Berlin - Einige Wochen noch, dann werden hundert C-Zeros innerhalb des S-Bahn-Rings auf den Straßen verteilt. Dann startet mit Citroën Multicity das erste Car-Sharing-Projekt in Deutschland, bei dem nur Elektroautos angeboten werden. „Ende August oder Anfang September soll es losgehen“, sagt Stephan Lützenkirchen von Citroën. Car Sharing heißt: Fahrzeuge werden gemeinschaftlich genutzt – so kann man fahren, ohne Eigentümer eines Wagens sein zu müssen. Hier ist Berlin bereits Spitzenreiter in Deutschland. Jetzt baut die Stadt ihren Vorsprung weiter aus.

„Die hundert C-Zero sind erst der Anfang“, kündigt Lützenkirchen an. „Nach und nach wird die Zahl entsprechend der Nachfrage erhöht – auf 500.“ Jeder Kunde muss sich zuvor registrieren, was derzeit noch nichts kostet – später dann 25 Euro. Für jeweils zehn Minuten Nutzung zahlen Vielfahrer 2 Euro, alle anderen 2,50 Euro. Der Tageshöchstpreis beträgt 39 Euro. 10 Euro Parkgebühren pro Tag sind inklusive. Auch ein reines Gewissen ist inbegriffen – verspricht jedenfalls Citroën. Der Strom für die C-Zeros stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, zu denen Wasser- und Sonnenkraft gehören. Kein Gramm Kohlendioxid fällt an.

Ergänzung zum Nahverkehr

Die erste elektrische Car-Sharing-Flotte ist Teil des Mobilitätsportals Citroën Multicity, das auch über Alternativen zum Auto informiert. Der Fahrspaß komme nicht zu kurz, so der Sprecher. „Das geräuschlose Fahren, das hat was. Flink sind die Viersitzer auch.“ In aufgeladenen Zustand beträgt die Reichweite bis zu 150 Kilometer. Citroën weiß, dass die Konkurrenz in Berlin groß ist. Hier wurde 1988 mit Stattauto die erste deutsche Car-Sharing-Firma gegründet, sie gehört heute Greenwheels. Flinkster von der Bahn, Cambio, Stadtmobil und Hertz on Demand kamen dazu. Seit 2011 ist auch Drive Now von BMW in Berlin mit Minis am Markt. In diesem April gesellte sich Car2Go von Daimler hinzu, mit 1 000 Smart fortwo. 2013 kommen 300 E-Smarts dazu, hieß es.

Bei Car-Sharing-Veteranen stoßen die beiden jüngsten Anbieter jedoch auf Misstrauen. Denn die Fahrzeughersteller wollen mit ihren Angeboten vor allem jungen Leuten das Auto als Verkehrsoption schmackhaft machen. Umfragen zeigen, dass in dieser Altersgruppe ein eigener Wagen oft nicht mehr als Statussymbol gilt – Absatzprobleme drohen.

Viele Kunden nutzen Car2Go als „ergänzende Mobilitätslösung“ in Kombination mit dem Nahverkehr, sagt Sprecher Andreas Leo. Andere lassen ihr eigenes Auto dafür stehen. Darum finden Mobilitätsforscher wie Andreas Knie von der TU Berlin Car Sharing gut: Wer jederzeit über ein Gemeinschaftsauto verfügen kann, braucht keinen eigenen Wagen mehr und nutzt Bahn, Bus oder das Fahrrad – so profitiert die Umwelt. Berlin sei ein gutes Experimentierfeld für solche Angebote, denn fast die Hälfte der Haushalte habe keinen eigenen Wagen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir uns auch hier etablieren“, so Citroën.