Berlin - Der Stuhl an meinem Tisch bleibt leider leer, aber Essen kann ja versöhnlich stimmen. Ich habe das oft schon bei mir erlebt. Erst kürzlich habe ich komplett vergessen, worüber ich mich gerade geärgert habe – dank der besten Caponata der Stadt, die ich im Al Contadino Sotto Le Stelle aß.

Diesmal könnte es schwieriger werden, weshalb ich mich gleich für die Variation vom kanadischen Hummer als Vorspeise entschieden habe. Es ist ein Notfall.

Denn eigentlich hatte ich mich auf ein sehr unterhaltsames Abendessen gefreut. Schließlich war ich mit Big Buschkowsky verabredet. Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln, Vox Populi im Zweireiher, der Pate des Bezirks. Zu allem eine Meinung: Kopftuch, Burka, Rütli, Hartz IV und, man glaubt es kaum, auch zum Thema Spitzenküche.

Das versprach interessant zu werden. Buschkowsky selbst hatte mir den Buchholz Gutshof Britz vorgeschlagen, weil er unendlich stolz darauf ist. Neukölln hat nämlich nicht nur ein richtiges Schloss, sondern seit einigen Monaten auch ein Gourmetrestaurant auf dem renovierten Schlossgelände. Glaubt man Buschkowsky, hat er den ehemaligen Sternekoch Matthias Buchholz höchstpersönlich dorthin gelockt.

Es hätte also ein Werbeblock für Neukölln werden können, einer, in dem ein umtriebiger Schlossherr und sein Sternekoch vorkommen. Doch Klartext-Buschkowsky, der laut seiner regelmäßigen Kolumne in einer Zeitung angeblich „sagt, was er denkt und das ziemlich deutlich“, hat seine Zusage zurückgezogen. Er möchte jedes Wort dieses Textes bestimmen, auch das, was ich denke. Mein Vorschlag, er können sehr gerne seine Zitate gegenlesen und im Zweifel korrigieren, sei „leider mit seinen Erwartungen nicht kompatibel“, schrieb seine Sekretärin. Deshalb sitze ich nun alleine im Buchholz Gutshof Britz.