Berlin - Neukölln lässt nicht nach in seinen Bemühungen, die Kriminalität einzudämmen. Zusammen mit der Polizei, dem Zoll, dem Finanzamt, dem Ordnungsamt sowie der Gewerbeaufsicht durchsuchten Kontrolleure in der Nacht von Donnerstagabend bis zum Freitagmorgen sieben Lokale im Bezirk.

Der Bezirk Neukölln setzt auf eine Null-Toleranz-Strategie 

Die Kontrolleure konzentrierten sich auf Shisha-Bars und wurden fündig: Marihuana, Kokain, verbotene Messer, scharfe Pistolen-Munition sowie Goldschmuck und mehr als 5000 Euro in bar stellten sie sicher. Zwei Männer seien festgenommen worden, hieß es bei der Polizei. Bei dem Fund handelt es sich um den größten seiner Art seit mehreren Monaten.
Der Bezirk setzt auf eine Null-Toleranz-Strategie. Sie scheint jetzt aufzugehen. Man wolle zeigen, wer im Bezirk die Macht hat, hieß es aus dem Bezirksamt. Mehrere Lokale in Neukölln seien im Besitz arabischer Clans, die über die Läden illegalen Handel mit Waffen und Drogen abwickeln, sagten Fahnder des Landeskriminalamtes. Sie seien beliebte Treffpunkte der kriminellen Szene, ebenso wie Wettbüros.

Ein Schwerpunkt der Kontrollen war ein Café in der Tellstraße. Dort beschlagnahmten die Beamten unverzollten Shisha-Tabak. Der Zoll ermittelt nun gegen den Betreiber.

Der letzte Kontrollort war das Café Maybach am Maybachufer. Gegen 23 Uhr stürmten Polizisten in das Lokal. Auch die beiden Drogenhunde Jara und Luna waren mit im Einsatz. Die Hunde liefen zuerst in die Küche des Cafés, schnüffelten dann auch auf dem Hof des Lokals und wurden schließlich im und am Café fündig. Sie fanden mehrere Kilogramm Marihuana und Kokain. Die Drogen lagerten in Kisten. Auch ein Butterflymesser wurde gefunden. Es hat eine Klinge von 15 Zentimetern Länge und ist laut Waffengesetz verboten.

Besonderes Augenmerk bei der Durchsuchung richteten die Beamten auf einen Tresor im Büro des Lokals. Als Mitarbeiter des Cafés den Stahlschrank geöffnet hatten, entdeckten die Kontrolleure 5000 Euro in bar sowie Goldschmuck. Beides wurde sichergestellt. Ob es sich bei dem Schmuck um Hehlerware handelt oder dieser aus einem Einbruch stammt, teilte die Polizei nicht mit. Die Durchsuchung dauerte bis 2.30 Uhr. Am Ende wurde das Café geschlossen und von der Gewerbeaufsicht versiegelt. Unklar ist noch, woher die Drogen stammen. 

Neukölln will nicht auf Kontrolle von Shisha-Bars verzichten 

In Berlin gibt es rund 300 Shisha-Bars, die meisten davon in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Wasserpfeifen-Lokale sind schon lange in den Schlagzeilen. Mit der Einführung des Rauchverbots hatte man den Cafés eine Sondererlaubnis belassen, da man Muslimen nicht einen „traditionell festen Bestandteil“ ihres Kulturkreises nehmen wollte.
Jetzt, so die Argumentation von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci(SPD), sei das Shisha-Rauchen aber Teil des Mainstreams geworden. Auch Deutsche, Amerikaner, Norweger und Holländer mögen den süßlichen Rauch, die Sonderreglung sei nun hinfällig.

Jetzt sollen die Betreiber von Shisha-Bars mit einer Größe von mehr als 75 Quadratmetern einen gesonderten Raucherraum einrichten – zum Schutz von Nichtrauchern. Die Strafen bei Verstößen werden angehoben. Bewegen sie sich derzeit zwischen 100 und 1000 Euro, so sollen künftig zwischen 500 und 10.000 Euro fällig werden.
Viele Gäste, die in Raucher-Bars verkehren, finden die Einschränkungen widersinnig. „Ich gehe auch nicht ins Steakhaus, wenn ich Eintopf essen will“, sagen Gäste.

Der Bezirk will auch künftig nicht auf Kontrollen der Lokale verzichten. „Die kriminellen Clans sollen wissen, dass wir der Kriminalität nicht tatenlos zusehen“, heißt es im Rathaus.