Lange stand die Mercedes-Benz-Arena als einziger Neubau auf dem Areal zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof. Aber mittlerweile wächst rund um die Mehrzweckhalle ein neues Stadtquartier empor. Mit Büros, Wohnungen, einem Einkaufszentrum und einem eigenen Vergnügungsviertel. Am Dienstag wurde im Zentrum des neuen Quartiers, am Mercedes-Platz, das Richtfest gefeiert.

„Bis zu 20 Millionen Menschen werden hier jedes Jahr unterwegs sein“, sagt Michael Kötter, Projektleiter der Anschutz Entertainment Group (AEG), bei einem Rundgang über die Baustelle. Die AEG investiert 200 Millionen Euro in den Bau eines Kinocenters, einer Veranstaltungshalle mit dem Namen Music Hall, eines Bowlingcenters, in zwei Hotels und ein Bürogebäude, die beidseits des Mercedes-Platzes entstehen. Im nächsten Jahr soll alles fertig sein, sagt Kötter.

In der Music Hall stehen schon die Wände und der Boden, nur die Decke fehlt noch. „Das wird die kleine Schwester der Mercedes-Benz-Arena“, sagt Kötter. Bis zu 4500 Besucher werden hier stehend Platz haben. Wenn die Zuschauer sitzen, passen immerhin noch zirka 2500 Menschen in den Saal. Konzerte oder Bälle können hier später stattfinden.
WM-taugliche Bowlingbahnen

Über den Platz geht es ins neue Kinocenter. 14 Säle entstehen dort, darunter ein Imax-Kino. Bisher sind in dem rund 15 Meter hohen Saal nur die nackten Betonwände und die Decke zu sehen, die durch Säulen gestützt wird. Im gleichen Gebäude wird am neuen Bowlingcenter gebaut. 28 Bahnen sollen dort entstehen – damit wird das Center WM-tauglich, sagt Kötter.
Wer die beiden Hotels betreiben wird, steht bereits fest. Eine Herberge wird ein Drei-Sterne-Haus von Hampton by Hilton mit 254 Zimmern.

Das zweite wird ein Indigo Hotel mit vier Sternen, das über 118 Zimmer sowie eine Bar auf dem Dach verfügt. Blick auf die Spree und die unter Denkmalschutz stehenden Mauerteile der East Side Gallery inklusive. Die Büros an der Seite zur Spree sollen vom Modehändler Zalando genutzt werden, der bereits mit 2800 seiner insgesamt 5700 Berliner Beschäftigten auf dem Areal sitzt. Zurzeit entsteht unweit der Mercedes-Benz-Arena der Zalando Campus mit der künftigen Firmenzentrale. 2018 soll sie fertig sein.

Ziel von Zalando ist, den Großteil seiner Berliner Beschäftigten auf dem Areal am Ostbahnhof unterzubringen. Wie viele das einmal sein werden, könne jetzt aber noch nicht gesagt werden, erklärt eine Sprecherin. Der etwa 2000 Quadratmeter große Mercedes-Platz selbst soll mit Granitplatten gepflastert werden. Dazwischen sollen Wasserfontänen etwa zwei Meter nach oben schießen.

Einkaufszentrum mit 120 Läden

Auf dem Platz sind zudem acht Medientürme geplant, die für Informationen und Werbung genutzt werden können. Im oberen Teil des Areals könne es ein bisschen Las Vegas geben, weiter runter zur East Side Gallery solle es aber berlinisch sein, zitiert Kötter die Vorgaben des Landes Berlin. So sollen die Gebäude gegenüber der East Side Gallery eine Berlin-typische Klinkerfassade erhalten. Am Rande des neuen Platzes sind Restaurants und Cafés geplant. Für Berliner und Besucher der Stadt. „Unsere Ambition ist, dass das Viertel eine internationale Adresse wird“, sagt Kötter.

Neben Zalando gehört der Vertrieb von Mercedes-Benz mit 1300 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern auf dem Areal um die Mercedes-Benz-Arena. Zirka 20.000 Arbeitsplätze soll es insgesamt geben, wenn das Stadtviertel fertig ist. Geplant sind überdies etwa 2500 Wohnungen. Die ersten sind bereits fertig. Bei manchen wird die Fertigstellung noch dauern. Als ein potenzielles Baugebiet gilt der Betriebshof der Berliner Stadtreinigung in Richtung Warschauer Straße.

Zwischen Mercedes-Benz-Arena und der Warschauer Straße entsteht das Einkaufszentrum East Side Mall mit 120 Geschäften. Im Rohbau ist das Gebäude fertig. Hier wird an diesem Donnerstag Richtfest gefeiert. „Im Herbst 2018 eröffnen wir“, sagt Hans Gaida vom Center-Management. Mit einer vermietbaren Fläche von 37.800 Quadratmetern gehört die East Side Mall zu den mittelgroßen Einkaufspassagen der Stadt.

Sie ist in etwa so groß wie die Potsdamer Platz Arkaden. „Wir sehen uns als Standort für die Region“, sagt Gaida. Als Kunden erwartet er Besucher der Mercedes-Benz-Arena, Touristen, Beschäftigte aus dem Stadtviertel und Bewohner aus der Nachbarschaft. So setzt sich denn auch das Sortiment zusammen.

Neben Bekleidungsfirmen wie Zara und H&M sollen Nahversorgungsläden wie Aldi und Rewe und ein großer Essensbereich zu finden sein. Es soll aber auch Kiez-typische Angebote geben. Welche, dazu wurden am Dienstag noch keine Angaben gemacht. Das neue Einkaufszentrum soll fünf Geschosse haben, darunter zwei Parkdecks. Dem Projektentwickler Freo kommt dabei zugute, dass es zwei Erdgeschossniveaus gibt: eines von der Warschauer Brücke, ein weiteres von der Arena.

So werden von den drei Verkaufsgeschossen zwei als Erdgeschoss vermietet. Eines heißt Erdgeschoss Arena, das zweite Erdgeschoss Warschauer Straße. Hintergrund: In Einkaufszentren sind Erdgeschosse die beliebtesten Ebenen. Wohl dem, der zwei davon hat.