Wohnen am Park: So idyllisch soll das neue Stadtviertel werden.
Foto: Büro Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitektur

BerlinViele Häuser rund um das Rathaus Tempelhof sind in die Jahre gekommen. Der Tempelhofer Damm hat an Attraktivität als Einkaufsstraße eingebüßt. Doch das soll sich ändern. Rund um das Rathaus Tempelhof soll in den nächsten zehn bis zwölf Jahren ein neues Stadtquartier mit 500 Wohnungen, Kitaplätzen, Hallenbad, Polizeirevier sowie einem Kultur- und Bildungshaus entstehen. Name: „Neue Mitte Tempelhof“. Bau-Staatssekretärin Wenke Christoph (Linke) stellte die Pläne am Donnerstag vor.

Das Quartier ist eines von insgesamt 16 neuen Stadtvierteln mit fast 50.000 Wohnungen für 100.000 Menschen, die derzeit in Berlin geplant werden. Zu den anderen Stadtquartieren gehören unter anderem die Buckower Felder im Süden Neuköllns, der Blankenburger Süden in Pankow und Lichterfelde Süd in Steglitz-Zehlendorf. Während viele der neuen Quartiere auf Freiflächen am Rand der Stadt entstehen, ist mit der Neuen Mitte Tempelhof ein neues innerstädtischen Quartier geplant.

Gestaltet werden soll die Neue Mitte Tempelhof nach Plänen der Büros Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitektur, die sich in einem jetzt entschiedenen Wettbewerb gegen drei weitere Bewerber durchgesetzt haben. Die Wettbewerbssieger planen ein Neubau-Ensemble, das sich um einen Park und die Kleingartenkolonie Feldblume gruppiert. Die Ränder der Bebauung springen zur Parkseite mal vor und zurück und führen damit im Gebiet auf der östlichen Seite des Tempelhofer Damms die Gestaltung fort, die bereits auf der westlichen Seite vorzufinden ist. „Küstenlinie“ nennen die Architekten diese Form des Hineinbauens in die Landschaft, die eine harte Baufluchtlinie vermeidet.

Öffentlich zugängliche Innenhöfe

Die 500 Wohnungen sollen in drei Blöcken entlang der Götzstraße nördlich des Rathauses entstehen. Die Höfe sollen begrünt und öffentlich zugänglich sein. Geplant ist, dass die Gebäude fünf bis sieben Geschosse haben und sich damit an der Bebauung in der Umgebung orientieren. An einer Stelle sieht der Plan aber auch einen zwölfgeschossigen Turm an der Götzstraße vor, die Architekten selbst sprechen von einem „Hochpunkt“. Das Gebäude soll nach ihrer Beschreibung „markanter Akzent des neuen Wohnquartiers“ werden. Die Architekten schlagen eine innovative Bauweise für den Hochpunkt vor, zum Beispiel aus Holz. 

Die Bauflächen in der Neuen Mitte Tempelhof werden unter anderem dadurch geschaffen, dass marode Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren abgerissen werden und die Nutzer einen Neubau an anderer Stelle erhalten. So muss das 1978 errichtete Polizeigebäude des Abschnitts 44 in der Götzstraße 6 weichen. Dafür entsteht ein neues Domizil für den Abschnitt 44 in der Götzstraße 36. Abgerissen wird ferner das bisherige Stadtbad Tempelhof, das 1963 errichtet wurde. Es erhält einen Neubau an fast gleicher Stelle, wird aber in einen Wohnblock integriert. Ohne Verlust von Grünflächen kommt das Projekt nicht aus. 17 Kleingärten müssen der Neubauplanung weichen. Die Laubenpieper sollen aber Ersatzflächen und eine Entschädigung erhalten, heißt es.

Abgerissen wird auch der Anbau des Rathauses am Tempelhofer Damm, der früher als Sitzungssaal der Bezirksverordnetenversammlung diente. Stattdessen erhält das Rathaus einen Erweiterungsbau mit Büros. Das Rathaus selbst wird modernisiert und bekommt unter anderem neue Flächen für das Bürgeramt. Das Auffälligste: Nicht weit vom Rathaus entfernt ist ein 56 Meter hoher Turm geplant, der das neue Kultur- und Bildungshaus beherbergen soll. Dazu gehören unter anderem die Bezirkszentralbibliothek, die Volkshochschule und die Musikschule. Zwischen dem Rathaus und dem neuen Kultur- und Bildungshochhaus soll ein Stadtplatz entstehen und zu einer Art quirligem Zentrum werden. Ein Platz, an dem sich die Wege der Menschen kreuzen, an dem Passanten am Schaufenster der Kunstgalerie vorbei schlendern und Leute im Café sitzen.

„Kulturleuchtturm“ soll Rathausturm überragen

Die alte Bebauung scheint jedoch in der neuen Planung nur von untergeordneter Bedeutung zu sein. Das zeigt nicht nur der vorgesehene Abriss, sondern auch der Umgang mit dem alten Rathaus, das in den 1930er-Jahren errichtet wurde. Denn das geplante Kultur- und Bildungshochhaus überragt mit 56 Metern den 41 Meter hohen Turm des Rathauses Tempelhof deutlich. Für den Bezirk ist das aber kein Problem. Es sei so, dass das Kultur- und Bildungshaus deutlich höher werde, was er aber richtig finde, sagt Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne). Denn der Bezirk wolle ein Ausrufezeichen setzen. Das Rathaus Tempelhof stehe nicht unter Denkmalschutz. „Und deswegen müssen wir Nachbarschutz und dergleichen mehr an der Stelle auch nicht beachten“, so Oltmann. „Tempelhof gilt immer noch als Kulturwüste und deswegen gab’s den Wunsch, die Idee, einen Kulturbaustein direkt an dem Tempelhofer Damm zu errichten, um dem etwas entgegenzusetzen“, sagt Kulturstadtrat Matthias Steuckardt (CDU). „Jetzt haben wir keinen Kulturbaustein, sondern einen Kulturleuchtturm gekriegt“, sagt Steuckardt.

Der geplante Kulturleuchtturm mit 56 Metern überragt den 41 Meter hohen Rathausturm am Tempelhofer Damm deutlich. 
Foto: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitektur

„Mit dem Siegerentwurf sind nun die Weichen gestellt, hier in Tempelhof ein attraktives und lebenswertes Stadtquartier mit rund 500 neuen Wohnungen zu entwickeln“, sagt Bau-Staatssekretärin Wenke Christoph (Linke). „Der hohe Anteil an Grünflächen, der geplante Neubau von Schwimmhalle, Bibliothek, Kultur- und Bildungshaus werden in den Bezirk ausstrahlen“, zeigt sie sich überzeugt. „Das bezirkliche Interesse liegt vor allem darin, Grundlagen für ein Stadtquartier der Zukunft zu finden mit einem hohen Grünflächenanteil, bezahlbarem Wohnraum für alle und einer markanten Bebauung am T-Damm“, sagt Baustadtrat Oltmann.

Wer die Wohnungen baut, ist noch nicht festgelegt. Üblich ist, dass 80 Prozent der Wohnungen von einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft errichtet werden. Die übrigen 20 Prozent können dann von einer Genossenschaft gebaut werden, um eine Mischung der Anbieter zu erreichen. Mit dem Bau der Wohnungen soll 2027 begonnen werden. Eine Entlastung des Wohnungsmarkts in naher Zukunft ist durch dieses Projekt also nicht zu erwarten. Immerhin sind in dem Quartier preisgünstige Wohnungen zu erwarten. Denn jede zweite Wohnung, die die landeseigenen Unternehmen derzeit planen, ist eine Sozialwohnung.