mit viel Natur soll er werden. Ob dazu auch wieder Konzerte, Feste oder andere Events gehören, wird gerade bei Grün Berlin überlegt. Das Riesenrad und weitere Zeugnisse der Vergangenheit bleiben stehen, verwunschene Ecken, sollen erhalten bleiben. Der morbide Charme, der immer wieder Filmteams anlockt und Touristen dazu animiert, über den 2,50 Meter hohen Zaun zu steigen, wird auch künftig eine Attraktion im Spreepark sein.

Im Bezirk wird umgeplant

Doch so schnell, wie das mancher wünscht, wird das mit der Öffnung des Parks nicht gehen. Im Boden wurden Giftstoffe entdeckt, an vielen Stellen kann man sich an Karussellresten verletzen oder in Erdlöcher fallen. Diese Gefahrenstellen zu beseitigen, wird etwa ein halbes Jahr dauern, heißt es. Drei Millionen Euro stehen dafür bereit. Wenn alles gut läuft, könnte der Park noch 2016 öffnen.

Im Bezirk Treptow-Köpenick bereitet man sich darauf vor. „Wir sind sehr froh über die Zusagen des Finanzsenators und darüber, dass Grün Berlin den Park übernimmt“, sagt Ulrike Zeidler, die Chefin des Stadtplanungsamtes. Dort liegt noch der alte Bebauungsplan, in dem unter anderem ein Parkhaus mit 900 Stellplätzen und einer Verbreiterung der Zufahrtstraße Dammweg vorgesehen sind. Diese Planung werde jetzt an das neue Konzept angepasst. Noch sei nicht klar, was Grün Berlin benötige. Früher, sagt Matthias Kollatz-Ahnen, sei er mit der S-Bahn bis Plänterwald gefahren und dann gelaufen. „Diese 15 Minuten durch den Wald waren schon eine Erholung.“