Berlin - Es sitzt sich gemütlich auf dem Gendarmenmarkt, obwohl es noch etwas kalt ist. Man kann immer mal Filmleute beobachten, wie sie eine Szene drehen oder ein Casting veranstalten. Man sieht die Touristenschwärme, die ihre Fotoapparate zücken und am Schillerdenkmal oder auf der großen Freitreppe des Schauspielhauses posieren. Alles ganz hübsch – außer der Bodenbelag des Platzes selbst. Dort sind Granitplatten kaputt, unzählige Pflastersteine fehlen. Die Löcher wurden einfach mit Asphalt zugekippt. Und das auf einem Platz, der zu den schönsten in Europa zählen will.

Wie Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) jetzt ankündigt, wird der Bezirk in diesem Jahr damit beginnen, den Gendarmenmarkt zu erneuern. Nach dem Streit um die Ahornbäume am Französischen Dom vor zwei Jahren sollen die Stolperstellen endlich verschwinden und unterirdische Leitungen für die Schankgärten sowie für Veranstaltungen verlegt werden. Der Start für die Arbeiten soll voraussichtlich nach dem Konzert Classic Open Air im August erfolgen.

Neugestaltet werden zunächst die Flächen vor dem Schauspielhaus und am Deutschen Dom. Sie werden so befestigt, dass der Platz künftig von Schwerlastfahrzeugen befahren werden kann. Das ist für das Open-Air-Konzert sowie den Weihnachtsmarkt erforderlich. Für diese Veranstaltungen werden unterirdische Leitungen verlegt, Kabeltrassen auf dem Platz sind dann überflüssig. „Außerdem erhält jeder Schankgarten der ansässigen Gastronomen Anschlüsse für Strom und Wasser“, sagt Christoph Katerbau vom Bauamt Mitte.

Die Struktur des Platzes wird aber nicht verändert, auch das Pflaster und die Bodenmosaike werden so wie jetzt verlegt. „Oberflächlich wird kein Unterschied zu sehen sein. Wir behalten die Gestaltung bei“, sagt Katerbau. Einige Details werden noch mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. Zum Beispiel, wie Gestaltungselemente, etwa die Betonsäulen, zwischen denen dicke Ketten gespannt sind, erhalten werden.

„Die neue Planung kann man jetzt mittragen“, sagt Frank Keidel vom Verein Freunde und Förderer des Gendarmenmarkt. Es sei ein Fortschritt, dass der Platz auch mit den kleinen, länglichen Pflastersteinen und den Lampen erhalten werde. Allerdings gebe es mit Senat und Bezirk Differenzen zum nördlichen Bereich am Französischen Dom. Wie Keidel sagt, verfolgen die Planer immer noch die Idee, Ahornbäume zu fällen, damit der Platz von der Französischen Straße aus barrierefrei zugänglich wird. Christoph Katerbau dagegen sagt, dass die Planungen erst im kommenden Jahr erarbeitet werden, Baubeginn sei dort erst 2014.

Der Streit um die Ahornbäume hatte schon 2010 dazu geführt, dass der Senat seine Umbaupläne für den Gendarmenmarkt stoppen musste. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hatte damals zwar ihr Konzept mit den meisten Geschäftsleuten abgestimmt. Allerdings wollte sie die 115 niedrig gewachsenen Ahornbäume ihren Gestaltungsplänen opfern und fällen lassen.

Geregelte Schankzeiten

Umweltverbände protestierten erfolgreich dagegen, der Förderverein sammelte 23.000 Unterschriften für den Erhalt aller Bäume. Erwartungsgemäß entschieden sich dann Anfang 2011 in einem Bürgerforum gut zwei Drittel der Teilnehmer pro Ahorn und gegen die Senatsplanung. Eine derartige Abstimmung ist bislang in Berlin einmalig. Dass immer noch Bäume gefällt werden sollen, kritisiert der Förderverein. „Das entspricht nicht dem Bürgervotum“, sagt Keidel.

Für den Gendarmenmarkt wird es künftig auch eine Gestaltungsordnung geben, die der Bezirk jetzt mit den Betreibern der Straßencafés erarbeitet. Nach Vorstellungen von Baustadtrat Spallek soll sich die Gastronomie einheitlich auf dem Platz präsentieren – demnach sollen Stühle und Tische ähnlich gestaltet sein und farblich zu den historischen Gebäuden passen, ebenso die Schirme. Auch die Schankzeiten werden geregelt: Von April bis Oktober sollen die Schankgärten erlaubt sein, in den anderen Monaten herrscht eine Art „Winterruhe“, einzige Ausnahme ist der Weihnachtsmarkt im Dezember. Ob die Gestaltungsordnung noch in diesem Jahr eingeführt wird, ist offen. Spallek hat den Betreibern aber schon deutlich gemacht, dass die Regelung künftig Teil der Sondergenehmigung ist und sich die Gastronomen daran halten müssen – Verstöße werden bestraft.