Berlin - Angekündigt war das „Vegangsta“ Restaurant von Attila Hildmann auf Facebook bereits im Mai 2015. Dann ist es Mai 2017 geworden, und der Laden in der Charlottenburger Schillerstraße heißt auch nicht mehr Vegangsta, sondern einfach nur „Attila Hildmann Vegan Food“. Ansonsten geht aber bei Attila Hildmann alles immer recht schnell: „Man hat mir den Laden vor ein paar Wochen angeboten, und da habe ich ganz spontan zugegriffen“, erzählt er.

Vorzeige-Veganer

Innerhalb von zwölf Tagen renovierte der Vorzeige-Veganer das ehemalige Restaurant Dilipasha, das vorher an dieser Stelle residierte. Die Innenausstattung ist grau in grau gehalten, das Mobiliar versprüht Ikea-Charme. Einzige Dekoration: ein gemaltes Porträt des Inhabers und daneben der Spruch: „Über die Welt von morgen entscheiden wir heute mit Messer und Gabel! Jedes Essen zählt: Für deine Gesundheit, für die Stimmlosen und für den Planeten.“

Rund 100 000 Euro investierte der 36-jährige Kochbuchautor, dessen Bücher seinen Angaben zufolge eine Auflage von 1,6 Millionen haben, in sein erstes Restaurant. Der Kiez nahe der Wilmersdorfer Straße gefalle ihm schon länger, sagt er.

Student der Physik

Attila Hildmann ist in Berlin geboren, hat türkische Wurzeln und wurde von deutschen Adoptiveltern aufgezogen. 2009 schrieb der 36-jährige sein erstes veganes Kochbuch. Inzwischen hat er mehrere davon veröffentlicht, unter anderem „Vegan For Fit“, „Vegan For Fun“ und „Vegan Italian Style“. Seine Bücher verkauften sich so erfolgreich (bis dato über 1,2 Millionen Exemplare), dass sie ihm in den vergangenen drei Jahren den Titel „Deutschlands erfolgreichster Kochbuchautor“ einbrachten.

Hildmann ist an der Freien Universität in Physik eingeschrieben und wollte dort eigentlich vor drei Jahren sein Diplom ablegen. Doch seine „vegane Karriere“ hat ihn so in Anspruch genommen, dass er den Abschluss verschoben hat.

Das gleiche gilt für sein Vorhaben, sein Geschäft auf die USA auszuweiten. Der riesige Markt dort mit unzähligen übergewichtigen Menschen locke ihn zwar, sagt er, aber „derzeit liegt sein Fokus auf Deutschland“, lässt er durch seine Managerin Xenia Sutugina verlauten.

Burger für 12 Euro

Selber scheint der Vegan-Star kaum Zeit für Interviews haben. „Ich habe nur wenige Stunden geschlafen heute Nacht“, sagt er entschuldigend, während er vor seinem Restaurant in der Sonne sitzt. So ein neues Geschäft macht wahnsinnig viel Arbeit.“

Auf der Karte, die fünf Wochen nach Eröffnung noch nicht vollständig ist, stehen Burger, Spaghetti, Ravioli und Softeis. Alles vegan, versteht sich. Demnächst kämen noch Salate und Sandwiches dazu, sagt er.

Ein großer Burger kostet stattliche 12 Euro, dafür besteht er aus Bio-Zutaten; das Brötchen ist nach einer Rezeptur von Hildmann aus Dinkelmehl gebacken. Den Thai-Burger etwa bereitet er aus einem Kichererbsen-Patty nach eigener Rezeptur zu, hinzu kommen Mungobohnen, eine Curry-Mango-Soße, karamellisierte Ananas sowie frischer Koriander und frisches Thai-Basilikum.

„Ich bin der Meinung, dass der Hamburger nicht nach Fleisch schmecken muss. Ich will nichts imitieren, sondern den Leuten einen eigenen Geschmack bieten“, erklärt Hildmann sein Konzept. In seiner Snackbar gibt es weder Alkohol noch Kaffee, stattdessen Bio-Limonaden sowie verschiedene Shakes und Smoothies – und natürlich Wasser.

"Vegan For Fit"

Furore machte Hildmanns Diät-Challenge „Vegan For Fit“, bei der er versprach, dass die Teilnehmer innerhalb von sieben Tagen vier Kilogramm abnehmen. Welchen Fehler die meisten Menschen beim Abnehmen machen?

Hildmann sagt nach kurzem Überlegen: „Sie hungern zu viel. Das führt zwar zu einer kurzfristigen Gewichtsabnahme, doch dann stellt sich der Jojo-Effekt ein, und die verlorenen Pfunde kommen wieder.“ Wer jedoch eine vegane Diät nach seinen Vorgaben befolge, der könne angeblich mit einem dauerhaften Gewichtsverlust rechnen und zudem noch lustvoll essen.

Im Moment schmeißt Hildmann die Snackbar mit einer Angestellten und mehreren Aushilfen. Der Gastronom ist auf Personalsuche, die sich in Berlin aber schwierig gestalte, wie er sagt. Bewerber müssten keine Kochausbildung haben, die hat der Chef schließlich auch nicht, aber sie sollen hinter dem Konzept der veganen Snackbar stehen, erklärt er.

Sein Laden hat 35 Plätze, die sich auf den Innenbereich und den Außenbereich verteilen. Für die Zukunft würde er sich gern weiter ausbreiten. Geplant seien Filialen der Snackbar im Franchise-System, sagt er, doch erst mittelfristig.

In Shows oft dabei

Unumstritten ist Hildmann selbst unter seinen veganen Fans nicht. Für viele tritt der Kochbuchautor zu arrogant auf. So postet Hildmann auf Facebook schon mal die Schlüsselanhänger seines Porsches zusammen mit einem Bündel Euro-Scheine, und auf einem Video ließ er eine Frau lasziv an einer Kugel seiner Matcha-Eiskrem lecken.

Seit zwei Jahren vertreibt er seine Produkte unter dem Label „Attila Hildmann Empire GmbH“ und erzielt dabei nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 500 000 Euro pro Monat.

Zur gesunden Ernährung sei er nach dem Tod seines Vaters gekommen, der vor 14 Jahren wegen eines zu hohen Cholesterinspiegels starb, wie er sagt. Er selbst will allein durch die Umstellung auf vegane Ernährung 35 Kilogramm an Gewicht verloren haben, was er in seinen Büchern mit Fotos belegt.

Hildmann ist inzwischen ein gern gesehener Talkshow-Gast im In- und Ausland. Und er macht auch bei anderen Shows mit. Im Fernsehen war er im vergangenen Jahr zum Beispiel in der RTL-Show „Let’s Dance“ dabei, wo er den 12. Platz belegte.

„Attila Hildmann Vegan Food“, Schillerstraße 71, geöffnet täglich außer Montag 12 bis 21 Uhr