Wo die Kameras sind, verrät Lauritz Kurth nicht. Auch nicht, wie viele es sind, mit denen das RAW-Areal in Friedrichshain seit kurzem überwacht wird. Jener Party-Hotspot an der Revaler Straße, der auch als Kriminalitätsschwerpunkt bekannt ist. Allein 2015 war die Polizei 410 Mal vor Ort, 1600 Strafanzeigen wurden gestellt, die meisten gegen Drogendealer. Mit Hilfe der Videoüberwachung, einer helleren Beleuchtung und einer neuen Security-Firma sollen Dealer und andere Straftäter vom Gelände ferngehalten werden, sagt Lauritz Kurth, der Juniorchef der Kurth-Gruppe, der seit einem Jahr ein Großteil des RAW-Areals gehört.

Nicht nur solche Sicherheitsvorkehrungen werden das Gelände verändern, auch neuer Nutzer werden ein neues Publikum dorthin ziehen. Wobei: Die Clubs, so sagte Kurth am Mittwochabend vor Bezirkspolitikern, sollen bleiben. Ebenso die soziokulturellen Projekte, zum Beispiel Kinderzirkus, Künstlerwerkstätten oder Theater. 29 und damit knapp die Hälfte der Projekte, die in vier historischen Gebäuden entlang der Revaler Straße arbeiten, haben jetzt Mietverträge erhalten. Für fünf Jahre plus einer Verlängerungsoption, wie Lauritz Kurth sagt. Mit anderen wie der Skaterhalle sei man weiter in Verhandlungen. Der Erhalt der Soziokultur war eine Forderung des Bezirks.

Auch die künftige Nutzung soll der Kriminalität entgegenwirken und ein Stück Normalität aufs Gelände holen, wie Kurth sagt: „Wir wollen nicht nur den Nachtbetrieb durch die Clubs, sondern eine verstärkte Tagesnutzung, was auch ein anderes Publikum bringt.“ Als Ideen dafür bringt er eine Markthalle und eine Kita ins Gespräch. Bäume sollen gepflanzt und Bänke aufgestellt werden. Entlang der Revaler Straße sind Neubauten für Büros und Arztpraxen geplant. Und: „Wir wollen die Halle 20, die ehemalige Radsatzdreherei, sanieren“, sagt Kurth. In die imposante, aber marode Werkshalle im Süden des Kurth-Geländes sollen eine Musikakademie mit Probenräumen und Studios sowie ein weiterer Bildungsträger einziehen. Die Nachbarn wie der Club Cassiopeia und die Skaterhalle würden dadurch nicht beeinträchtigt, so Kurth. Für die weitere Entwicklung des Geländes sollen jetzt Varianten entwickelt und diskutiert werden, etwa zu Gebäudehöhen, zur Gestaltung von Geländeeingängen oder zum Neubau auf Brachen.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg möchte eigentlich ein Konzept für das Gesamtgelände erarbeiten. Doch dies ist schwierig, wie Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sagt: „Wir haben auf dem Areal mehrere Eigentümer, die alle separat planen.“ Deshalb wolle man zunächst wenigstens eine Art Zonierung vornehmen, also klären, wo laute Vergnügungsstätten wie Clubs sein sollen und wo Büro- oder Kulturnutzung stattfinden kann.

Ganz neue Heimat im Osten

Eine Wohnbebauung, wie sie die International Campus AG plant, der das östliche RAW-Gelände gehört, lehnt der Bezirk ab. Begründung: Wohnen und Club- sowie Kulturnutzung vertragen sich nicht, Lärmklagen von Bewohnern seien programmiert. Ob sich Eigentümer und Bezirk auf einen Kompromiss einigen und wie lange das dauern wird, ist derzeit ungewiss. Bis dahin soll das Areal, auf dem einst die Neue Heimat zu ihren beliebten Street-Food-Märkten einlud, wiederbelebt werden. Die Roof GmbH, die auch den noblen Club 40seconds in Tiergarten betreibt und für die Gastronomie im International Club Berlin zuständig ist, hat über die eigens gegründete BC Berlin Convention GmbH einen Mietvertrag unterschrieben.

An den Wochenenden sollen wieder Food-Märkte stattfinden, darüber hinaus Firmenevents, Tagungen und Messen, wie Geschäftsführer Thorsten Schermall mitteilt. Das Klientel, das ein eher exklusives Umfeld gewöhnt ist, wünsche auch außergewöhnliche Locations, die „rough“ und „trashig“ seien.

„Die Schickeria hält Einzug bei uns“, meint dazu Anwohner Norman K. Bald sei das RAW-Gelände ein x-beliebiges Ausgehviertel.