Berlin - Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien standen auch letztmals Wachschützer vor 15 Neuköllner Schulstandorten. Ihre Verträge sind längst gekündigt worden. Da im Bezirkshaushalt mehrere Millionen Euro fehlten, muss Neukölln sich nun die 700.000 Euro jährlich für die Wachschützer sparen.

Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) bezeichnete am Donnerstag zwar die aktuelle, 50 Millionen Euro schwere Nachüberweisung des Senats an die Bezirke als „Hoffnungsschimmer“ für die Wachschützer. Doch dass tatsächlich noch einmal Geld für das vor fünf Jahren eingerichtete Vorzeigeprojekt von Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) fließt, ist wegen weiterer Finanzierungsprobleme eher unwahrscheinlich.

Die Neuköllner Schulen arbeiten deshalb bereits an Alternativen für das neue Jahr, wenn keine Wachschützer mehr die Schulen vor ungebetenen Besuchern schützen. Am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium macht Lehrern vor allem der Weg vom Schulgebäude zur Sporthalle Sorge. Denn dort lungern Jugendliche herum, die die Gymnasiasten früher oft angepöbelt und auch attackiert hatten. Dann wurden die Gymnasiasten von Wachschützern zum Sport begleitet. Nun will Schulleiter Michael Frank, dass zumindest Siebt- und Achtklässler nur in größeren Gruppen auf einer bestimmten Wegstrecke zur Turnhalle gehen. Lehrer hatten dafür plädiert, dass eine ganze Klasse sich nur geschlossen auf den offenbar gefährlichen Weg machen sollte.

Neukölln war der einzige Bezirk mit Wachschützern

Georg Krapp vom Albert-Schweitzer-Gymnasium setzt auf technisches Gerät, damit Schulfremde oder gar Drogensüchtige nicht vom nahen Hermannplatz den Weg ins Schulgebäude finden. Er möchte Videoüberwachung und einen Eingangsbereich, den Schüler nur mit Chipkarte öffnen können. Gerade haben sich bei ihm Vertreter von Hochbauamt und Bosch AG getroffen, um zu sehen, was technisch möglich ist. Dabei präsentierten die Firmenvertreter auch einen Handvenenscanner als Türöffner.

Die Otto-Hahn-Sekundarschule hat einen relativ gut zu kontrollierenden Eingangsbereich. „Das Problem ist aber derzeit, dass man unsere Türen aus Brandschutzgründen von innen immer öffnen kann“, so Schulleiterin Gabriele Holz. Ohne Wachschützer könnten leicht Schulfremde ins Gebäude gelangen. Holz bedauert das Aus für die Wachschützer. „Sie haben gegenüber den Schülern den richtigen Ton getroffen“, sagt sie. Von den 15 Schulstandorten will nur die Röntgen-Schule auf Wachschützer verzichten. Diese Schule verfügt über einen Neubau mit Gegensprechanlage. Das funktioniere ganz gut.

Neukölln ist der einzige Bezirk, der Wachschützer vor Schulen postierte. Führende SPD-Politiker waren dagegen. Versuche, nun vom neuen CDU-Innensenator Frank Henkel Geld dafür bewilligt zu bekommen, scheiterten ebenfalls. Im Innenressort fürchtete man, dass dann auch Schulen aus anderen Bezirken Geld haben wollen.