Berlin - Alle, die gedacht – und manchmal vielleicht auch gehofft – haben, Heinz Buschkowsky wäre zumindest als Bürgermeister von Neukölln bald Geschichte, haben sich getäuscht. Der SPD-Politiker, der im Juli 65 Jahre alt wird und damit die Pensionsgrenze für Beamte erreicht, will auch danach weiter machen. Die Zustimmung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) dazu, bis Ende der Legislaturperiode im Jahr 2016 im Amt zu bleiben, gilt als sicher.

Am Dienstag bestätigte Buschkowsky der Berliner Zeitung seinen Entschluss. „Jeder Mensch prüft sich beim Erreichen der Altersgrenze, ob er seine beruflichen Aufgaben weiterhin erfüllen kann, um der Gemeinschaft zu dienen“, antwortete er schriftlich. Zuvor war vermutet worden, dass er im Juli aufhören würde – nach 24 Jahren im Bezirksamt, darunter zuletzt 12 Jahren als Bürgermeister. Auch eine Nachfolgerin in der SPD schien gefunden: Franziska Giffey, 34 Jahre alte Schulstadträtin.

Aus dem Wechsel wird nun so schnell wohl nichts. Als Grund führte Buschkowsky die gute Zusammenarbeit mit der aktuellen Fraktionsspitze seiner Partei im Abgeordnetenhaus an. „Es macht unter der neuen Führung von Raed Saleh und mit den von ihm gesetzten lebensrealen Prioritäten in Berlin wieder Spaß Bezirkspolitik zu machen“, schrieb er.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

Saleh gibt die Komplimente zurück. Er freue sich über die Entscheidung. „Heinz Buschkowsky hat einen scharfen Blick für die drängenden Themen“, sagte er der Berliner Zeitung. „Deswegen wird er auch über die Grenzen Neuköllns hinaus sehr geschätzt.“

Ghostwriter-Debatte geht weiter

Mit Saleh, einem der neuen starken Männer der Berliner Sozialdemokratie, war Buschkowsky Ende vorigen Jahres in Rotterdam, wo sie sich vom dortigen durchaus robusten Umgang mit Migranten inspirieren ließen. Seit Jahren führt der Neuköllner die niederländische Stadt als Beispiel für Integrationspolitik an, wo den Zuwanderern viel Anpassungsbereitschaft abverlangt werde.

Die Einbindung von Zuwanderern ist auch das Thema von Buschkowskys umstrittenen Buch „Neukölln ist überall“, das vorigen Herbst erschien. Auf 400 Seiten beschreibt der Bürgermeister die Schwierigkeiten des Zusammenlebens in dem Brennpunktbezirk.

Anders als vorige Woche geschrieben, war Buschkowsky mit dem Buch nicht auf Lese-Tour durch Schulen. Dennoch gab es zuletzt nicht nur Freude über rund 170.000 verkaufte Exemplare. Kritiker wollen den Autor zwingen zu sagen, wer aus seiner Verwaltung ihm bei dem Buch geholfen hat. Vor zwei Wochen hatte das Berliner Verwaltungsgericht festgestellt, dass das Bezirksamt Auskunft über mitwirkende Bedienstete geben müsse. Dagegen wurde Beschwerde eingelegt.

Vorigen Mittwoch in der BVV-Sitzung erregte sich Buschkowsky über eine vermeintliche Kampagne gegen ihn. Am Ende zeigte er sich aber fast schon entspannt: „In regelmäßigen Abständen wird eine Sau durchs Dorf getrieben, diesmal bin ich eben dran.“