Neues Stellwerk: Teile der S 2 werden im Oktober vier Wochen lang gesperrt

Berlin - Elke Kadgien freut sich nicht auf den Oktober. „Das wird das totale Chaos“, sagt die Frau aus Karow. Wegen Stellwerksarbeiten fahren einen Monat lang keine S-Bahn-Züge zwischen Blankenburg und Bernau.

Wie viele andere Fahrgäste wird Elke Kadgien auf Busse ausweichen müssen. „Ich schätze mal, dass ich täglich anderthalb Stunden länger unterwegs sein werde“, klagt sie. Weitere Unterbrechungen werden folgen. „Die S 2 im Nordosten ist die S-Bahn-Strecke, die im nächsten Jahr am stärksten von Sperrungen betroffen sein wird“, kündigt S-Bahn-Chef Peter Buchner an.

Es gibt nur ein paar Buslinien

Die S-Bahn-Linie S 2 ist einer der wichtigsten S-Bahn-Strecken in dieser Region. Besonders wichtig ist sie für die Menschen, die in Blankenburg, Karow, Buch, Röntgental oder Zepernick wohnen. Denn sie haben nicht viele Alternativen, was die Verbindungen ins Zentrum anbelangt.

U-Bahnen und Straßenbahnen gibt es nicht, nur ein paar Buslinien. Wer Auto fährt, sollte gute Nerven haben. Nur eine einzige Hauptverkehrsstraße führt in Richtung Innenstadt – und sie ist oft zugestaut.

48 statt 17 Minuten unterwegs

Doch vom 14. Oktober bis in die Nacht zum 14. November, vier Wochen lang, steht die S 2 nicht zur Verfügung. „Dann wird das neue elektronische Stellwerk ab- und in Betrieb genommen“, erklärt Bahnsprecher Gisbert Gahler. „Die Alttechnik ist dann außer Betrieb, S-Bahn-Verkehr also nicht möglich. Zwischen Blankenburg und Bernau fahren für die S 2 dann Busse.“

„Busse, die im Stau steckenbleiben werden“, befürchtet Elke Kadgien. Nicht nur die große Zahl der Autos lasse den Verkehr immer wieder stocken, auch Baustellen bremsen ihn aus. Ursprünglich sollte die S-Bahn schon früher gesperrt werden. „Dann wäre das Fahrrad eine Alternative gewesen – aber doch nicht im November“, sagt Kadgien.

Bisher ist es so, dass Schienenersatzverkehr im Nordosten alle S-Bahnhöfe ansteuert, was Umwegfahrten erfordert. „Für die neue Sperrzeit fordern wir zusätzlich eine Schnellbuslinie“, so die Karowerin. Doch bisher sei unklar, wie der Verkehr organisiert wird: „Warum informiert die S-Bahn nicht früher?“ Weil die Abstimmungen mit Behörden und anderen Beteiligten dauerten, entgegnet Peter Buchner. „Erst müssen alle Details feststehen.“

Jetzt sei fast alles geklärt. Es gebe eine mehr als 21 Kilometer lange Buslinie, die alle zehn Minuten bedient wird. Fahrzeit Bernau – Blankenburg: bis zu 48 Minuten. Die S-Bahn braucht nur 17 Minuten.

334 Tage fährt kein Regionalzug

Auch wenn die Züge fahren, ist die S 2 eine Problemroute. „Sie ist neben dem Ring unsere anspruchsvollste Linie“, sagt der S-Bahn-Chef. Weil es lange eingleisige Abschnitte gibt, könnten Verspätungen rasch zu weiteren Verzögerungen führen.

Nicht nur das neue Stellwerk erfordert es, dass die S 2 unterbrochen werden muss. Der Neubau des Karower Kreuzes zwingt zu weiteren Sperrungen. So müssen die S-Bahn-Fahrgäste Anfang Februar 2017 zwischen Blankenburg und Karow wieder auf Busse umsteigen, geht aus Plänen von DB Netz hervor. Im Sommer 2017 folgt eine dreieinhalbwöchige Sperrung bis Karow und Mühlenbeck-Mönchmühle.

Die Arbeiten an dem Bahnknoten betreffen auch den Regional- und Fernverkehr. Geplant ist eine Totalsperrung – 334 Tage lang. Vom 10. Januar bis 9. Dezember werden Züge umgeleitet, oder sie fallen aus.