Gleich neben dem trubeligen Berliner Hauptbahnhof wirkt der Humboldthafen noch immer wie ein Niemandsland. Sein Grundriss gleicht einem auf dem Kopf stehenden Flaschenhals, ist eigentlich aber nur eine Ausbuchtung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals am Abzweig der Spree. Viele Uferwege sind mit Bauzäunen abgesperrt, Zutritt ist unerwünscht.

Nachdem dort kürzlich die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) ihre neue Berliner Zentrale mit der Adresse Humboldthafen Eins eingezogen sind, kommt – wenn auch nur langsam – Dynamik in die Entwicklung: „Wir würden am liebsten gleich morgen loslegen“, sagt etwa der Projektentwickler Ludger Inholte aus Hamburg der Berliner Zeitung. „Wir hoffen, dass wir im Januar mit dem Bau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern beginnen können.“

Dafür hat Inholte mit seinem Unternehmen LIP schon vor vier Jahren zwei Grundstücke am Nordufer gekauft. Doch das Land Berlin hat noch kein Baurecht geschaffen, Ende dieses Jahres soll es soweit sein. Die Leere gibt dem Geschäftsmann Alexander Freund noch die Möglichkeit, das Areal mit seinem Metaxa Bay Beach Club zu nutzen. Das sollte eigentlich nur vorübergehend sein, mittlerweile sind daraus schon fünf Jahre geworden. Tonnenweise wurde jede Saison Ostseesand neu aufgeschüttet, damit sich Touristen und Partygänger in Liegestühlen unter Palmen und Strohsonnenschirmen wie in der Südsee oder am Mittelmeer fühlen und entspannen können. In wenigen Tagen beginnt dort die nächste Oktoberfest-Saison.

Doch die Party-Zeit geht zu Ende. Denn Ludger Inholte will zusammen mit der ABG Allgemeine Bauträgergesellschaft aus München nun 280 Mietwohnungen errichten. Etwa 150 Millionen Euro sollen dabei zwischen dem Nordufer des Hafens und der Invalidenstraße investiert werden. Die künftigen Bewohner werden über das Wasser zum Hauptbahnhof blicken. Als Schallschutz werden an der Straße Büros gebaut. „Ich bin seit 25 Jahren mit Berlin verbunden. Ich mag die Stadt“, sagt Inholte. Es sei sein Wunsch, in einer Top-Lage direkt am Hafen zu bauen.

Die neuen Häuser hat das Hamburger Büro Hadi Teherani Architects entworfen und damit vor zwei Jahren einen Wettbewerb gewonnen. Die Erdgeschosse werden auf der Wasserseite mit Arkaden versehen. Diese Gestaltung erfolgt auf Wunsch des Senats, alle Gebäude rings um das Hafenbecken werden einmal diese Arkaden haben. So sieht es ein Masterplan aus den 90er-Jahren für den Humboldthafen vor – von dem bisher jedoch nur sehr wenig realisiert wurde. Wie Inholte sagt, sollen bei ihm unter den Arkaden Cafés und Restaurants einziehen. Auch eine 20 Meter breite Uferpromenade legt er an.

Andreas Geisel (SPD), der Senator für Stadtentwicklung in Berlin, ist mit der derzeitigen Entwicklung zufrieden. „Am ältesten Hafen Berlins ein neues Stadtviertel bauen zu können ist eine große Chance. Die einmalige Lage zwischen Charité, Hauptbahnhof, Regierungsviertel und der Europacity macht den Humboldthafen zu einem attraktiven Ort für Kunst, Kultur und Gewerbe“, sagt der Senator. Zudem werden insgesamt in der Europacity, die sich zwischen Hauptbahnhof und Perleberger Straße in Moabit erstreckt, außer Konzernzentralen und Hotels auch mehr als 2.000 Wohnungen errichtet. Hier entstehe ein völlig neuer Stadtteil und mit Cafés und Restaurants auch ein lebendiger, so Geisel.

Am Humboldthafen selbst sind weitere Bauvorhaben derzeit nicht absehbar. Für das dritte Grundstück an der Invalidenstraße, auf dem sich Ex-Senats-Chef Klaus Wowereit einmal eine Kunsthalle gewünscht hatte, ist weiterhin eine „öffentliche Nutzung“ aus dem Kultur- oder Gesundheitsbereich vorgesehen. Für weitere Grundstücke östlich und westlich des Hafens gibt es laut Senat Interessenten, die Konzepte werden geprüft. Allerdings kann in unmittelbarer Bahnhofsnähe derzeit ohnehin nicht gebaut werden, weil dort unterirdisch eine neue Trasse für die S-Bahn angelegt wird. Deren Fertigstellung ist jedoch erst für 2017 avisiert.

Dennoch hat der Senat Visionen für den Humboldthafen. Er soll nicht nur ein Schmuckbecken sein, sondern irgendwann auch wieder als Hafen dienen. Aber nicht für Lastkähne, sondern für Touristenschiffe. Am Friedrich-List-Ufer etwa soll ein Anlegestelle für Passagierschiffe entstehen, auf der östlichen Seite Anleger für Sportboote. Die Kaimauern wurden dafür in den vergangenen Jahren schon für 20 Millionen Euro erneuert.