Neukölln: Ein Platz für Familien

Der 20er-Jahre-Bau in der Teupitzer Straße 35 in Neukölln steht unter Denkmalschutz. Es war eines der ersten Wohnungslosenheime in Berlin, mit Schlafplätzen für bis zu 500 Männer. Der Stadtführer Harald Steinhausen hat zu dem Haus viel recherchiert und alte Akten gewälzt. Eigentlich sollte es das erste von drei modernen Heimen sein, die noch zu Zeiten der Weimarer Republik geplant waren. Steinhausen erinnert an den Anfang der 30er-Jahre entstandenen Film „Kuhle Wampe“, der die Not in dieser Zeit darstellt. Das Drehbuch hatte Bertolt Brecht geschrieben. Das neue Konzept zum Bau weiterer Obdachlosenunterkünfte wurde unter den Nazis nicht mehr umgesetzt. Aber „Die Teupe“ ist auch heute noch ein Erstaufnahmeheim für Wohnungslose und die einzige Einrichtung in Berlin, die einen separaten Bereich für Familien mit Kindern hat.

Das Heim nimmt rund um die Uhr auf

„Es gibt eine zentrale Aufnahme rund um die Uhr“, sagt Marcel Deck, der „die Teupe“ seit neun Jahren für die Gebewo leitet. „Das ist ähnlich wie in einem Hotel: Die Leute bekommen einen Schlüssel und können auch ihre Post zu uns schicken lassen.“ Teils werden Menschen in Not von anderen Einrichtungen dorthin vermittelt, teils kommen sie von allein. Vier Sozialarbeiter kümmern sich in dem Heim für Einzelpersonen mit rund 150 Plätzen um die Betroffenen, drei sind es in dem Haus für Familien mit rund 90 Plätzen.

Ziel ist es, die Gestrandeten nach Beratung und Klärung ihrer Situation weiterzuvermitteln – möglichst in Wohnungen, wenn nötig in betreute Heime. Die „Verweildauer“ betrage etwa neun Monate, sagt Marcel Deck. Aber es werde immer schwieriger, Wohnungen zu beschaffen. Der Frauenanteil unter den Bewohnern sei in den vergangenen Jahren auf etwa 20 Prozent gestiegen. Nach Schätzungen gibt es 12 000 Wohnungslose in Berlin.

Die Kinder leiden sehr unter den Umständen

Erst 2011 wurde der Wohnbereich für Familien eröffnet – weil der Bedarf ständig stieg. Während in dem anderen Trakt der Konsum von Alkohol auf den Zimmern geduldet wird, ist er dort strikt verboten und kann zur Kündigung führen. Derzeit leben Familien mit 40 Kindern in der „Teupe“. Sie wurden nach dem Verlust des Arbeitsplatzes, nach Mieterhöhungen oder Trennungen obdachlos. Die Kinder besuchen Schulen in der Umgebung. Sie litten am wenigsten unter der Situation, sagt eine Sozialarbeiterin. „Ihnen geht es gut, wenn es den Eltern gut geht.“