Blick in die Zukunft: Geschäfte und Restaurants sollen rund um den Stadtplatz des neuen Wohnviertels entstehen.
Simulation: Groth Gruppe

Berlin LichterfeldeWährend sich manche Wohnungsunternehmen in diesen Tagen mit Hinweis auf den geplanten Mietendeckel von ihren Neubauplänen in Berlin verabschieden, soll eines der größten Projekte dessen ungeachtet verwirklicht werden: der Bau von rund 2500 Wohnungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Armee in Lichterfelde Süd durch die Groth Gruppe. „Der Mietendeckel berührt uns hier überhaupt nicht“, sagte Unternehmenschef Klaus Groth am Dienstag bei der Vorstellung der Pläne. Hintergrund: Neubauten sind vom Mietendeckel ausgenommen.

Dort, wo zu Mauerzeiten die US-Armee in einer Geisterstadt den Häuserkampf trainierte, soll zwischen Osdorfer Straße und Anhalter Bahn ein Stadtviertel mit 420 Reihenhäusern, rund 1540 Miet- und Eigentumswohnungen sowie 540 Sozialwohnungen entstehen. Sein Name: Neulichterfelde. Anfang 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis 2025/26 abgeschlossen werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 900 Millionen Euro.

Groth sagte, derzeit kalkuliere sein Unternehmen für die frei finanzierten Wohnungen mit Mietpreisen von etwa 10 bis 12 Euro je Quadratmeter. Die Kaufpreise für die Reihenhäuser würden in Anbetracht der starken Nachfrage sicher eine halbe Million Euro überschreiten. Die Sozialwohnungen, die derzeit im Schnitt für 6,50 Euro je Quadratmeter vermietet werden, sollen von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichtet werden.

Wenige Sozialwohnungen

Zwar müssen private Bauherrn aktuell bei Projekten, für die ein Bebauungsplan erstellt werden muss, wie in Lichterfelde-Süd, einen Anteil von 30 Prozent der Wohnfläche für Sozialwohnungen ausweisen. In Neulichterfelde liegt der Anteil, bezogen auf die Mehrfamilienhäuser, die als Maßstab gelten, aber nur bei 25 Prozent der Wohnungen. Der Grund: Das Projekt wird noch nach den alten Bedingungen des sogenannten kooperativen Baulandmodells errichtet. Diese sahen einen geringeren Anteil mietpreisgebundener Wohnungen vor.

Das Quartier Neulichterfelde, das mit 97 Hektar Fläche größer sein soll als 100 Fußballplätze, entsteht am südlichen Stadtrand Berlins. Herzstück des Quartiers soll ein Stadtplatz in der Nähe des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd werden. Dort sind neben Wohnungen und Büros ein Supermarkt und Geschäfte des täglichen Bedarfs geplant. Auf rund 36 Hektar sollen neben Spielplätzen und Grünflächen überwiegend fünf- bis sechsgeschossige Wohnhäuser entstehen.

Blick zurück: Die US-Armee trainierte auf dem Areal die Verteidigung West-Berlins.
Foto: Berliner Zeitung/ Ulrich Paul

Der weitaus größte Teil der Fläche entfällt mit etwa 61 Hektar auf die vorhandene Weidelandschaft, die erhalten bleibt. Wenn es nach den Anwohnern gegangen wäre, hätten allerdings deutlich weniger Flächen bebaut werden dürfen. Ein Aktionsbündnis hatte sich dafür ausgesprochen, nur 16 Hektar zu bebauen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der sich künftig um die Weidelandschaft kümmern soll, äußert sich trotzdem äußerst wohlwollend. Obwohl jede Bebauung einen Eingriff in die Natur darstelle, könne der BUND mit der hier gefundenen Lösung zum Erhalt großer Flächen für die Natur „gut leben“, so Vorstandsmitglied Andreas Faensen-Thiebes. Es werde auf dem Areal auch in Zukunft einen Artenreichtum zum Beispiel an Schmetterlingen, Wildbienen und seltenen Pflanzen geben, wie er in Berlin „kaum ein zweites Mal“ vorkomme.

Überhaupt soll das neue Stadtviertel ganz innovativ und ökologisch werden. Mit der Toyota Kreditbank präsentierte die Groth Gruppe dabei am Dienstag das Geldinstitut eines der größten Automobilherstellers als Partner für ein „innovatives Mobilitätskonzept“. Seine Aufgabe ist es, den konventionellen Autoverkehr in Neulichterfelde zu reduzieren und die Bewohner zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr sowie auf Elektroautos und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zu bewegen. Strom und Wärme sollen vom Öko-Energieversorger Naturstrom geliefert werden.

Auch die Geschichte des Ortes spielt eine Rolle. Zwei Baracken, in denen im Zweiten Weltkrieg überwiegend französische Kriegsgefangene untergebracht waren, bleiben erhalten. Eine Baracke soll als Ausstellungsfläche hergerichtet, die zweite in Abstimmung mit der Denkmalbehörde als Jugendfreizeiteinrichtung genutzt werden.