Berlin - Die Ambulanz für integrierte Suchthilfe an der Kochstraße (AID) kann zuversichtlicher als noch vor einer Woche in die Zukunft blicken. Die Praxis unweit des Checkpoint Charlie muss am Jahresende die seit 20 Jahren genutzten Räume verlassen. Neun Monate lang suchte der Träger vergeblich nach einer Alternative. Jetzt prüft die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), ob zwei Liegenschaften in Landesbesitz für die Ambulanz in Frage kommen. Unter anderem eine Fläche am Anhalter Bahnhof, die als Provisorium mit Containern bestückt werden könnte. Ein leerstehendes Gebäude in Prenzlauer Berg zählt ebenfalls dazu. Damit könnte das Aus für die Einrichtung noch abgewendet werden.

Ambulanz vor dem Aus: Demonstration am Checkpoint Charlie

Am Montag demonstrierten Ärzte, Betreuer und Patienten der AID an der Kreuzung Kochstraße/Friedrichstraße, um ihrer Forderung nach Unterstützung durch die Berliner Politik Nachdruck zu verleihen. Rund 250 waren gekommen, mehr hätten die Abstandsregeln in der Corona-Pandemie nicht zugelassen. „Lasst uns nicht im Stich“, stand auf Transparenten. Oder: „Weil Nähe zählt.“ Und: „Substitution heißt überleben.“ Rund 350 suchtkranke Menschen werden von der AID in zentraler Kreuzberger Lage betreut. Sie erhalten unter anderem Medikamente, um von Drogen loszukommen und nicht in die Beschaffungskriminalität abzurutschen. Drei Ärzte und acht Sozialarbeiter sind in der Ambulanz im Wechsel tätig.

Annika Willoh gehört zum Ärzteteam, sie sagt: „Die klassische Antwort unserer Patienten auf die Frage, warum sie zu uns kommen, lautet: ‚Ich möchte ein normales Leben, möchte einer Arbeit nachgehen, möchte gebraucht werden, möchte gern gut funktionierende soziale Beziehungen führen‘.“ Im Idealfall gibt die AID den entscheidenden Impuls dafür. Psychologen helfen, die Ursachen der Sucht zu erkennen und zu überwinden.

Die AID ist die größte Einrichtung ihrer Art in Berlin. Weitere Ambulanzen gibt es in Lichtenberg, Friedrichshain und Neukölln. Auch niedergelassene Ärzte nehmen sich vereinzelt Suchtkranker an, allerdings meist derjenigen, die bereits gut eingestellt oder durch Medikamente unabhängig sind vom Stoff, von Dealern, vom Leben auf der Straße. Rund 6000 Heroinabhängige werden in Berlin derzeit versorgt.

Für einen Gutteil besteht nun Hoffnung, auch weiterhin auf die Hilfe der AID bauen zu können. „Wir bekommen inzwischen auch Anfragen aus Bezirken, wie uns geholfen werden kann“, sagt Heike Krause vom Träger Nothilfe Berlin, der in der Stadt insgesamt 19 Einrichtungen unterhält. „Noch ist nichts fix“, sagt Krause, „aber es kommt nach langer Zeit endlich Bewegung in die Suche.“