Kleine Balkone zieren die Fassade des jetzt fertiggestellten Bauprojekts der Stadt und Land an der Briesestraße in Neukölln.
Foto: Stadt und Land

Berlin-NeuköllnVon außen sieht das Neubau-Ensemble mit seinen kleinen Balkonen und der gewellten Fassade wenig spektakulär aus. Im Inneren aber zeigt es seine besondere Qualität. Ein großer Hof liegt in der Mitte der vier Baukörper zwischen Briese- und Kienitzer Straße in Neukölln. Breite Laubengänge, die viel Platz für Begegnungen bieten, führen zu den Wohnungen. Das Leben in der Gemeinschaft steht im Mittelpunkt des jetzt fertiggestellten Bauprojekts der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land.

Dort, wo früher ein Parkhaus stand, sind nach Plänen des Architekturbüros EM2N insgesamt 101 Wohnungen errichtet worden – darunter 77 Ein- bis Vierzimmerwohnungen, 17 Atelierwohnungen sowie sieben Wohnungen mit zusätzlichen Gemeinschaftsflächen für Wohngemeinschaften. 30 Unterkünfte werden als Sozialwohnungen für 6,50 Euro je Quadratmeter kalt vermietet. Die übrigen frei finanzierten Wohnungen kosten im Schnitt unter zehn Euro je Quadratmeter – so wie es bei den sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen üblich ist.

Atelierwohnungen verbinden Arbeit und Zuhause

„Kaum dass im Februar 2017 das alte Parkhaus abgerissen wurde, fragten die ersten Interessierten an“, berichtet Bernhard Schütze von der Stadt und Land. Kurz vor dem Vermietungsstart seien die Posteingänge mit Anfragen interessierter Mieter förmlich explodiert. Mit der Fertigstellung sind die Wohnungen „quasi vollvermietet“, sagt Unternehmenssprecherin Anja Libramm. Die ersten Mieter ziehen in diesen Tagen ein. „Wir gehen davon aus, dass alle Wohnungen spätestens bis Juni bezogen sind“, sagt Libramm.

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Die 17 Atelierwohnungen sind zwischen 47 und 100 Quadratmetern groß. Hier können die Mieter Wohnen und Arbeiten miteinander kombinieren. Gefragt sind die Atelierwohnungen vor allem bei Künstlern der Richtung Malerei und Bildende Kunst. Die sieben Gemeinschaftswohnungen sind jeweils rund 300 Quadratmeter groß.

Sie bieten den einzelnen Nutzern kleine Wohneinheiten mit ein und zwei Zimmern, die jeweils ein eigenes Bad sowie eine Kochnische haben und als individueller Rückzugsort dienen. Zugleich verfügen die Wohnungen über Räume, die zum gemeinschaftlichen Treffen genutzt werden können. Acht bis zehn Personen können in einer Gemeinschaftswohnung leben.

Das Vorhaben

Der Bauherr: Die Stadt und Land, Sitz in Neukölln, ist eine von insgesamt sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen in Berlin. Sie besitzt rund 48.000 Wohnungen, in denen mehr als 100.000 Menschen leben.

Das Projekt: Zwischen der Briesestraße und der Kienitzer Straße in Neukölln sind am Standort eines ehemaligen Parkhauses 101 Wohnungen entstanden, in denen das gemeinschaftliche Leben im Mittelpunkt steht.

Der Wettbewerb: Hervorgegangen ist das Projekt aus dem im Jahr 2015 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten Wettbewerb „Urban Living – Neue Formen des städtischen Wohnens“.

Die Miete für diese Wohnungen liegt laut Stadt und Land zwischen 3000 und 3500 Euro warm pro Monat. Bei einer Belegung mit zehn Personen zahlt jeder also 300 bis 350 Euro. 

Die Bewohner der Gemeinschaftswohnungen haben entweder schon vorher zusammengelebt oder sie probieren die Wohnform nun für sich aus, sagt Anja Libramm. Neben Freunden mit Kindern, die zusammenziehen, um gemeinsam zu leben und sich zu unterstützen, gebe es auch eine Studenten-WG.

Alle Bewohner seien Hauptvertragspartner, das biete den Zusammenwohnenden Sicherheit und sie können sich auf Augenhöhe begegnen. Der Auswahlprozess sei bei den Gemeinschaftswohnungen nicht anders als bei anderen Mietern. Nur: „Aufgrund des besonderen Konzepts war uns wichtig, dass die zukünftigen Mieter den Gemeinschaftsgedanken des Konzepts mittragen und insgesamt eine gute Mischung entsteht“, so Anja Libramm.

Immer mehr Formen gemeinschaftlichen Wohnens

Projekte mit Formen des gemeinschaftlichen Wohnens gibt es mehr und mehr. Cluster-Wohnungen werden diese genannt. Zentrales Motiv für den Einzug in eine Cluster-Wohnung ist die Verbindung von ausreichender Privatsphäre mit den Vorteilen, die die Gemeinschaft bietet. Das geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hervor.  

Die Bewohner von Cluster-Wohnungen schätzen zudem, dass diese Wohnform insgesamt mehr Wohnraum bietet, als man sich alleine leisten könnte. Die Untersuchung zeigt, dass die Zufriedenheit in Cluster-Wohnungen hoch ist. Die Bewohner beschreiben „Gemeinschaft“ als eine besondere Lebensqualität, die sie vermissen würden, wenn sie wieder in eine konventionelle Wohnung zögen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass die Miete für die WG-Wohnungen bei 3000 Euro liegt. Sie liegt aber zwischen 3000 und 3500 Euro. Wir haben das in der jetzigen Version deutlich gemacht.