Diesel müssen draußen bleiben: Das wäre ein Albtraum für viele Berliner. Ein Fahrverbot träfe nicht nur private Autobesitzer – der Großteil des Wirtschaftsverkehrs würde lahmgelegt. Deshalb will der Senat verhindern, dass sich die Umwelthilfe, die ein Dieselfahrverbots fordert, mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgericht im Frühjahr durchsetzt. Die Belastung der Luft mit Stickstoffoxiden könne auch anders verringert werden, meint er. Nicht zuletzt, um die Richter zu überzeugen, wird ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Am 18. Januar, wenn der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zum zweiten Mobilitätsgespräch einlädt, soll es verabschiedet werden. Erste Einzelheiten sind bereits absehbar.

Mehr Elektrobusse bei der BVG: Mit den vier E-Bussen, die auf der Linie 204 (Zoo–Südkreuz) unterwegs sind, hat die BVG keine guten Erfahrungen gemacht. Trotzdem lässt das Landesunternehmen nicht locker – und fordert die Fahrzeugindustrie heraus. Am Montag stimmte der BVG-Aufsichtsrat zu, für einen zweistelligen Millionenbetrag 30 Eindeck- und 15 Gelenkbusse mit Elektroantrieb zu kaufen. Die zwölf Meter langen Eindecker sollen ab 2018 beschafft werden, die Schlenkis ab 2019. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne): „Land und Verkehrsbetriebe arbeiten daran, die Busflotte auf E-Antrieb umzustellen.“

Filter gegen Stickoxid: 2018 will die BVG weitere Busse mit Stickoxidfiltern nachrüsten – bis zu 200. Am Hardenbergplatz, einem Knotenpunkt des Busverkehrs, konnte der Senat nachweisen, dass die Technik viel bringt. Dort ging die Belastung mit Stickoxiden um 20 Prozent zurück, seitdem die BVG 200 Busse mit Filtern ausgerüstet hat.

Geld für saubere Taxis: Die rund 8000 Taxis in Berlin fahren meist mit Diesel. Die Wirtschaftsverwaltung arbeitet an einem Förderprogramm, damit es mehr umweltfreundliche Taxis gibt. Allerdings sind keine E-Autos verfügbar, die sofort als Taxis eingesetzt werden könnten. Um Taxameter an Fahrzeugelektronik anzuschließen, wären Adapter nötig, dann müsste die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Konformitätsbescheinigungen erteilen. Es gibt auch ein rechtliches Hindernis. Der Bund zahlt bereits Kaufprämien: 4000 Euro pro E-Auto, 3000 Euro pro Plug-in-Hybrid. Nach dem so genannten Kumulationsverbot wäre es unzulässig, dass das Land wie geplant jeweils dieselbe Summe drauflegt. Im Gespräch ist deshalb, dass Berlin zunächst Geld für Hybridautos zahlt. Über 2000 Hybrid-Taxis rollen bereits durch Berlin.

Mehr Ladesäulen: In Berlin und Brandenburg gibt es in öffentlichen Bereichen rund 800 Steckdosen, an denen E-Fahrzeuge aufgeladen werden können. Zu wenige, sagen viele. „Die Ausweitung der Ladeinfrastruktur soll deutlich beschleunigt werden“, sagt nun Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Ihre Verwaltung arbeitet am Aufbau von Ladesäulen auf öffentlichen Straßen, Ziel der Wirtschaftsverwaltung ist, dass mehr Privatgrundstücke bestückt werden. Genehmigungsverfahren sollen einfacher und schneller werden. „Wir müssen aber im Auge behalten, in welche Richtung sich die Technik entwickelt“, so Günther. „Muss es um mehr Schnellladesäulen gehen? Oder reichen konventionelle Ladesäulen aus, bei denen ein Ladevorgang viele Stunden dauert?“

Im Dienst elektrisch unterwegs: Für den Einsatz als Dienstfahrzeuge sind E-Autos ideal. Die Kilometerleistung hält sich im Rahmen, auf Betriebshöfen ist Platz für Ladesäulen. Von den 104 BVG-Dienstautos fahren 100 elektrisch. Die Gasag hat 200 E-Smarts für Mitarbeiter. Bei der BSR sind 40 Prozent der Dienstfahrzeuge mit Strom unterwegs, künftig 100 Prozent. Die Berliner Wasserbetriebe wollen diesen Anteil von 50 auf 80 Prozent steigern.

Carsharing unter Strom: Autos gemeinsam nutzen – das ist auch elektrisch möglich. Allerdings ist die Zahl der strombetriebenen Car-Sharing-Fahrzeuge in Berlin stark gesunken, seitdem die Firma Multicity ihr Angebot in Berlin Ende Oktober eingestellt hat. Die Citroën-Tochter hatte 230 E-Autos bereitgestellt. Derzeit gibt es in Berlin 150 E-Fahrzeuge im Car Sharing, teilte BMW mit. Dort hält man es für sinnvoll, dass die gesamte Flotte auf Strombetrieb umgestellt wird. Es müssten aber alle Anbieter an einem Strang ziehen. Auch wären mehr Ladesäulen nötig.

Pakete kommen elektrisch: Street Scooter – so heißen die elektrischen Transporter, mit denen die Deutsche Post für Aufsehen sorgt. 40 Exemplare fahren bereits durch Berlin. Die Zahl soll weiter steigen. Zwar sind die Anschaffungskosten um ein Drittel höher als bei Fahrzeugen mit herkömmlicher Antriebstechnik. Dafür wird bei ihnen eine Inspektion erst nach 100.000 Kilometern fällig, und die Batterien müssen erst nach sechs bis zwölf Jahren gewechselt werden. Für ihre Flotte hat die Post 160 Ladepunkte in Berlin installiert, 2018 kommen 48 hinzu.