Berlin - Es hat tatsächlich ein klein wenig wehgetan. Es war kein echter Schmerz, aber immerhin habe ich von der Impfung mehr gemerkt als die meisten anderen, die gern erzählen, dass sie nicht mal den Einstich gespürt haben.

Doch das ist es gar nicht, was von der Impfung des Jahres in Erinnerung bleiben wird, sondern eine Sache, von der der Arzt erzählt hat. Erst erklärte er ganz korrekt die Wirkungen und Nebenwirkungen der Impfung, die bekannt sind, dann freute er sich, dass ich meinen Impfpass dabei hatte. Eigentlich bin ich in Sachen Ordnung ein echtes Flusenhirn – wie der Zustand der allgemeinen Vergesslichkeit in Norddeutschland so schön genannt wird.

Ich lasse mich zwar auch sonst ordentlich impfen, bin aber sehr unordentlich, wenn es um den Pass geht. Immer wenn ich auf Plakaten den Spruch lese „Deutschland sucht den Impfpass“, denke ich: Deutschland, komm doch zu mir! Bei mir liegen irgendwo so viele dieser Pässe rum, dass du bestimmt schnell fündig wirst.

Der Arzt erzählte dann, dass er derzeit nicht allzu gern neue Impfpässe ausstellt, weil die nun in bestimmten Kreise eine heiß begehrte illegale Handelsware sind. Deshalb muss nun immer auf der Vorderseite sofort der korrekte Name eingetragen werden. Wenn die Gerüchte stimmen, zahlen manche Leute bis zu 1000 Euro für einen Blanko-Pass mit zwei Corona-Impfungen.

Da hatte ich noch nie drüber nachgedacht. Seit Monaten wird erzählt, dass es reichlich Impfdrängler gibt, also Leute, die einen Drall ins Egoistische haben und gern bei der gesetzlich vorgeschriebenen Impfreihenfolge vordrängeln wollen – bei der es vor allem um das Alter und die Vorerkrankungen geht. Es wird gemunkelt, dass solche Leute auch mal ein paar Hundert Euro springen lassen, wenn sie irgendwo früher geimpft werden.

Aber dass es auch Leute gibt, die reichlich Geld dafür bezahlen, damit sie sich nicht impfen lassen müssen, ist schon ungewöhnlich.

Im Darknet – der undurchsichtigen Internetwelt, in der anscheinend mit wirklich allem gehandelt wird – sind natürlich auch Impfstoffe gegen Corona im Angebot. Eine Portion kostet dort 250 bis 1500 Dollar. Doch wenn die Kunden dort zahlen, wissen sie nicht, ob sie sich bei dem Deal mit Kriminellen einlassen und ob diese ihnen dann tatsächlich echten Impfstoff zusenden oder aber eine bunte Ampulle mit Wasser oder mit Gift – oder aber gar nichts.

Wasser oder Gift bekommen die Impfpass-Betrüger nicht, sondern ein kleines falsches gelbes Heftchen. Das ist auch nicht nichts, hilft aber kaum gegen einen schweren Verlauf bei Corona. Offenbar wird die Welt immer verrückter. Hoffentlich ist das bald vorbei.