Seit neuestem: Landesamt für Einwanderung. 
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Berlin Draußen am Gebäude hängen seit kurzem schöne große Buchstaben. „Landesamt für Einwanderung“ heißt das schiefergraue Gebäude am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit seit Anfang des Jahres. Das weiße kleine Schild, das dort bisher hing, ist verschwunden. „Ausländerbehörde“ hatte dieses Haus jahrzehntelang geheißen – das klang immer schon abschreckend.

Aber Abschreckung ist ab sofort nicht mehr der Geist der Stunde. Heutzutage hat es die Berliner Verwaltung nicht mit Ausländern zu tun, sondern mit Einwanderern, die nicht lästig sind, sondern umworben werden, weil sie unsere überalternde Wirtschaft retten sollen. Der Stil ist die eine Frage. Ganz konkret wird aber auch am 1. März in Deutschland das neue Facharbeitereinwanderungsgesetz in Kraft treten mit dem Ziel, Akademiker und andere Fachkräfte in großer Zahl ins Land zu locken.

Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte, IT-Spezialisten, Ingenieure und Handwerker dürfen dann einreisen, auch wenn sie nicht aus der Europäischen Union kommen, und auch ohne Vertrag zur Jobsuche. Berlin hat deshalb seine Ausländerbehörde, bisher nur eine Abteilung der Behörde für Ordnungsangelegenheiten, beerdigt und als neues Landesamt aufgewertet. Das wurde am Mittwoch mit 160 geladenen Gästen gefeiert. Ein guter Tag für Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Neuer Name mehr als nur ein Symbol

Ihm fällt die Aufgabe zu, den versammelten Unternehmern, Vertretern von Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Diakonie, Charité zu verkünden, dass ab sofort alles besser werde. Lange schon liegen ihm Unternehmer in den Ohren, er möge die Dinge vereinfachen. „Dieser neue Name ist mehr als ein Symbol“, sagt Geisel und überreicht dem Direktor des Landesamts Engelhard Mazanke noch ein zweites Schild mit dem neuen Namen seiner Behörde.

Dann formuliert Geisel seine Erwartungen: Die neue Behörde soll zu einer service- und beratungsorientierten Schlüsselbehörde werden. Denn, so Geisel, neben dem Klimawandel sei der demografische Wandel die größte Herausforderung und werde die Gesellschaft umwälzen. Die Zukunft Deutschlands hänge davon ab, wie gut dieser Wandel gelinge. Beispiele fallen ihm gleich mehrere ein. „Wir wollen bauen, wir müssen bauen, das Problem ist nur, uns fehlen die Arbeiter“, sagt Geisel.

Tatsächlich fehlt es fast überall: bei Lehrern und Klempnern, Bäckern und Krankenpflegern. Probleme, selbst für die beste Stadt der Welt, wie Geisel Berlin nennt. Bis 2030, so die Wunschvorstellung des Senators soll Berlin zur lebenswertesten Stadt Europas werden. Wenn das keine Herausforderung ist. Engelhard Mazanke und seiner Behörde kommt jedenfalls in Geisels Plan eine Schlüsselstellung zu. 470 Mitarbeiter hat die Behörde jetzt schon.

Landesamt bekommt zusätzliche Stellen

Das neue Landesamt bekommt 73 zusätzliche Stellen, 15 davon speziell für die Verbesserung des Beratungsangebots und des Beschwerdemanagements. Bisher geht das Land von 6000 Zuwanderern pro Jahr aus, die auf Grundlage des neuen Gesetzes künftig nach Berlin kommen werden. Schon zuvor war die Ausländerbehörde die größte Deutschlands mit 400 000 Menschen, die dort jedes Jahr vorsprechen.

Mazanke hat sich vorgenommen, die Zeiten, die es braucht für die Bürokratie, in der Zeugnisse anerkannt, Visa erstellt werden, auf drei bis vier Monate deutlich zu verkürzen. „Wir müssen schneller werden. Berlin steht in Konkurrenz“, sagt er. Die Aufgaben werden also mit Sicherheit nicht weniger werden.