Berlin - An der Marienkirche in Mitte sind die Bäume gefällt und die Sträucher gerodet. Kahl sieht es auf den Flächen jetzt aus, schön bepflanzt waren sie nie. Und während in Berlin wieder einmal darüber diskutiert wird, ob das Rathausforum zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem künftigen Humboldt-Forum bebaut werden soll oder die großzügigen Grün- und Freiflächen erhalten bleiben, schaffen die Kirchengemeinde und der Bezirk neue Tatsachen: Die Marienkirche erhält jetzt einen eigenen Kirchhof.

„Wir wollen die Kirche besser sichtbar machen und wieder freistellen“, sagt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Zugleich werden die Flächen übersichtlicher gestaltet, um sogenannte Angsträume zu beseitigen. Vorgesehen ist, rings um die Kirche einen rechteckigen Kirchhof anzulegen, um dem gotischen Bauwerk mehr Raum und eine Art neuen Rahmen zu geben. Der Hof wird von einer flachen Mauer umgeben, die den Besuchern als Sitzbank dienen soll. Das Konzept hat vor zwei Jahren das Landschaftsplanungsbüro Levin Monsigny entwickelt, das bereits das Areal am Fernsehturm umgestaltet hatte. Nun geht es an der Marienkirche weiter, 7,2 Millionen Euro stehen zur Verfügung.

Tiefe Lage

Obwohl über die Entwicklung des Rathausforums noch nicht entschieden ist, greift der Kirchhof erheblich in die Gestaltung des Ende der 1960er-Jahre angelegten Areals rings um Fernsehturm und Neptunbrunnen ein. Damals war die Kirche von den sozialistischen Planern eher an den Rand gestellt und das Gelände um eineinhalb Meter aufgeschüttet worden. Nur an der Kirche wurde das historische Niveau beibehalten, so dass der Bau jetzt tiefer steht. Dieser Missstand soll nun etwas eleganter gelöst werden, Stufen und Rampen werden den Höhenunterschied ausgleichen.

„Die Neugestaltung haben wir erbeten, weil wir große Probleme mit Vandalismus haben“, sagt Roland Stolte, der theologische Referent der Kirchengemeinde. Immer wieder hatte sich die Gemeinde darüber beschwert, dass das Umfeld zu einer Fäkaliengrube verkommen würde und der „Urin unter den Portaltüren in die Kirche läuft“. Denn das Areal war lange Zeit ein beliebter Treffpunkt von Hunderten Jugendlichen – die Massenpartys gibt es zwar nicht mehr, aber auch die vielen Touristen missbrauchen das Areal als Pissoir.

Beginnen wird die Neugestaltung mit Arbeiten von Wasserbetrieben und Vattenfall. Ab Mai wird eine alte Pumpenstation abgerissen, zugleich sollen archäologische Grabungen beginnen. „3,50 Meter wird in die Tiefe gegraben. Wir hoffen, dass Reste des mittelalterlichen Berlins gefunden werden“, sagt Stolte.

Denn die historische Bebauung reichte eng an die Kirche heran. Zum Konzept für den Kirchhof gehört es daher auch, dass die Grundrisse der alten Häuser von 1879 im Boden mit Steinbändern markiert werden. „Zur Geschichte der Häuser wird es Erläuterungen geben.“ Bis 2016 soll der Bau des Kirchhofs dauern, dabei wird das Luther-Denkmal aus seinem Schattendasein geholt und besser sichtbar am historischen Standort nahe der Karl-Liebknecht-Straße aufgestellt.

Um die Debatte zur Neugestaltung des Rathausforums, die 25 Jahre lang nicht ernsthaft geführt wurde, jetzt anzustoßen, hat Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im März einen zeitlichen Rahmen vorgegeben: In den nächsten zwölf Monaten soll in der Stadt eine breite öffentliche Diskussion geführt werden. Diese werde Grundlage sein, um 2015 einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben.

Angesichts der Verwahrlosung, die Anwohner in der Rathausstraße beobachten und kritisieren, bezweifelt niemand, dass eine Neugestaltung erforderlich ist. „Der Platz ist seelenlos“, sagt Christina Aue, die Chefin des Fernsehturms. Vor allem die Aufenthaltsqualität müsse verbessert werden. Lars Ernst, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), erinnert daran, dass in dem Gebiet etwa 3 000 Menschen leben. Man dürfe jetzt nicht eine Diskussion führen, ob das Rathausforum bebaut oder nicht bebaut werden soll, sondern „was eine Stadtmitte attraktiv macht, wie viel Wohnen und Gewerbe die Mitte benötigt und wie viel Historie und welche Historie“.