Die Polizei hat am Sonntagabend zwei nur wenige Stunden zuvor besetzte Häuser in den Berliner Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg geräumt. Gegen mindestens 56 Personen werde wegen Hausfriedensbruch ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei in der Nacht zum Montag.

Wie viele Leute sich in den Häusern in der Bornsdorfer Straße 37b in Neukölln und der Reichenberger Straße 114 in Kreuzberg aufgehalten hatten, war zunächst nicht klar. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte der Sprecher.

Hausbesetzer waren am Sonntag aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in Berlin in mehrere leerstehende Gebäude eingedrungen. Die Polizei sprach von bis zu acht Häusern. Ein Sprecher der Aktivisten erklärte dagegen, man habe mindestens neun Häuser besetzt - etwa in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain.

„Schein-Besetzungen“

„Es wurden etliche Gebäude überprüft“, sagte der Polizeisprecher. Bei den meisten Häusern habe es sich allerdings um „Schein-Besetzungen“ gehandelt. „Die Aktivisten hatten über die sozialen Medien verbreitet, dass die Häuser besetzt seien. Nach Überprüfung haben wir aber festgestellt, dass sich da niemand aufgehalten hat“, sagte der Sprecher. Es seien aber Transparente aus den Fenstern der Häuser gehängt worden.

In Kreuzberg hatte es bereits am frühen Abend einen ersten Einsatz gegeben, als Polizisten laut Angaben der Besetzer in den Hinterhof des Hauses stürmten und ein Banner entfernten. Daraufhin kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Einsatzkräften und Aktivisten. Die Polizei zog sich danach kurzzeitig zurück, startete gegen 20.45 Uhr aber die Räumung. In der Reichenberger Straße hatten die Aktivisten den im Juni 2017 geschlossenen Kiezladen Friedel 54 zuvor symbolisch "wiedereröffnet".

Kritik an Räumung in der Bornsdorfer Straße

In der Bornsdorfer Straße trafen sich am Sonntagnachmittag Vertreter der Aktivisten und der Geschäftsführer der Hausverwaltung Stadt und Land zu einem Gespräch, das von beiden Seiten respektvoll geführt wurde, jedoch letzten Endes abgebrochen werden musste. Die Aktivisten beharrten darauf, das Haus weiter besetzt behalten zu können, die Stadt und Land bekräftigte das Verlassen des besetzten Hauses jedoch als Voraussetzung für weitere Verhandlungen. Am Abend sammelten sich daraufhin Polizeikräfte am Gebäude, die Räumung begann ebenfalls kurz vor 21 Uhr.

Unklar blieb, ob die Aktivisten sich noch in Verhandlungen mit Senatspolitikern befanden, als die Polizei räumte oder ob diese Verhandlungen bereits abgebrochen worden waren. Canan Bayran (Die Grünen) erklärte auf Twitter, dass die Räumung in Rücksprache mit dem regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) stattgefunden habe, während die Verhandlungen im besetzten Haus noch nicht abgeschlossen waren. Die Polizei selbst hingegen betonte, dass die Anweisung zur Räumung erst kam, als die Verhandlungen bereits beendet gewesen seien.

Die Gruppe "#Besetzen" hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, mehrere Häuser in Berlin zu besetzen, um damit gegen die Gentrifizierung zu protestieren und neue Räume für soziales Wohnen zu schaffen. (moh/dpa)

Auf "berlin-besetzt.de" werden alle aktuellen und früheren Hausbesetzungen auf einer interaktiven Karte dargestellt.